Schumacher will Mut machen - Harte Aktionärskritik
Infineon rechnet erneut mit Milliardenverlust

Der angeschlagene Halbleiter-Hersteller Infineon rechnet im laufenden Geschäftsjahr erneut mit einem Milliardenverlust. Aus heutiger Sicht seien Analysten-Schätzungen eines Verlusts vor Steuern und Zinsen von 1,4 Mrd. Euro realistisch, sagte Konzernchef Ulrich Schumacher am Dienstag auf der Hauptversammlung in München.

dpa MÜNCHEN. Das Szenario gehe aber von derzeitigen Speicherpreisen aus, die noch weiter anziehen könnten. Die Aktionäre gingen angesichts der anhaltenden Verluste und des massiven Stellenabbaus mit der Konzernführung hart ins Gericht.

Bereits im Geschäftsjahr 2000/01 (30. September) hatte Infineon vor Steuern und Zinsen einen Verlust von einer Milliarde Euro verbucht. Das Management habe zulange falsche Hoffnungen bei Mitarbeitern und Anlegern geweckt und zu spät auf die Branchenkrise reagiert, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor 2500 Aktionären. "Der Vorstand ist viel zu lässig mit der Situation umgegangen." Schumacher warb um das Vertrauen der Anleger. Das Unternehmen sei trotz der roten Zahlen gut gerüstet, um "die Schwäche im Halbleitermarkt zu meistern und vom nächsten Aufschwung überproportional zu profitieren".

Vertreter von Mitarbeiteraktionären und der IG Metall kritisierten den angekündigten Abbau von 5000 Stellen. Der Vorstand habe mit einer "hemdsärmeligen Hire-and-Fire-Politik" auf die Krise reagiert, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Noch im Juni 2001 sei massiv eingestellt worden, kurze Zeit später sei dann der massive Arbeitsplatzabbau eingeleitet worden. Diese "rüde Personalpolitik" habe das Image Infineons als Arbeitgeber schwer beschädigt. Schumacher sagte, nach derzeitigem Stand sei über die 5000 Stellen hinaus kein weiterer Arbeitsplatzabbau geplant.

Am Vortag hatte Schumacher bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 (30. September) schon rote Zahlen im Gesamtjahr angekündigt, ohne aber eine konkrete Prognose abzugeben. Vor Steuern und Zinsen fiel im ersten Quartal ein Verlust von 564 Mill. Euro an. Im Vorjahreszeitraum hatte Infineon noch einen operativen Gewinn von 446 Mill. Euro verbucht. Allerdings war das Minus zumindest geringer als im Vorquartal. Auch in den kommenden Monaten will Schumacher die Verluste weiter reduzieren. Die Preise für Speicherchips müssten aber noch um mindestens ein bis zwei Dollar steigen, damit Infineon die Gewinnschwelle erreicht.

Die Anteilseigner zeigten sich zwar überzeugt davon, dass das Sparprogramm "Impact" Wirkung zeigen wird. Viele von ihnen bemängelten jedoch, es sei zu spät gekommen. "Ab Dezember 2000 waren die Warnsignale unübersehbar", sagte ein Vertreter der Mitarbeiter- Aktionäre. Zudem stand die Informationspolitik im vergangenen Jahr im Kreuzfeuer der Kritik. "Das grenzte an Täuschung des Anlegers", sagte Aktionärsschützerin Bergdolt. Schumacher wies den Vorwurf zurück, viel zu spät reagiert zu haben. Der Nachfrage-Einbruch in seiner vollen Wucht sei nicht vorhersehbar gewesen. Allerdings räumte er ein, dass im Mobilfunkbereich ein Einstellungsstopp möglicherweise zwei Jahre früher hätte verhängt werden können.

Auf der Hauptversammlung beantragte der Vorstand unter anderem die Schaffung eines genehmigten Kapitals. Damit schaffen die Aktionäre die Voraussetzung für milliardenschwere Kapitalerhöhungen. Schumacher hatte bereits vor der Hauptversammlung angekündigt, Infineon werde sich nach Akquisitionskandidaten insbesondere im Telekommunikationsbereich umsehen. Nach der Hauptversammlung können diese mit eigenen Aktien finanziert werden.

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