Schumacher mit Problemen
"Silberpfeile" im zweiten Training vorn

Silber vor Rot, Blau-Weiß und Michael Schumacher weit hinten: Vor dem letzten Grand Prix der Saison am Sonntag ist die krisengeschüttelte Formel 1 auf der Achterbahn von Suzuka nach Wunsch gefahren.

dpa SUZUKA . Der Finne Kimi Raikkönen und der Schotte David Coulthard lenkten die "Silberpfeile" von McLaren-Mercedes im Freitags-Training mit großem Vorsprung auf die ersten beiden Plätze. "Es sieht gar nicht so schlecht aus", freute sich Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach dem Paukenschlag des britisch-schwäbischen Teams im Land des Lächelns.

Schumachers Wasserträger Rubens Barrichello testete auf dem 5,821 Kilometer langen Kurs Reifen und Abstimmung für den fünfmaligen Weltmeister, dessen Ferrari mit Hydraulikproblemen lange Zeit in der Garage blieb. Der Brasilianer hielt auf der kurvenreichen Strecke als Dritter Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher im Williams-BMW knapp auf Distanz. "Rubens hat die Arbeit übernommen. Daher hoffe ich, dass es nicht allzu viel kosten wird", gab sich Seriensieger Schumacher trotz seines Ausfalls optimistisch. Sein Dienstwagen, der in diesem Jahr im keinem Rennen stehen blieb, muss beim Saison-Finale noch 53 Runden über die Gesamtdistanz von 308,317 Kilometer überstehen.

"McLaren-Mercedes ist am Freitag oft mit weniger Benzin unterwegs", wusste Schumacher, der per "Funk" mit seinem in der Heimat gebliebenen Chefstrategen Ross Brawn verbunden war, den Grund für die ungewohnte Überlegenheit der Konkurrenz. So gesehen war das Geschehen vor dem Großen Preis von Japan ein Praxistest für einen Teilaspekt der geplanten Formel-1-Reform. Unter anderem mit Extra- Pfunden soll der schon seit dem 21. Juli als Weltmeister feststehende Schumacher gestoppt werden. Ginge es nach dem jetzigen Punktestand müsste der "Schuminator" am Sonntag auf dem Suzuka Circuit neben dem Vergnügungspark mit 67 Kilogramm Zusatzgewicht fahren - umgerechnet 268 Päckchen Butter.

Die Front gegen den spektakulären Neun-Punkte-Plan der FIA, der am 28. Oktober in Paris verhandelt werden soll, wächst in Suzuka weiter: "Ich habe aufgehört das Papier zu lesen, als es um den Fahrerwechsel ging. Da würde doch jedes Team die billigsten Piloten verpflichten, denn die teuren Fahrer gibt es dann ja umsonst", sagte BMW - Motorsport-Direktor Mario Theissen. BAR-Teamchef David Richards forderte jedoch, dass "dem Publikum eine bessere Show geboten" werden muss. Toyota-Chef Ove Andersson warnte allerdings vor Schnellschüssen: "Es ist sehr, sehr schwierig, über Nacht radikale Änderungen zu schaffen. Genauso, wie wir die Show verbessern können, können wir sie auch komplett zerstören. Man muss behutsam vorgehen."

Runde Jubiläen stehen in Fernost für Ralf Schumacher (100. Formel- 1-Rennen) und Nick Heidfeld an. "Das ist mein 50. Grand Prix, Suzuka ist meine Lieblingsstrecke, aber zufrieden bin ich nicht", schimpfte Sauber-Pilot "Quick Nick", der als 16. einen Rückstand von 3,549 Sekunden auf Raikkönen (1:34,232 Minuten) hatte. Als bester Ferrari - Pilot lag Barrichello immerhin 1,170 Sekunden hinter dem erstplatzierten Finnen im "Silberpfeil". Montoya und Ralf Schumacher waren 1,510 bzw. 1,763 Sekunden langsamer gewesen. Michael Schumacher, der am Morgen noch die überragende Bestzeit gefahren war, konnte sich am Mittag wegen der Unzulänglichkeiten an seinem Ferrari nicht mehr verbessern - 1,877 Sekunden lag er am Ende zurück.

Sportlich kann "Schumi" seinen elften Saison-Sieg, den 64. Karriere-Erfolg, im Jahr der Rekorde einfahren. Mit dem neunten Doppelsieg der Saison könnte Ferrari eine weitere Bestmarke aufstellen und als erstes Team seit Einführung der Konstrukteurs- Weltmeisterschaft mehr Punkte holen, als alle anderen Rennställe zusammen. Außerdem wären der Deutsche und der Brasilianer mit dann 15 Doppelerfolgen auch die erfolgreichste Fahrer-Paarung in der Formel- 1-Geschichte.

Wegen der Dominanz der Roten geht es für Montoya (47), Ralf Schumacher (42) und Coulthard (41) im 17. und letzten Formel-1-Rennen nur noch um Platz drei in der Fahrerwertung. Ansonsten sind in der "Formel Langeweile" alle wichtigen Entscheidungen schon gefallen - nur die Reform steht noch aus.

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