Schumachers Kehrtwende: FIA prüft Ergebnis des Brasilien-Grand-Prix

Schumachers Kehrtwende
FIA prüft Ergebnis des Brasilien-Grand-Prix

Das "Chaos"-Rennen von Sao Paulo hat ein überraschendes Nachspiel. Vier Tage nach dem Großen Preis von Brasilien teilte der Internationale Automobilverband (FIA) am Mittwoch in Paris unerwartet mit, das Ergebnis des Grand Prix in Interlagos noch einmal zu prüfen. Damit muss McLaren-Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen um seinen Sieg in dem abgebrochenen Rennen bangen, der ursprünglich zweitplatzierte Jordan-Fahrer Giancarlo Fisichella kann hingegen auf den ersten Erfolg in seiner Formel-1-Laufbahn hoffen.

HB/dpa PARIS/HAMBURG. Am Freitag will die FIA in Paris mit den Rennkommissaren von Brasilien noch einmal über das Ergebnis beraten und entscheiden.

"Die FIA hat Hinweise erhalten, dass entgegen den Angaben der Zeitnehmer des Brasilien Grand Prix das Auto Nummer elf (Fisichella) bereits in der 56. Runde war, bevor das Rennen gestoppt wurde", begründete die FIA in einer Pressemitteilung ihren ungewöhnlichen Schritt. Sollte sich dies bestätigen, müsste der Stand nach der 54. von 71 geplanten Runden gewertet werden. Damit würde Fisichella nachträglich zum Sieger erklärt werden, der WM-Führende Räikkönen wäre nur Zweiter. Zu der Sitzung am Freitag seien alle Teilnehmer eingeladen, die von Veränderungen betroffen wären, schrieb die FIA weiter.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug reagierte am Mittwoch ironisch auf die FIA-Mitteilung, von der er am Rande der Tourenwagen- Präsentation in Rust erfahren hatte: "Es ist spannend, am Mittwoch zu erfahren, wie viele Runden am Sonntag gefahren worden sind. Mehr möchte ich nicht dazu sagen." McLaren-Mercedes hatte vor dem Brasilien-Rennen schon die ersten beiden WM-Läufe in Australien und Malaysia gewonnen.

Der spektakuläre WM-Lauf im Autodromo Juan Carlos Pace war am Sonntag in der 55. Runde nach Unfällen des Jaguar-Fahrers Mark Webber und des Renault-Piloten Fernando Alonso abgebrochen worden. Laut Paragraf 154 des sportlichen Formel-1-Reglements der FIA wird im Fall eines Rennabbruchs die Reihenfolge gewertet, die zwei Runden zuvor bestand. Somit wurde der Finne Räikkönen zum Sieger erklärt, obwohl Fisichella zum Zeitpunkt des plötzlichen Endes in Führung lag. Der Italiener hatte Räikkönen erst in der 54. Runde überholt.

Unmittelbar nach dem Abbruch hatte sich Fisichella in seinem 110. Formel-1-Rennen wie der sichere Sieger gefühlt. Für den finanziell kriselnden Rennstall Jordan-Ford wäre es der vierte Sieg im 200. Grand Prix gewesen.

Kurz vor der Veröffentlichung der FIA-Pressemitteilung hatte Michael Schumacher am Mittwoch den Brasilien-Sieg von Kimi Räikkönen anerkannt und seine anders lautenden Aussagen vom Vortag zurückgenommen. "Mir war nicht klar gewesen, ob bei Kimis Sieg in Interlagos die 75-Prozent-Regel wirklich erfüllt war. Mittlerweile aber haben unsere Experten im Team mich aufgeklärt: sie war erfüllt, weil die gefahrenen Kilometer, nicht die gewerteten, zählen", schrieb der fünfmalige Weltmeister am Mittwoch auf seiner Homepage. "Deshalb, und ausdrücklich: Kimis Sieg geht völlig in Ordnung."

Schumacher, der in Brasilien nach einem Unfall ausgeschieden war, hatte am Dienstag in einem TV-Interview mit RTL bezweifelt, dass die so genannte 75-Prozent-Regel korrekt ausgelegt worden ist. Diese besagt aus, dass drei Viertel der Renndistanz absolviert sein muss, um das Rennen zu werten.

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