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Schumacher widmet Sieg toten Agnelli

Nürburgring (dpa) - Nach seiner umjubelten Triumphfahrt auf dem Nürburgring war Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher nicht zum Feiern zumute.

Nürburgring (dpa) - Nach seiner umjubelten Triumphfahrt auf dem Nürburgring war Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher nicht zum Feiern zumute.

«Ich widme dieses Ergebnis Umberto Agnelli, der ein großer Unterstützer unseres Teams über all die Jahre war», sagte Schumacher nach seinem nie gefährdeten Erfolg beim Großen Preis von Europa und erinnerte an den gestorbenen Fiat-Chef. Auf dem Podium fiel die obligatorische Champagner-Dusche aus. «Von seinem Tod zu hören, war ein großer Schock, daher bitte ich um Verständnis dafür, dass die Freude nicht so euphorisch ausfällt wie sonst», sagte der 35-Jährige nach dem sechsten Sieg im siebten Saison-Rennen.

Nur eine Woche nach dem spektakulären Aus des sechsmaligen Champions im Tunnel von Monte Carlo stellte der Kerpener bei seinem Heimrennen die Kräfteverhältnisse wieder klar. Der zweite Platz von Rubens Barrichello machte den vierten Doppel-Erfolg von Ferrari in dieser Saison nach Australien, Bahrain und Spanien perfekt. «Einen Doppelsieg ohne Gegner», stellte nicht nur «La Repubblica» fest. Der britische «Daily Express» sah den Formel-1-Herrscher wieder im alten Glanz: «Der Deutsche tyrannisiert Rivalen mit echter Powershow und verweist Emporkömmlinge auf die Plätze.»

Obwohl Michael Schumacher in der Fahrer-Wertung mit 60 Punkten einsam an der Spitze steht, gefolgt von Barrichello (46), BAR-Honda - Mann Jenson Button (38), sowie den Renault-Piloten Jarno Trulli (36) und Fernando Alonso (25), will der 35-Jährige vom siebten WM-Titel noch nichts wissen. «Ich kann es nur wiederholen, das ist absolut verfrüht und komplett unangebracht», bremste Schumacher die Euphorie. Es seien noch elf Rennen zu fahren, «mehr als die Hälfte also», schrieb der Kerpener auf seiner Homepage.

Doch in der Eifel fuhr Schumacher bei seinem vierten Erfolg nach 1995, 2000 und 2001 in einer anderen Liga - lag 22,53 Sekunden vor dem Drittplatzierten Button. Schumachers Unfallgegner von Monaco, Juan Pablo Montoya (24), ist als Sechster in der WM-Wertung bester Williams-BMW-Fahrer vor seinem Bruder Ralf (12). Der ausgemusterte Silberpfeil-Pilot Coulthard (4) ist 11., Vizeweltmeister Räikkönen (1) belegt nur Rang 16. Bei den Konstrukteuren führt Ferrari (106) weit vor Renault (61) und BAR-Honda (46). Williams-BMW (36) ist Vierter, McLaren-Mercedes (5) rangiert noch hinter dem Schweizer Privatteam Sauber (10) an sechster Stelle.

Mit dem Ergebnis auf dem Nürburgring haben Williams-BMW und McLaren-Mercedes den Status als Ferrari-Verfolger endgültig verloren. Heißsporn Montoya schoss schon in der ersten Kurve nach dem Start Teamkollege und Vorjahressieger Ralf Schumacher ab. Montoya wurde am Ende noch Achter. McLaren-Mercedes erlebte 70 Jahre nach dem der Begründung des Silberpfeil-Mythos ein Debakel, als erst Räikkönen und wenig später Coulthard ihre Autos mit Motorschäden abstellen mussten.

«Wir arbeiten intensiv, um wieder an die Spitze zu kommen. Es macht keinen Sinn, zu versprechen, wann es so weit sein wird», hält sich Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug trotz des Testdebüts des neuen MP4-19B in Silverstone mit Prognosen zurück. Sein BMW-Kollege Mario Theissen ärgerte sich über den Unfall seiner Piloten: «Das passiert nun zum zweiten Mal, das ist zwei Mal zu viel.» Ralf Schumacher, dessen Manager Willi Weber seinem Schützling zum Wechsel zu Toyota rät, reagierte moderat: «Absicht war es nicht.»

Nach dem Tod von Agnelli stehen bei Ferrari einige personelle Änderungen an, die Auswirkungen auf das Formel-1-Team haben könnten. Ferrari-Chef Luca di Montezemolo wurde bereits an die Fiat-Spitze gerufen. Teamchef Jean Todt, der in diesem Monat zum Generaldirektor bei Ferrari aufsteigt, soll noch stärker beim Sportwagenhersteller eingebunden werden. Somit könnte Technikchef Ross Brawn künftig die Scuderia leiten.

Trotz Schumacher-Gala, Preisreduzierungen und Sonderaktionen sank die Zuschauerzahl gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt 216 000 PS-Fans pilgerten zum Ring. 2003 waren noch 239 000 Formel-1-Anhänger gekommen.

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