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Schumacher verlässt Williams-BMW ohne Wehmut

Keine Tränen, keine Trauer, einfach nur tschüs: „Ohne Wehmut“ verlässt Ralf Schumacher das Williams-Team nach sechs Jahren und wechselt zu Toyota.

dpa SAO PAULO. Keine Tränen, keine Trauer, einfach nur tschüs: "Ohne Wehmut" verlässt Ralf Schumacher das Williams-Team nach sechs Jahren und wechselt zu Toyota.

"Es tut mir nicht Leid, dass ich gehe", sagte der Kerpener bei seinem Abschiedsrennen für die Weiß-Blauen in Sao Paulo. "Es ist für beide Seiten gut, dass ich 'was anderes mache." Weitgehend emotionslos kommentierte auch BMW - Motorsportdirektor Mario Theissen den seit langem feststehenden Abgang des Formel-1-Piloten: "Ich verspüre keine Wehmut. Es waren schöne und erfolgreiche Jahre."

Schumacher fällt sein Servus wegen eines handfesten Streits ums liebe Geld auch deshalb leicht, weil es sportlich nicht wie erhofft lief. "Dieses Jahr waren wir so weit weg wie noch nie", grantelte der Wahl-Salzburger. Statt um den Weltmeistertitel zu fahren, wie vom Team vollmundig angekündigt, verlor die britisch-bayerische Allianz nicht nur den Anschluss an Ferrari, sondern fiel auch noch hinter BAR-Honda und Renault zurück. Nach seinem schweren Unfall in Indianapolis war für Schumacher die Saison vollends verpatzt.

Als "Highlights" hob Schumacher den BMW-Einstieg 2000 in seinem zweiten Williams-Jahr und den ersten Sieg am 15. April 2001 beim Großen Preis von San Marino hervor. Aber sonst zog er eine eher negative Bilanz: "Was wir in den sechs Jahren geleistet haben, war nicht annähernd das, was wir wollten. Wir haben uns deutlich mehr erwartet." Besonders bitter stoßen ihm die verpassten WM-Chancen auf, vor allem 2003. "Letztes Jahr haben wir es verbockt", sagte er.

Dennoch bewertete er die Zeit als "interessant und sehr schön, auch wenn es Ecken und Kanten gegeben hat". Und trotz des Streits um die Finanzen scheidet Schumacher nicht im Streit. An Weihnachten wird er als letztes Dankeschön wie jedes Jahr allen 800 Teammitgliedern ein Geschenk machen, auch wenn er dann längst bei Toyota ist.

Das erbitterte Gefeilsche ums Geld hatte letztendlich den Ausschlag für Schumachers Schritt gegeben. Als Teamchef Frank Williams das Gehalt des Großverdieners immer stärker kürzen wollte, entschieden sich der Pilot und sein geschäftstüchtiger Manager Willi Weber schließlich für die Alternative Toyota, die Schumacher seit langem mit einer großzügigen Offerte gelockt hatte.

Williams wollte das auf 16 Mill. Dollar taxierte Einkommen seines teuersten Angestellten zunächst auf die Hälfte reduzieren, zog aber dieses unterschriftsreife Angebot beim Saisonfinale 2003 in Suzuka wieder zurück. Nach einem neuen Vorschlag sollte Schumacher von 2005 an nur noch ein Fixum von etwa vier Mill. Dollar sowie leistungsabhängige Prämien erhalten.

Kritik, er habe sich für Kohle statt Karriere entschieden, lässt Schumacher kalt. "Toyota hat ein großes Potenzial", lobte er den in Köln ansässigen japanischen Rennstall, der mit etwa 400 Mill. Dollar über das größte Budget verfügt. Das enttäuschende Abschneiden der Rot-Weißen in dieser Saison beunruhigt den 29-Jährigen nicht. "Ich bin noch keinen Meter mit dem Auto gefahren. Nach den Tests im November kann ich mehr sagen."

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