Schumacher: Die Bilanz ist gesund
Infineon will Investionen weiter kürzen

Der Halbleiter-Hersteller Infineon Technologies AG will wegen der andauernden Marktflaute die Ausgaben für Investitionen weiter kürzen, plant aber keine neuen Kapitalmaßnahmen.

Reuters MÜNCHEN. Selbst wenn die Preise für Speicherchips auf dem derzeit schwachen Niveau blieben, reichten die Finanzmittel für mindestens zwölf Monate, sagte Vorstandschef Ulrich Schumacher am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Darüber hinaus hätten sich die eingeräumten Kreditlinien auf etwa zwei Mrd. Euro von zuvor 1,3 bis 1,4 Mrd. Euro erhöht. Im kommenden Geschäftsjahr will Infineon aber 600 Mill. Euro weniger investieren und damit die ursprüngliche Planung von 1,5 Mrd. Euro halbieren.

Spekulationen über einen baldigen Bedarf an Finanzmitteln bei Infineon hatten bei den Aktien des Technologiekonzerns in den vergangenen Tagen zu erheblichen Kursverlusten geführt. Am Mittwoch stiegen die Titel im frühen Handel um mehr als drei Prozent auf 13,70 Euro, büßten dann aber bis zum Mittag ihre Gewinne weitgehend wieder ein. "Alles in allem hat Infineon sicher nicht die beste Finanzausstattung in der Branche, aber es reicht, um den Finanzierungsengpass, über den in den vergangenen Wochen geredet wurde, nach hinten zu verschieben", sagte Bernd Laux, Analyst bei der Credit Agricole. Die Aussagen könnten den Kursverfall bei Infineon vielleicht stoppen, aber es sei nicht genug für eine Erholung der Aktie.

Halbleitermarkt: Schwerste Krise in der Geschichte

Infineon habe mit der Kürzung von Investitionen, dem eingeleiteten Kostensenkungsprogramm und der Kapitalerhöhung im Juli Maßnahmen ergriffen, "die in der gegenwärtigen Marktsituation zu einer soliden Ausstattung mit Finanzmitteln führen", erklärte Infineon weiter. "Mit diesen Maßnahmen haben wir der derzeit schwierigen Marktlage wirksam gegengesteuert", sagte Schumacher. Die Chipproduzenten kämpfen zurzeit mit der schwersten Krise in der Geschichte der Branche. Seit Monaten liegt der Preis für Speicherchips (DRAMs) unter den Produktionskosten, so dass die Unternehmen in diesem Bereich Verluste einfahren. Infineon erwirtschaftet rund ein Drittel seines Umsatzes mit Speicherchips. Die Verluste in diesem Geschäft drohen, den gesamten Konzern im laufenden Geschäftsjahr in die roten Zahlen zu ziehen.

Mit einer raschen Erholung auf dem Speicherchip-Markt rechnet der Infineon-Chef nicht: "Wir haben überhaupt keine Transparenz, wie sich die Preise entwickeln", sagte er. Die Anschläge in den USA hätten einen kurzfristigen Einfluss und bedeuteten keine Trendumkehr. Man könne allenfalls spekulieren, dass sich die Erholung des Chipmarktes deswegen um zwei bis drei Monate verschieben würde, fügte er hinzu.

Mit seinem Kostensenkungsprogramm habe der Konzern nach zwei Monaten schon einen signifikanten dreistelligen Millionen-Betrag beim Einkauf und in der Logistik eingespart, teilte Infineon weiter mit. Bei der Informationstechnologie seien die Kosten um 30 % reduziert worden. Insgesamt will Infineon in den nächsten zwölf Monaten über eine Milliarde Euro einsparen. Von den 5000 Arbeitsplätzen, die der Konzern weltweit streichen will, würden Ende 2001 schon etwa 2400 abgebaut sein, davon 1900 im Ausland und 500 in Deutschland. Der Restrukturierungsaufwand sei moderat. Zusätzlich werde ab Oktober in den Werken Regensburg und München Perlach Kurzarbeit eingeführt. Dazu sagte Analyst Laux: "Es scheint, dass das Kostensenkungsprogramm etwas schneller umgesetzt wird als erwartet."

Technologieführerschaft nicht gefährdet

Bereits im April hatte Infineon die Reduzierungen seiner Investitionen bekannt gegeben. Die Technologieführerschaft, vor allem bei der 300-Millimeter-Technologie bei Speicherchips, werde aber auch durch die erneute Kürzung der Ausgaben nicht gefährdet, erklärte Infineon.

Finanzmittel hatte sich der Konzern in den vergangenen Monaten durch eine Kapitalerhöhung sowie durch den Verkauf des Infrarot-Geschäfts und seines Anteils am Joint Venture mit Osram verschafft. Insgesamt nahm das Unternehmen dadurch 2,2 Mrd. Euro ein. Ob die finanzielle Ausstattung nun tatsächlich für zwölf Monate reiche, hänge hauptsächlich von der Marktentwicklung ab, sagte Sal. Oppenheim-Analyst Jürgen Wagner. Im Notfall werde aber auch vielleicht der Mutterkonzern Siemens mit einer Finanzspritze nachhelfen.

Infineon führt derzeit auch Gespräche mit dem japanischen Konkurrenten Toshiba über eine Kooperation bei Speicherchips. Über den Stand der Verhandlungen wollte Schumacher am Mittwoch allerdings nichts sagen.

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