Schulterschluss nach langem Machtkampf
FIFA-Exekutive beschließt Reform

Mit einem demonstrativen Schulterschluss sowie der Ankündigung einer umfassenden Strukturreform hat das Exekutiv-Komitee des Fußball-Weltverbandes FIFA nach einem quälend langen Machtkampf den Neuanfang proklamiert.

HB/dpa ZÜRICH. Am Ende der insgesamt siebenstündigen Beratungen über zwei Tage verkündeten die zuletzt heillos zerstrittenen Parteien, das 139:56-Votum des Kongresses bei Blatters triumphaler Wiederwahl vor vier Monaten in Seoul als Auftrag zur Kooperation anzuerkennen.

"Wir haben uns über ein Jahr lang nicht mehr um die echten Probleme des Fußballs gekümmert und sind stattdessen in den Krieg gezogen. Das wird sich jetzt ändern", verkündete Blatter, der souverän und erholt wie schon lange nicht mehr wirkte. Europas Fußball-Chef Lennart Johansson, zuletzt einer der erbittertsten Gegner von Blatter, gab sich nach der konstituierenden Sitzung des neuen Gremiums in der Zürcher Verbandszentrale lammfromm. "Es gibt keine Alternative als eine konstruktive Zusammenarbeit und eine friedliche Beziehung", sagte der schwedische UEFA-Präsident.

Die Versäumnisse der Vergangenheit in den Sachfragen sollen nun im Schnelldurchgang gelöst werden. Binnen zehn Wochen soll ein neues Verbands-Statut erarbeitet werden, das der FIFA klarere Strukturen verschafft und vor allem die Kompetenzen in der Führung regelt. Dies gilt vor allem im Zusammenspiel zwischen FIFA-Präsident, dem Generalsekretär und den einzelnen Direktoren. Für den nach der WM entlassenen Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen soll noch in diesem Jahr ein qualifizierter und mehrsprachiger Nachfolger gefunden werden. Bis dahin übt der Schweizer Urs Linsi, Vorsitzender der Finanzdirektion, dieses Amt kommissarisch weiter aus. Blatters Macht bleibt in der Reform weitgehend unberührt.

Fünf Dringlichkeits-Kommissionen sollen sich derweil mit den aktuellen Problemen beschäftigen, die Blatter als «Baustellen» bezeichnete: Zum "Baustellen-Leiter" für die Fragen, wie der zunehmenden Verschuldung der Vereine und dem Überangebot an Fußball- Wettbewerben begegnet werden soll, wurde Gerhard Mayer-Vorfelder ernannt. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der der FIFA-Exekutive nach vierjähriger Abstinenz wieder angehört, sah sich bei seinem Comeback geradezu mit Aufgaben überhäuft. Der 69-jährige Multi-Funktionär gehört den wichtigen Kommissionen für Finanzen und Spielerstatuten an, wurde außerdem ins Organisations-Komitee für die WM 2006 in Deutschland gewählt und ist zudem Vorsitzender der Ausschüsse für Medien und die nächste Club-Weltmeisterschaft.

"Ich habe den Eindruck gewonnen, dass man es mit dem Neuanfang ernst meint und ein normales Verhältnis anstrebt", sagte Mayer- Vorfelder nach den Sitzungen, die er als "sehr gut und sehr konstruktiv" bezeichnete. Wie lange der Burgfrieden anhält, bleibt allerdings abzuwarten. Noch immer nämlich ist eine Bestechungsklage gegen Blatter vor einem Zürcher Bezirksgericht anhängig, die im Mai elf Exekutiv-Mitglieder angestrengt hatten. Nur neun Mitglieder hatten die Klage nach Blatters Entlastung und Wiederwahl beim Kongress in Seoul zurückgezogen.

Für Blatter aber war dies im verregneten Zürich Schnee von gestern. Für den Schweizer waren die zweitägigen Beratungen ein Beleg dafür, wie schnell und entschlossen die 24-köpfige FIFA-Spitze handeln kann, wenn sie denn nur will. Deutlich wurde dies unter anderem bei den Konsequenzen aus den schwachen Schiedsrichter- Leistungen bei der Weltmeisterschaft. Die für die Einteilung und Ausbildung der WM-Referees verantwortliche Schiedsrichter-Kommission, der unter anderem auch Volker Roth angehörte, wurde komplett neu besetzt.

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