Schumacher-Serie beim Jubiläum gestoppt
Coulthard feiert Formel-1-Sieg in Monte Carlo

Mit einem starken Comeback hat Silberpfeil- Pilot David Coulthard WM-Spitzenreiter Michael Schumacher das Jubiläum verdorben. Der Schotte gewann den Großen Preis von Monaco.

dpa MONTE CARLO. Coulthard stoppte die Ferrari-Dominanz in der Formel 1. Die Siegesserie des Weltmeisters riss ausgerechnet beim Saison- Highlight des Jahres in Monte Carlo, seinem 100. Grand-Prix für die "Scuderia". Schumacher musste sich mit Platz zwei vor seinem Bruder Ralf zufrieden geben, baute seinen WM-Vorsprung dennoch weiter aus.

Beim Großen Preis von Monaco hieß der Sieger erstmals in diesem Jahr nicht Schumacher: Nach fünf Saisonerfolgen für Michael und einem für seinen Bruder Ralf bescherte Coulthard dem pannengeplagten Team McLaren-Mercedes am Sonntag den ersehnten Triumph beim berühmtesten Formel-1-Rennen des Jahres. Der Schotte feierte seinen ersten Sieg seit über einem Jahr.

Zwei Wochen nach dem Stallregie-Eklat von Spielberg konnte im Fürstentum von Ferrari-Teamorder keine Rede sein: Schumacher-Kollege Rubens Barrichello war von Anfang an hinter dem Weltmeister und nach einer Kollision mit Kimi Räikkönen und Zeitstrafen am Ende Siebter. Schumacher verpasste den erhofften sechsten Sieg und damit die Einstellung des Monaco-Rekordes von Ayrton Senna.

Nach 78 Runden und 262,860 km in den Häuserschluchten des Spielerparadieses siegte Coulthard ganz knapp vor dem viermaligen Champion sowie vor dem deutlich zurück liegenden Ralf Schumacher. In der WM-Wertung führt der zuletzt vier Mal in Folge siegreiche Michael Schumacher mit 60 Punkten. Auf Grund des Ausfalls von Juan Pablo Montoya vergrößerte er seinen WM-Vorsprung auf 33 Zähler. Der Kolumbianer und dessen Williams-BMW-Kollege Ralf Schumacher sind punktgleich (27) Zweite vor Coulthard (20). Heinz-Harald Frentzen holte als Sechster einen Punkt, Nick Heidfeld war Achter.

Coulthard feierte nicht nur seinen ersten Sieg seit dem 13. Mai 2001 (Österreich), er entschädigte sich gleichzeitig für sein letztjähriges Monaco-Pech: Damals war der Schotte am Vorstart stehen geblieben. Für McLaren-Mercedes war es der erste Sieg seit Mika Häkkinens Erfolg am 30. September letzten Jahres in Indianapolis.

Überholen fast nicht möglich

Bei Sommerwetter in der Schicki-Micki-Metropole, wo sich geschätzte 100 000 Fans drängelten, erwischte der vom dritten Platz aus ins Rennen gegangene Schumacher einen ordentlichen Start. Nachdem erstmals in dieser Saison kein Ferrari in der von Michelin-bereiften Autos dominierten ersten Reihe stand, zog Coulthard sofort an Pole-Position-Inhaber Montoya vorbei. Schumacher ging vor seinem Bruder Ralf als Dritter in die erste Kurve. Fortan raste das Spitzen- Quartett in dieser Reihenfolge durch die Häuserschluchten, wo Überholen fast unmöglich ist.

Coulthard legte Spitzenzeiten vor, während Schumacher hinter Montoya fest hing. Im Mittelfeld arbeiteten sich Arrows-Pilot Frentzen und Heidfeld im Sauber auf Grund zahlreicher Ausfälle nach vorne. Ein Unfall des Japaners Takuma Sato nach der Tunnel-Ausfahrt schreckte das Publikum kurzzeitig auf. Anders als bei seinem schlimmen Crash vor zwei Wochen konnte der Jordan-Pilot sein Auto aber schnell verlassen. Auch Barrichello sorgte für eine Aufsehen erregende Kollision, mit der er sein und Räikkönens Auto beschädigte.

Michael Schumacher ging nach 44 Runden als Erster der Top-Fahrer an die Box, reihte sich danach als Vierter wieder ein. In der 47. Runde musste Montoya nach einem Motorschaden aufgeben. Nachdem erst Ralf Schumacher (50.) zum Tanken kam und anschließend Coulthard (51.) einen blitzschnellen Stopp hinlegte, war das Formel-1-Spektakel vorzeitig entschieden. Der 31-jährige Schotte übernahm wieder die Spitze. Schumacher blieb ihm bis zum Schluss dicht auf den Fersen, kam jedoch im engen Kurvengeschlängel nicht mehr vorbei.

Schumacher ist der erste Pilot, der die stolze Marke von 100 Grand Prix's für Ferrari erreicht hat. Am Vorabend hatte er zusammen mit dem Team gefeiert. "So ein Rekord ist schön. Es ist auch eine Ehre für mich. Dass wir so lange zusammen sind, zeigt unser großes gegenseitiges Vertrauen und unser tolles Verhältnis", sagte der dienstälteste Ferrari-Pilot.

Das Team hatte am Vortag nach Wochen der Proteste in Sachen Stallorder offiziell eine überraschende Kehrtwende demonstriert. Präsident Luca di Montezemolo hatte eine Änderung der umstrittenen Strategie angekündigt. So etwas wie in Spielberg "kann man nur einmal machen", so der Italiener. "Das ist sehr vernünftig", fand Schumacher. Nach wie vor müssen er und sein Team jedoch am 26. Juni zur Anhörung vor dem FIA-Weltrat antreten. Ferraris offensichtliche Stallorder in Spielberg, als Barrichello kurz vor dem Ziel Schumacher passieren lassen musste, hatte weltweit für Empörung gesorgt.

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