Schützenfest
Nationalelf gewinnt 7:0 gegen Kuwait

Im sportlich unbedeutendsten Länderspiel des Jahres feierte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft drei Wochen vor der Weltmeisterschaft auch ohne zwölf Asien-Reisende ein müheloses Tor-Festival gegen Kuwait.

dpa FREIBURG. Mit 7:0 (Halbzeit 5:0) bezwang die Verlegenheits-Elf von Teamchef Rudi Völler am Donnerstag vor 22 000 Zuschauern im Freiburger Dreisam-Stadion in einem Benefizspiel zu Gunsten der Egidius-Braun-Stiftung die Fußballer aus dem Öl-Staat nach Toren von Torsten Frings (10.), Oliver Bierhoff (24., 43., 71./Foulelfmeter), Sebastian Deisler (40.) Carsten Jancker (77.) sowie Al-Shamari per Eigentor. Im vorletzten WM-Test am Dienstag gegen Wales dürfte die deutsche Mannschaft weit mehr gefordert sein. Dann stehen Völler auch alle Dortmunder Meister-Spieler wieder zur Verfügung.

Gegen die vor allem körperlich hoffnungslos unterlegenen Kuwaitis setzten die deutschen Fußballer die Tradition der Benefizspiele fort. Nach den hohen Siegen gegen 1996 gegen Liechtenstein (9:1), 1998 gegen Luxemburg (7:0) und 2000 erneut gegen Liechtenstein (8:2) gab es 23 Tage vor dem ersten deutschen Gruppenspiel am 1. Juni in Sapporo gegen Saudi-Arabien erneut ein Schützenfest. Während Kapitän Oliver Kahn nahezu beschäftigungslos war, verdienten sich der dynamische Jens Jeremies mit einer starken zweiten Halbzeit und der zweifache Torschütze Bierhoff auf der deutschen Seite die besten Noten.

Mit einer Aufstellung, in der die deutsche Fußball- Nationalmannschaft wohl nie wieder zu sehen sein wird, bestritt das Völler-Team die Länderspiel-Premiere gegen Kuwait. Der Teamchef musste auf zwölf seiner WM-Fahrer verzichten. Die lange Ausfallliste komplett machte vor der Partie der Berliner Marko Rehmer. Der Abwehrspieler von Hertha BSC musste sein Comeback nach einem doppelten Bänderriss im Sprunggelenk erneut verschieben - eine reine Vorsichtsmaßnahme, um einen WM-Einsatz nicht zu gefährden. Während sämtliche Nationalspieler von Schalke 04 und Bayer Leverkusen wegen ihrer Verpflichtungen im DFB-Pokal-Endspiel bzw. Champions-League-Finale fehlten, waren vom deutschen Meister Borussia Dortmund wenigstens Sebastian Kehl und Christoph Metzelder im Einsatz, die beim UEFA-Cup-Finale gegen Feyenoord Rotterdam nicht mitwirken konnten - allerdings auch nicht bei den Meister- Feierlichkeiten am Donnerstag in Dortmund.

Die in England tätigen Christian Ziege (Verletzung) und Dietmar Hamann (Punktspiel) waren drei Wochen vor dem WM-Start ebenfalls verhindert. Marco Bode setzte sich trotz eines Blutergusses im Knie als "Herbergsvater" für fünf junge Nationalmannschafts-Neulinge zumindest auf die Bank. Als Debütanten Nummer 11, 12, 13 und 14 unter Völlers Regie kamen in Freiburg die eingewechselten Paul Freier (VfL Bochum), Fabian Ernst (Werder Bremen), Daniel Bierofka (1860 München) sowie Christian Rahn von Beginn an zum Zuge. Der Mittelfeldspieler vom St. Pauli agierte wie Torsten Frings aus einer Vierer-Abwehrkette. Auch Miroslav Klose musste sich als Halbstürmer auf der linken Seite in eine ungewohnte Rolle fügen, während sich der in der Bundesliga ohne Tor gebliebene Carsten Jancker vom FC Bayern München und der beim AS Monaco an die Reservebank gewöhnte Oliver Bierhoff im Sturmzentrum agierten.

Die wichtigste Personalie für das Trainerduo Völler/Skibbe war vor dem Abflug nach Japan am 22. Mai zweifellos Sebastian Deisler. Der Berliner, der im Sommer von Hertha BSC zum FC Bayern München wechselt, bestritt nach seiner langwierigen Knieverletzung und dem folgenden Muskelfaserriss sein erstes Länderspiel seit dem 6. Oktober 2001. Der 22-Jährige deutete nicht nur mit seinem dritten Länderspieltor an, dass er sportlich auf einem guten Weg ist. Deisler ging weite Wege und engagiert in die Zweikämpfe. Allerdings war ihm die mangelnde Spielpraxis bei vielen holprig wirkenden Aktionen noch anzumerken. Nach einer guten Stunde war Deisler, der in der Bundesliga in dieser Saison nur elf Spiele bestritten hat, am Ende seiner Kräfte und wurde ausgewechselt.

Auch Bierhoff dürfte aus seinen drei Toren wieder etwas Selbstvertrauen geschöpft haben. Mit seinen Länderspiel-Treffern 34, 35 und 36 zog der frühere Auswahl-Kapitän in der deutschen Torjäger- Liste an Ulf Kirsten vorbei und ist nun Siebter. Bierhoffs Sturm- Partner Jancker musste lange auf einen Torerfolg warten. Nachdem ihn Torhüter Al-Khaledi mit tollen Paraden fast zur Verzweiflung getrieben hatte, gelang dem groß gewachsenen Bayern-Stürmer mit dem Schlusspunkt zum 7:0 doch noch der erlösende Treffer. Bayern-Kollege Kahn kam eigens in die gegnerische Hälfte geeilt, um seinem Clubkollegen dazu zu gratulieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%