Schulnoten für die Fächer Strategie, Produkte, Führung, Shareholder Value und Informationspolitik
Joachim Milberg zieht sich bei bei BMW zurück

Stabwechsel beim Münchener BMW-Konzern: Joachim Milberg zieht sich nach drei Jahren an der Unternehmensspitze wegen Gesundheitsproblemen aus dem Unternehmen zurück. Auf der Hauptversammlung in München übergibt Milberg das Lenkrad an seinen Nachfolger Helmut Panke. Handelsblatt.com zieht eine Bilanz der kurzen Ära Milberg.

mwb MÜNCHEN. Der scheidende Vorstandsvorsitzende bekommt Schulnoten für die Fächer Strategie, Produkte, Führung, Shareholder Value und Informationspolitik.

Strategie: 2

Milberg hatte einen schweren Einstieg. Durch das Rover-Debakel, das seinem Vorgänger Bernd Pischetsrieder den Kopf kostete, wäre BMW fast vor die Wand gefahren. So gesehen war die Strategie, sich mit der Marke BMW auf das Premium-Segment zu konzentrieren aus der Not geboren, sich von Rover trennen zu müssen. Milbergs Verdienst ist es, die Trennung von Rover trotz großer Widrigkeiten so gemanagt zu haben, dass kein nachhaltiger Image-Schaden für die Marke BMW entstanden ist. Die Strategie ist gerade bei schlechter Konjunktur voll aufgegangen wie die Rekordumsätze und Gewinne des Konzerns zeigen. BMW-Käufer sind solvent und deshalb nicht so konjunkturempfindlich. Insgesamt ist BMW dank Milberg wieder auf dem richtigen Weg, auch wenn die Strategie quasi vorgegeben war. Deshalb die Note 2.

Produkte: 1-2

BMW gibt mit neuen Modellen Vollgas. Zur Einschränkung: Milberg konnte in seiner Amtszeit die Früchte der Fahrzeuge ernten, die aber bereits unter seinem Vorgänger Pischetsrieder gesät wurden. Auch die Wiederbelebung der Marke Mini scheint nach den jüngsten Absatzzahlen voll aufzugehen. Der neue 7er ist in seinem Design in Deutschland umstritten, verkauft sich aber in den USA prima. Dazu kommen noch das kleinere Geländesportfahrzeug X 3, ein Coupe des wiederbelebten Sechser und zur Abrundung nach unten die Einser-Reihe - zugleich einziger Kritikpunkt: Denn auch BMW kann die Gesetze der Automobilwirtschaft nicht völlig außer Kraft setzen, nach denen mit größeren Autos auch höhere Margen erzielt werden. Zudem drohen Kannibalisierungseffekte zwischen der neuen Baureihe und den kleinsten Dreier-Modellen. Weil Milberg nur drei Jahre im Amt war, und die Risiken seiner Produktpolitik sich erst später zeigen werden: statt der 1 nur eine 1-2.

Führungskompetenz: 1-2

Der ehemalige Universitäts-Professor Joachim Milberg steht bei BMW für die Perfektionierung von Abläufen. Sein Führungston war leise und ausgewogen, aber bestimmt. Nach einigen personellen Bereinigungen im Vorstand, hat er es in schwieriger Zeit für BMW geschafft, aus dem Vorstand ein Team zu schmieden. Auch oder weil er souverän genug war, sich selbst zurückzunehmen. Sein kooperativer Führungsstil wird von allen Seiten gelobt. Auch seinen vorzeitigen Abgang wegen seines Rückenleidens hat er selbst bestimmt und damit BMW eine leidige Nachfolge-Diskussion wie etwa bei VW erspart. Das hatte Stil. Einziges Handicap: Den ganz großen Glanz hat er nach außen nicht verbreitet. Deshalb kanpp an der Eins vorbei.

Shareholder Value 2

Der Erfolg in diesem Fach läßt sich einfach am Börsenkurs ablesen. Kürzlich hat der Aktienkurs von BMW wieder ein historisches Hoch erreicht.

Informationspolitik 3

Die Informationspolitik bei BMW ist nicht gerade offensiv. In der Roverkrise Anfang 2000 äußerte sich Milberg nicht immer eindeutig zur Zukunft von Rover. Das brachte ihm herbe Kritik ein. Später entschuldigte er sich dafür. Der Autokonzern ist seit den Turbulenzen um Rover noch diskreter als schon zuvor. Selbst der Wechsel im Vorstand oder die Entscheidung für Leipzig als neuen Werksstandort blieben bis zuletzt geheim. Immerhin hat der Konzern sich inzwischen dazu durchgerungen, Quartalszahlen zu veröffentlichen. Auch bei der Umstellung der Bilanzierung auf IAS hat BMW vorbildlich informiert. Wegen dem Bemühen um Besserung: eine Drei.

Gesamtnote: Der leise Professor Joachim Milberg, der damals dem schillernden Entwickler Joachim Reitzle vorgezogen wurde, war der rechte Mann zur rechten Zeit, um BMW mit ruhiger Hand aus schwierigen Gewässern zu steuern. Seine Fähigkeit zu integrieren war dabei goldwert. Er hat all seine Kritiker eines Besseren belehrt. Deshalb ein gut mit einem dicken Plus. Mehr konnte man von ihm nicht erwarten.

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