Schulkonferenz ändert Passus in Hausordnung
Bauch darf beim Lernen frei sein

Der frei zur Schau gestellte Bauch einer Schülerin widerspricht nicht der alten Schulweisheit, wonach eigentlich nur der Kopf für das Lernen frei sein sollte. Diese Ansicht verkündete nach wochenlangem Streit am Mittwoch die Leitung der Friederike-Krüger-Schule im mecklenburgischen Friedland.

ap FRIEDLAND. Zuvor war dort die 13-jährige Kristin wegen freier Körperpartien zwischen modischer Hüfthose und kurzem Top vom Unterricht ausgeschlossen worden.

Mit "übertriebener Freizügigkeit", die den Unterricht beeinträchtige und die Jungen ablenke, hatte Schuldirektorin Ruth Heckt die Bekleidungsbeschränkung begründet. Als "Einschränkung der persönlichen Freiheit" und "Modeverbot" monierten Schüler und auch Eltern die Verschärfung der Hausordnung durch die Schulkonferenz. Die Wellen der Empörung schwappten von Friedland über das Schulamt Neubrandenburg bis hoch in das Schweriner Kultusministerium. Kristins Mutter sieht in dem Unterrichtsausschluss ihrer Tochter einen "Willkürakt" und hat ihr Kind inzwischen an einer anderen Schule untergebracht. Als "unverhältnismäßig" wertet auch Hans-Jürgen Stein vom Neubrandenburger Schulamt das Vorgehen an der Friedländer Schule. Rückenstärkung gab es letztlich vom Kultusministerium in Schwerin, das Bekleidungsverbote dieser Art als "rechtlich nicht haltbar" bezeichnete. Ein Ministeriumssprecher verwies allerdings darauf, dass Einschränkungen bei Bekleidung durchaus angebracht seien, wenn sie Unterricht und Zusammenleben an Schulen störten. Das träfe etwa auf stahlbewehrte Springerstiefel oder auch völlig durchsichtige Oberteile bei Mädchen zu. Knappe Hosen und Tops würden nicht darunter fallen.

Der heftige Gegenwind veranlasste letztlich die Schulkonferenz Friedland zur neuerlichen Revision der erst vergangene Woche geänderten Hausordnung. Nicht mehr das Verbot "übertriebener Freizügigkeit", sondern die breit interpretierbare Forderung nach "angemessener Kleidung" wird jetzt erhoben. Der freie Bauch ist damit zulässig, wie die stellvertretende Schulleiterin Monika Hadrath auf Anfrage wissen ließ. "Wir sind beileibe nicht so eine verknöcherte Einrichtung, wie man uns in der Öffentlichkeit darzustellen versucht", betont sie.

Jetzt in der kalten Jahreszeit müsse die Schule allerdings auch ihre Verantwortung in Sachen Gesundheit wahrnehmen und auf mögliche Folgen nackter Haut hinweisen, betont Pädagogin Hadrath. Im Sommer hätte man im Unterricht kein Problem mit einem freien Bauch. Im Fall Kristin sei es eigentlich auch gar nicht um diesen, sondern um die Rückenpartie gegangen, was aber immer wieder falsch dargestellt worden sei. Beim Bücken hatte sich nachweislich auf der Rückseite der Rand von Kristins Slip gezeigt, was die Jungen veranlasste, immer wieder an dem Mädchen herumzuzupfen. Derartigen Vorfällen soll jetzt mit angemessener Bekleidung an der Schule in Friedland abgeholfen werden.

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