Schüttler als einziger Deutscher noch im Rennen
Kiefer strauchelt auf „Friedhof der Champions"

Der "Friedhof der Champions" wurde auch Nicolas Kiefer zum Verhängnis. Zwei Tage nach Pete Sampras strauchelte der "Pechvogel" aus Holzminden am Freitag in Wimbledon auf dem berüchtigten Nebenplatz Nummer zwei und schied in der dritten Runde gegen "Aufschneider" Mark Philippoussis als vorletzter deutscher Tennisprofi aus.

dpa LONDON. Anders als die deutschen WM-Kicker konnte der 24-Jährige eine 1:0-Führung nicht nutzen und musste sich gegen den selbst ernannten Turnierfavoriten aus Australien mit 6:3, 3:6, 4:6, 2:6 geschlagen geben. "Ich freue mich auf das WM-Endspiel gegen Brasilien und wäre dann noch gerne im Turnier", hatte sich der Fußball-Fan vorgenommen. Daraus aber wurde nichts; das Viertelfinale bei seinem London-Debüt 1997 bleibt sein bestes Ergebnis.

Einziger Akteur des Deutschen Tennis Bundes (DTB) bei den mit 13,2 Mill. Dollar dotierten All England Championships ist nun Rainer Schüttler. Der Korbacher will an diesem Samstag den Bann brechen und bei seinem fünften Auftritt auf dem Heiligen Rasen an der Church Road zum ersten Mal die dritte Runde überstehen. Gegen den Spanier Feliciano Lopez stehen die Chancen nicht einmal schlecht, zumal der Wahl-Schweizer in seinen beiden Matches bisher eine starke Form zeigte. "Ich bin sehr gut drauf und hoffe, dass es so bleibt", meinte der 26-Jährige, der als Nummer 17 erstmals zu den gesetzten Topspielern gehört.

Kiefer hatte sich für sein Drittrunden-Match einiges vorgenommen. Hellwach und hochmotiviert drängte er Philippoussis zunächst mit seinem druckvollen Spiel an die Wand. Mit 3:0 ging er rasch in Führung und ließ sich den ersten Satz nicht mehr aus der Hand nehmen. Doch dann leistet sich Kiefer eine kurze Schwächeperiode, die ihn auf die Verliererstraße brachte. Zunächst ließ er die Chance zum Break verstreichen, dann gab er seinen Aufschlag ab und ermöglichte seinem ein Jahr älteren Kontrahenten mit 3:0 die Rückkehr ins Match.

Dabei hatte ihn Boris Becker als Kommentator für die BBC gerade noch in den höchsten Tönen gelobt. "Nicolas spielt sehr schlau und ist der klar bessere Spieler auf dem Court", meinte der dreimalige Wimbledonsieger. Doch dann war alles anders. Nicht etwa, weil Kiefer sehr viel schlechter spielte. Nein, aber Philippoussis kaufte dem Holzmindener nun mit seinem exorbitanten Aufschlag mehr und mehr den Schneid ab. Wann immer es notwendig war, knallte er dem Niedersachsen ein Ass um die Ohren - am Ende waren es 33. Und das verunsicherte Kiefer dermaßen, dass er mehr und mehr auch die Kontrolle über sein Service verlor.

"In diesem Jahr bin ich dran, das Turnier hier zu gewinnen", hatte Philippoussis schon vor dem ersten Aufschlag getönt. Drei Knieoperationen hat der Weltranglisten-65. seit 1999 überstanden und war jedes Mal zurückgekommen. Zum fünften Mal kreuzte er die Klingen mit Kiefer; die beiden letzten Vergleich hatte er jeweils im Finale verloren - 19997 in Toulouse und 2000 in Hongkong.

In diese Saison startete der Australier daheim in Adelaide und stürmte gleich ins Finale, das er gegen den britischen Wimbledon-Mitfavoriten Tim Henman verlor. Danach häuften sich allerdings wieder Pleiten, Pech und Pannen. So wie bei Nicolas Kiefer, der seinen Erstrunden-Fluch mit neun Auftakt-Niederlagen erst auf dem Rasen im ostwestfälischen Halle stoppte, wo er sein erstes Endspiel nach deprimierenden neun Monaten erreichte. In Wimbledon folgte nun eine neuerliche und unnötige Enttäuschung.

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