Schuldenberg deutlich geschrumpft
Thyssen-Krupp kürzt die Dividende

Der Mischkonzern Thyssen-Krupp hat mit einem deutlichen Schuldenabbau im abgelaufenen Geschäftsjahr die Analysten überrascht. Beim Gewinn verzeichnete das Unternehmen allerdings erwartungsgemäß einen Einbruch.

Reuters DÜSSELDORF. Die Nettofinanzschulden seien um 1,7 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden Euro zurückgefahren worden, teilte das Düsseldorfer Unternehmen am Donnerstag in seinem ersten Überblick für das im September abgelaufene Jahr 2001/02 mit. Analysten reagierten überrascht, da Thyssen-Krupp den Schuldenabbau zwar angekündigt, jedoch keine Details zum Ausmaß genannt hatte. Beim Umsatz verzeichnete Thyssen-Krupp wegen der Konjunkturschwäche in seinen wichtigsten Märkten im Vergleich zum Vorjahr einen dreiprozentigen Rückgang auf 36,7 Milliarden Euro.

Der von Thyssen-Krupp berichtete Rückgang des Gewinns vor Steuern auf 419 Millionen Euro von 774 Millionen Euro im Vorjahr war dagegen am Finanzmarkt weitgehend erwartet worden. Entsprechend dem Gewinnrückgang soll die Dividende gekürzt werden, teilte der Konzern weiter mit. Der Vorstand schlage eine um 20 Cent auf 0,40 Euro verringerte Ausschüttung je Aktie vor. Nach Unternehmensangaben hätten alle Geschäftsbereiche positive Ergebnisbeiträge geleistet. Thyssen-Krupp ist neben dem traditionellen Stahlgeschäft unter anderem auch noch als Autozulieferer, im Werkstoffhandel und im Maschinenbau aktiv.

Details zu den einzelnen Sparten veröffentlichte Thyssen-Krupp indes nicht. Das Unternehmen verzichtete in seiner Pressemitteilung auch auf einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr und verwies für weitere Einzelheiten auf die für den 20. Dezember angekündigte Bilanzpressekonferenz.

In Reaktion auf die Zahlen zog der Kurs der Thyssen-Krupp-Aktie kräftig an. Am Vormittag notierten die DAX-Titel in einem freundlichen Marktumfeld bei 12,59 Euro um 3,20 Prozent höher.

Der Schuldenabbau wurde zum großen Teil durch Erlöse aus dem Verkauf von Beteiligungen bestritten, sagte ein Unternehmenssprecher. Größter Einzelposten war der Erlös aus dem Verkauf der Ruhrgas-Beteiligung an den Energiekonzern Eon. Für seinen knapp fünfprozentigen Anteil hatte Thyssen-Krupp etwa 500 Millionen Euro bekommen. Aus anderen Verkäufen summierten sich weitere 300 Millionen Euro Erlöse.

Durch eine Verringerung der Kapitalkosten konnten den Angaben des Sprechers zufolge 600 Millionen Euro eingespart und zum Schuldenabbau verwendet werden. Analysten führen die Reduzierung der Kapitalkosten auf die niedrigere Kapitalbindung durch den Lagerabbau in der Stahlsparte zurück. Sobald die Stahlkonjunktur mengenmäßig wieder anspringe, würden die Läger notwendigerweise wieder aufgestockt und damit wieder mehr Kapital gebunden, dämpfte DZ-Bank-Analyst Rainer Münch Erwartungen, dass auch künftig durch niedrige Kapitalkosten der Schuldenabbau beschleunigt werde.

Für Münch ist der Schuldenabbau "die eigentlich positive Nachricht" von Thyssen-Krupp. "Der hohe Schuldenberg ist für viele Investoren ein großes Ärgernis gewesen", sagte er. Auch für BHF-Analyst Hermann Reith kommt das Ausmaß des Abbaus überraschend. Durch die geringere Schuldenlast erhöhe sich die finanzielle Flexibilität des Unternehmens deutlich, sagte er. In der Vergangenheit hatten die Experten den hohen Schuldenberg bei Thyssen-Krupp häufig als Hemmschuh für weiteres Wachstum gesehen.

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