Schule eingestürzt
Erdbeben in Italien fordert viele Tote und Verletzte

Experten sprachen vom schwersten Beben, das die Region Molise (200 Kilometer südöstlich von Rom) je erlebt hat. Nach ersten Schätzungen wurden 70 Prozent der Häuser in dem Krisengebiet zerstört oder schwer beschädigt, eine Frau starb in den Trümmern ihres Wohnhauses.

dpa CAMPOBASSO. Bei einem schweren Erdbeben in Mittelitalien sind am Donnerstag mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Eine Schule in der Region Molise stürzte ein, mehr als 50 Kinder und Lehrer wurden von den Trümmern eingeschlossen. Die Rettungsmannschaften bargen bis zum Abend sieben Kinderleichen. Bei dem Erdstoß der Stärke 5,4 auf der Richterskala war das Dach des Gebäudes eingestürzt.

Experten sprachen vom schwersten Beben, das die Region Molise (200 Kilometer südöstlich von Rom) je erlebt hat. Nach ersten Schätzungen wurden 70 Prozent der Häuser in dem Krisengebiet zerstört oder schwer beschädigt, eine Frau starb in den Trümmern ihres Wohnhauses. In einer Gemeinde stürzte eine Kirche ein.

Das Rettungskräfte suchten am Abend in den Trümmern der Schule in der kleinen Gemeinde San Giuliano di Puglia nach weiteren Überlebenden. Einige gingen mit bloßen Händen vor, um die Eingeschlossenen nicht zu gefährden. Feuerwehrleute berichteten, sie hörten Schreie unter den Trümmern. Sie setzten Spürhunde und Sonden ein, die Körperwärme registrieren. In dem Gebäude waren Schulen und auch ein Kindergarten untergebracht. Etwa 20 Verletzte wurden bis zum Abend geborgen und in Krankenhäuser gebracht, darunter acht Schwerverletzte. Es waren weniger Jungen und Mädchen als sonst in dem Gebäude, weil sie wegen Halloween-Feiern frei bekommen hatten.

Die Rettungsmannschaften erreichten den Kindergarten erst mit erheblicher Verspätung, weil die Anfahrt durch eine zerstörte Brücke behindert wurde. Kritiker in Rom warfen dem Zivilschutz vor, er sei stümperhaft vorgegangen. Am Abend verbreitete ein weiterer Erdstoß Angst und Schrecken unter der Bevölkerung.

Es war das schwerste Beben seit 1997 in Italien. Molise ist eine der ärmsten Regionen Italiens. Auch im benachbarten Apulien gab es zahlreiche Schäden. Das Epizentrum lag bei Campobasso, der Hauptstadt der Region Molise. "Ich hörte einen lauten Knall, dann begann die Erde zu beben", sagte eine Frau in Campobasso. Es gab mehrere Nachbeben. "Die Erdstöße dauerten sechs bis sieben Sekunden, alles schwankte", berichtete ein Mann.

Feuerwehrleute und Rettungskräfte aus ganz Italien wurden zusammengezogen. Die Erschütterungen waren bis nach Pescara an der Adria sowie bis nach Rom und Neapel zu spüren. Die Eisenbahnverbindungen nach Campobasso wurden unterbrochen. Einsatzkräfte kreisten mit Hubschraubern über der Krisenregion, um sich ein Bild über das Ausmaß der Schäden zu machen. In vielen Gemeinden liefen die Menschen in Panik auf die Straßen. Schulen und andere öffentliche Gebäude wurden sofort evakuiert.

1997 kamen in Umbrien bei einem Beben der Stärke 5,7 zwölf Menschen ums Leben, die Basilika von Assisi wurde schwer beschädigt. Bei einem Beben in Südtirol starben 2001 vier Menschen. Ausläufer des Bebens der Stärke 5,2 auf der Richterskala waren auch in Bayern, Österreich und der Schweiz noch zu spüren.

Das Erdbeben vom Donnerstag hat nach Expertenmeinung nichts mit dem Ausbruch des sizilianischen Vulkans Ätna zu tun. "Die Zentral- Apenninen sind ein eigenes geologisches Gebiet, das mit dem Ätna nicht in unmittelbarer Wechselwirkung steht", sagte der Seismologe Peter Bormann vom Geoforschungszentrum Potsdam am Donnerstag in einem dpa-Gespräch. Erdbeben der Stärke 5 kämen in Mittelitalien alle drei bis fünf Jahre vor.

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