Schulden-Stundung auf wackligen Füßen
Kommunikations-Debakel für Mobilcom

Der Streit mit France Telecom geht in eine neue, öffentliche Runde: Auf die Mobilcom-Meldung, die Stundung der Milliarden-Kredite sei beschlossen, folgte prompt das Dementi aus Paris.

woe/Reuters PARIS. Die Mitteilung der Mobilcom AG kündete davon, dass sich die Parteien endlich über eine Umschuldung geeinigt haben: Die zum 31. Juli fälligen Kredite in Höhe von 4,7 Mrd. Euro würden gestundet, hieß es. Die Unternehmen hätten jetzt bis zum 30. September Zeit, um sich auf eine Refinanzierung zu einigen.

Genauer betrachtet enthielt aber schon die kurze Mitteilung den Haken: Die Stundung stehe "unter der auflösenden Bedingung, dass ein Memorandum of Understanding über eine langfristige Lösung der Finanzierung zwischen der France Telecom und dem Bankenkonsortium bestandskräftig bleibt".

Aus Sicht von France Telecom klingt der Stand der Dinge denn auch weniger positiv: Es bestehe lediglich eine Absichtserklärung mit den Banken, hieß es aus Paris. Danach sollen die Ende Juli fälligen Verbindlichkeiten durch die Begebung einer Wandelanleihe refinanziert werden.

Nur wenn diese Lösung zustande kommt, ist die Umschuldung gesichert. Dazu müssten jedoch bis zum 30. September eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein, schränkte France Telecom ein. Geschieht das nicht, erlischt die Absichtserklärung und damit auch die Stundung der Refinanzierung. Details für die Bedingungen nannte France Telecom nicht.

Die von France Telecom und den Banken vorläufig vereinbarte Wandelanleihe sieht vor, dass die Banken die Anleihe bei einem Kurs von 47 Euro in Aktien von France Telecom tauschen können. Die Wandelanleihe will France Telecom eigenen Angaben zufolge in der Bilanz "als eine Art Eigenkapital" verbuchen.

France Telecom ist an Mobilcom über seine Mobilfunktochter Orange mit rund 28,5 Prozent beteiligt. Der französische Konzern hatte im Jahr 2000 gemeinsam mit Mobilcom eine der sechs deutschen UMTS-Mobilfunklizenzen ersteigert, dafür rund 8,3 Mrd. Euro bezahlt und den jetzt fällig werdenden Kredit abgesichert.

Zudem müssen sich die beiden Unternehmen noch mit den beiden Hauptlieferanten für UMTS-Mobilfunktechnik Nokia und Ericsson einigen, um eine Lösung für die ebenfalls fällig werdenden Lieferantenkredite in Höhe von 1,1 Mrd. Euro zu finden. Aufgrund der vorübergehenden Stundung der Kredite über 4,7 Mrd.  Euro bleibt für die Verhandlungen mit Nokia und Ericsson nun noch zwei Monate Zeit.

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