Schulter ausgerenkt
WM-Aus für Brasiliens Kapitän Emerson

Eine Dummheit hat Brasiliens Kapitän Emerson um den Höhepunkt seiner Karriere gebracht und im Lager des viermaligen Weltmeisters einen Schock ausgelöst.

dpa ULSAN/SÜDKOREA. Der Ex-Leverkusener renkte sich bei einer leichtsinnigen Torwart-Aktion im Training die Schulter so schwerwiegend aus, dass er dem Titelanwärter bei der gesamten WM-Endrunde fehlt. Emerson fällt laut Teamarzt Jose Luiz Runco für vier Wochen aus. Der brasilianische Fußball-Verband stellte vor dem Auftaktspiel gegen die Türkei beim Weltverband FIFA den Antrag auf Nachnominierung eines Spielers.

Durch Emersons Missgeschick könnte der Neu-Münchner Ze Roberto doch noch zu seiner WM-Teilnahme kommen. Laut Reglement wäre dies möglich, da sich der Kapitän die Verletzung 24 Stunden vor der Partie am Montag (11.00 Uhr MESZ) in Ulsan zuzog. Emerson hatte sich im Training aus Jux als Torwart versucht. Aus dem Spaß wurde jedoch bitterer Ernst, als der Mittelfeldregisseur von AS Rom fünf Minuten lang liegen blieb. Der 26-Jährige war bei einer Parade auf die rechte Schulter gestürzt. Nach einer Untersuchung in einem örtlichen Krankenhaus musste Emerson den Arm in einer Schlinge tragen.

Wenige Stunden zuvor hatte Trainer Luiz Felipe Scolari mit Blick auf das erste Spiel noch erklärt: "Ein bisschen göttliche Hilfe kann man immer gebrauchen." Seine Bitte wurde jedoch nicht erhört. Dabei hat Scolari schon genügend andere Probleme, wie sein angespanntes Gesicht verriet. Denn bei den "Ballzauberern vom Zuckerhut" steht nicht alles zum Besten.

Dass die Nerven beim WM-Mitfavoriten blank liegen, bewies ein Trainings-Zwischenfall zwischen dem Leverkusener Lucio und Stürmer Denilson von Betis Sevilla. Ein Zweikampf der beiden wäre beinahe zur Schlägerei ausgeartet. Für die Nervosität sprach auch die Tatsache, dass im Training schon einmal acht Elfmeter hintereinander nicht verwandelt werden konnten. Aber auch beim Gegner, der nach 48 Jahren sein WM-Comeback gibt, ist alles andere als Lässigkeit angesagt. "Der psychologische Druck, der auf uns lastet, ist schon enorm", räumt Stürmerstar Hakan Sükür ein.

Vor dem sportlichen Duell gab es bereits einen Verbalkrieg. "40 % unserer wahren Leistungsstärke sollte gegen die Türkei ausreichen", hatte Brasiliens Außenläufer Roberto Carlos gesagt. Der türkische Coach Senol Günes entgegnete: "Brasilien muss aufpassen. Heute gewinnt man nicht mehr, nur weil man das richtige Trikot trägt oder eine erfolgreiche Geschichte hat."

Für die türkische Mannschaft steht eine besondere Prämie auf dem Spiel: Für den Einzug in die nächste Runde hat Günes einen Tag "zur freien Gestaltung" versprochen. Auch ein Treffen mit den Spielerfrauen ist möglich. Dazu gibt es einen Wagen mit Allrad- Antrieb für jeden Profi. Bayer Leverkusens Mittelfeld-Ass Yildiray Bastürk spekuliert derweil mit einer weiteren Belohnung: Er will die WM als Sprungbrett zu einem großen europäischen Club nutzen. "Wenn es nach dem Turnier Angebote gibt, könnte ich mir einen Wechsel vorstellen." Gegen Brasilien muss er aber erst einmal an seinem Vereinkollegen Lucio vorbeikommen. Und der Abwehrrecke warnte bereits: "Während des Spiels kenne ich keine Kollegen."

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