Schulterschluss mit Microsoft
Burda setzt auf gebührenpflichtige Inhalte im Netz

Der Medienkonzern Burda ist für die Entwicklung des Internetgeschäfts optimistisch. Verleger Hubert Burda setzt auf gebührenpflichtige Inhalte im Netz. In Zusammenarbeit mit Telekommunikationsunternehmen müssten die Verlage allerdings einfache Bezahlsysteme entwickeln.

HB DÜSSELDORF. "Paid Content klappte bisher nicht, weil er schlichtweg zu umständlich ist", sagte der 62-jährige Medienunternehmer dem Handelsblatt. "Die Rechnungsstellung muss noch viel einfacher werden." Burda drängt auf einheitliche Modelle für das Bezahlen von Internetinhalten per Telefonrechnung. Es gebe bereits Gespräche mit zwei Mobilfunkkonzernen.

"Es geht darum, Abrechnungssysteme zwischen Inhalteanbietern und Telekomunternehmen zu entwickeln", sagt Burda. Ihm schwebt vor, dass Gebühren von unter 50 Euro für Internetinhalte über die Telekomunternehmen abgewickelt werden. An Inhalten mangelt es aus Sicht des Verlegers nicht: "Entertainment, SMS und Chat werden die treibenden Kräfte sein." Burda sieht sich für dieses Geschäft unter anderem mit dem Männermagazin "Playboy" bestens vorbereitet. Bisher hat das Sex-Magazin nach Unternehmensangaben 10 000 Onlineabos.

Auch Peter Würtenberger, Vorstandsvorsitzender des Internetportals Bild.T-Online.de ist von der Zukunft bezahlter Inhalte überzeugt: "Die Attraktivität von hochwertigen Entertainment-Inhalten im Internet wird größer werden", sagt er. "Dabei werden sich die Nutzer in erster Linie an bekannten Marken orientieren und auch bereit sein, für diese Inhalte Geld zu bezahlen." Für den Burda-Konkurrenten wird die Kooperation mit den Telekomkonzernen immer wichtiger: "Die Abrechnung über die Telefonrechnung - auch mobil - wird eine immer größere Rolle spielen." Burda setzt beim Internet auf die strategische Partnerschaft mit Microsoft. Die Burda-Tochter Tomorrow Focus AG verbündete sich bereits im Sommer mit der Internet-Sparte von Microsoft (MSN) für fünf Jahre. Seit Dienstag liefert das Unternehmen die Inhalte für die deutsche Seite des Microsoft-Portals. Außerdem übernahm Tomorrow Focus auch die Vermarktung des Portals www.msn.de. Durch den Schulterschluss entsteht der zweitgrößte Online-Vermarkter Deutschlands.

Damit will Burda ein Gegengewicht zur Nummer eins, Interactive Media vom Axel-Springer-Verlag und T-Online, bilden. Seit Dienstag sind die Onlineangebote von Zeitschriften wie Focus, Tomorrow und Max unter dem Dach von MSN vereint. Mit dem neuen Modell will Tomorrow Focus 2003 schwarze Zahlen schreiben. Zuletzt rechnete das Unternehmen mit einem Verlust zwischen 11 und 15 Mill. Euro für das laufende Jahr. Der Umsatz soll bei 40 Mill. Euro liegen, sagte ein Firmensprecher. Hinsichtlich des Werbemarktes bleibt Hubert Burda verhalten optimistisch. Es gebe erste positive Anzeichen in den USA und in Italien. Die Verlage hätten mit einem konjunkturellen und einem strukturellen Problem zu kämpfen. Den Zeitschriftensektor sieht er relativ gut vorbereitet. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) geht für 2002 allerdings von einem Rückgang von bis zu 5 % aus. Im nächsten Jahr soll es leicht aufwärts gehen. "Die Euphorie im Online-Werbemarkt ist vorüber, doch das Internet wird immer stärker zum festen Bestandteil der täglichen Mediennutzung werden und somit für Werbetreibende interessanter", sagte ZAW-Sprecher Volker Nickel. Burda fährt jetzt einen Sparkurs. "Wir müssen die Kosten auf den Stand von 1996 zurückschrauben", sagt der Chef. Bisher überstand der Konzern die Werbeflaute relativ gut. Im Krisenjahr 2001 stieg der konsolidierte Konzernumsatz um 6,2 % auf 1,4 Mrd. Euro.

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