Schuldenabbau bleibt Top-Thema
Rickes Schonfrist bei der Telekom ist abgelaufen

Eine Schonfrist wie Politiker wollte sich Kai-Uwe Ricke von Anfang an nicht zugestehen. "100 Tage werde ich nicht brauchen", sagte der 42-jährige Manager, als er Mitte November 2002 den Posten des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom übernommen hatte.

HB/dpa BONN. Das monatelange Rätselraten um die damals wichtigste Personalie in der deutschen Wirtschaft war beendet, und der Mobilfunkmanager schritt zur Tat. Die Axt legte Ricke zunächst im Konzernvorstand an: Er verkleinerte die Führungsmannschaft und stärkte die vier Säulen Mobilfunk, Festnetz, Online und Systemgeschäft.

Mit dem Umbau setze die Telekom "ein klares Zeichen für einen Neubeginn hin zu mehr Marktnähe und mehr Verantwortung der Divisionen", betonte der neue Telekom-Chef. An diesem Samstag ist Ricke 100 Tage im Amt. Doch die größte Herausforderung muss der Vorstandschef noch meistern: der geplante Abbau des Schuldenberges von zuletzt 64 Milliarden Euro auf eine Größenordnung von rund 50 Milliarden bis Ende 2003. An diesem Ziel wird sich Ricke messen lassen müssen, vor allem von den Kapitalmärkten.

Denn die kennen keine Gnade. Anfang Januar stufte die Rating- Agentur Moody's die Bonität des größten europäischen Telekom - Konzerns drastisch um zwei Stufen auf Baa3 herab. Noch eine Stufe weiter unten und die Anleihen der Telekom würden als so genannte Schrottanleihen (Junk Bonds) gelten. Moody's begründete den Schritt mit Zweifeln bezüglich der Einhaltung des Plans zum Schuldenabbau. Die Anleger reagierten gelassen auf den Schritt, Analysten hielten ihn für überzogen.

Oliver Pfluger, Telekom-Experte bei der Düsseldorfer WGZ-Bank erteilt Ricke gute Noten. "Mit der Neuausrichtung des Konzerns ist er weiter gegangen als viele erwartet hatten". Neben dem Verkauf eines weiteren Aktienpakets an der Internettochter T-Online gehöre hierzu der Verkauf des TV-Kabelnetzes und die Neuausrichtung der Konzernzentrale. Richtig sei auch gewesen, dass sich die Telekom nicht von VoiceStream getrennt habe, die heute unter T-Mobile US firmiert. Damit hätte sich das Unternehmen in der Mobilfunksparte von Internationalität abgeschnitten.

Auch von Expansion will sich Ricke nicht verabschieden: "Unsere Zukunft heißt Entschuldung und Wachstum", sagt er. Nur so könne eine nachhaltige Ergebnisverbesserung erzielt werden. Auch Pfluger betont: "Der Schuldenabbau darf nicht auf Kosten des Wachstums gehen."

Nach den Rekordverlusten durch hohe Abschreibungen auf UMTS-Lizenzen und Firmenzukäufe 2002 hat die Telekom eine bessere Ertragslage bitter nötig. Nicht höher als das Dreifache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sollen sich die Finanzschulden Ende 2003 belaufen. Bei einem erwarteten Ebitda von 16,7 bis 17,7 Milliarden Euro läge der Korridor Ende des Jahres zwischen 49 Milliarden und 52 Milliarden Euro.

Erreichen will Ricke das Ziel mit der simplen Formel "6 + 6". Der Verkauf von nicht-strategischen Vermögensteilen soll 6 Milliarden Euro bringen, weitere 6 Milliarden Euro müssen aus dem operativen Geschäft kommen. Ein Teil der Maßnahme hat der Konzernchef bereits umgesetzt wie den Verkauf des TV-Kabelnetzes. Insgesamt beziffert die Telekom die abgeschlossenen Verkäufe auf 4 Milliarden Euro.

Der von Ricke verordnete Sparkurs trifft auch die Beschäftigten. Bis 2005 sollen 55 000 Stellen von derzeit 255 000 dem Rotstift zum Opfer fallen. Verschlankt wird dabei auch die Konzernzentrale. Hält der Telekom-Chef in Sachen Schuldenabbau sein Versprechen, wären die Aussichten für einen Kursanstieg der T-Aktie wieder besser. Denn nichts erwarten die gebeutelten Kleinanleger sehnlicher als die Trendwende.

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