Schuldverschreibungen als letzte Hoffnung in Zeiten sinkender Einnahmen
Fußballklubs wollen auf Anleihemarkt mitspielen

Schlechter hätte das Wochenende für den englischen Fußballclub Manchester City nicht laufen können. Nach einer 0:3-Auftaktschlappe gegen Leeds United ziert der Klub des Ex-Nationaltrainers Kevin Keegan das Tabellenende des englischen Oberhauses.

HB LONDON. Und ausgerechnet jetzt muss der Verein über Geld verhandeln. Manchester City befindet sich in Schlussabstimmungen über die Emission einer Anleihe. Die Konditionen des von der Investmentbank Bear Stearns aufgelegten 44 Mill. Pfund-Papiers (knapp 70 Mill. Euro) werden offenbar in diesen Tagen festgezurrt.

Anleihen sind für manch einen Fußballclub die letzte Hoffnung in Zeiten schrumpfender Einnahmen: Fast überall in Europa suchen Vereine nach Geld. Wegen der wegbrechenden Fernsehgelder fehlen Clubs die Mittel, um Kredite zu bedienen, teure Spieler zu kaufen oder laufende Kosten zu bezahlen. Die Hoffnungen auf den Aktienmarkt haben einige Wagemutige nach der Dauer-Depression der Märkte begraben. Dagegen ist die Emission von Anleihen ein gutes Geschäft. Allein in Großbritannien haben vor Manchester schon die Liga-Konkurrenten Leeds United, Southhampton und Newcastle sowie aus der zweiten Liga Leceister City und Ipswich Town meist 25 Jahre laufende Papiere begeben.

Clubs aus dem Ausland haben ebenfalls reges Interesse. "Wir rechnen damit, dass in den nächsten 24 Monaten sechs Clubs in Europa noch an den Anleihemarkt gehen", sagt Scott Dickens, Managing Director von Bear Stearns, die zusammen mit der französischen Investmentbank Lazard den Markt nahezu unter sich aufteilen. Der türkische Verein Galatasaray Istanbul und Spaniens Spitzenclub Real Madrid haben bereits Papiere im Umlauf.

Dem Vernehmen nach fragen in diesen Tagen vor allem italienische Clubs an. Auch aus Deutschland soll es Interesse geben, genannt wird immer wieder Schalke 04. Der Verein gibt aber eine ähnliche Auskunft ("Quatsch!") wie Bayern München ("Nein"), Borussia Dortmund ("Nichts bekannt") oder Bayer Leverkusen ("Was für ne Anleihe?").

In England dagegen dürfte das Interesse an dieser Art der Finanzierung groß bleiben, denn die Vereine stehen seit der laufenden Saison stark unter Druck. Nach dem Kollaps des Inhabers der Fernsehrechte ITV Digital stehen noch Zahlungen von 132 Mill. Pfund an die 72 Vereine der Profiligen aus. Dieses Geld können sie nach dem jüngsten Gerichtsurteil des Londoner High Courts abschreiben. Rund 30 Clubs, so heißt es, stehen seitdem vor dem finanziellen Ruin. Gerade diese schwächsten Clubs dürften aber für das Bond-Programm gar nicht in Frage kommen. Die Anleger achten darauf, dass sie ein überschaubares Risiko tragen. Die Papiere gehen meist nur an wenige Investoren, etwa Versicherungen oder Pensionsfonds, die an langfristigen Schuldverschreibungen interessiert sind.

Die Clubs zahlen die Anleihen in der Regel mit den Erlösen aus den Ticket-Verkäufen einer Saison zurück. Die Investment-Banken interessieren sich daher nur für Anleihen von Clubs mit einem stabilen Fan-Umfeld. Um das Risiko des Papiers zu bewerten, schalten die Banken im Vorfeld eine Rating-Agentur ein - in der Regel Fitch Ibca. "Wir schauen uns die historische Entwicklung der Zuschauerzahlen an und achten darauf, dass die aufzunehmende Gesamtschuld deutlich unter den durchschnittlichen Einnahmen liegt", sagt Jonathan Pitkänen von Fitch.

Für Manchester City ist dabei nicht alles seit dem Wochenende schlechter geworden - selbst wenn sie am Ende absteigen sollten: "Wir haben schon einige Clubs gesehen, deren Zuschauerzahlen nach einem Abstieg noch gestiegen sind."

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