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Schumi beim Boxenstopp-Lotto zum Glück gezwungenDPA-Datum: 2004-07-05 12:06:23

Magny-Cours (dpa) - 11 - 29 - 43 - 58 lauteten Michael Schumachers Glückszahlen zu seinem Volltreffer beim Boxenstopp-Lotto in Magny-Cours. Allerdings musste der Formel-1-Weltmeister zum Hauptgewinn ein wenig gedrängt werden.

Magny-Cours (dpa) - 11 - 29 - 43 - 58 lauteten Michael Schumachers Glückszahlen zu seinem Volltreffer beim Boxenstopp-Lotto in Magny-Cours. Allerdings musste der Formel-1-Weltmeister zum Hauptgewinn ein wenig gedrängt werden.

Erst die einleuchtende Hochrechnung von Ferrari-Superhirn Ross Brawn überzeugte den zunächst zögernden Schumacher nach einer kurzen Diskussion über Boxenfunk nach dem zweiten Halt, mit einer Vier-Stopp-Strategie statt der ursprünglich geplanten drei Tankpausen das Glück zu erzwingen. «Ross hat es letztendlich entschieden», bedankte sich der strahlende Sieger des Großen Preises von Frankreich beim Technischen Direktor der Scuderia.

Dabei war dieser Geniestreich zunächst nur eine Lachnummer. «Als der erste Vorschlag kam, hat jeder gelacht und die Nase gerümpft», veriet Schumacher, dass die von seinem früheren Renningenieur Luca Baldisserri bei der Taktikplanung ins Spiel gebrachte Vierer-Variante als aussichtslos und irrwegig abgetan worden war. Letztendlich war sie der Hauptschlüssel zum Triumph. Schumacher deutete mit Daumen und Zeigefinger eine fünf Zentimeter lange imaginäre Linie an und sagte trotz seiner brillanten Vorstellung bescheiden: «Mein Anteil am Erfolg war so klein.»

Dem lange führenden Fernando Alonso war allerdings nicht mehr nach Lachen zumute: Der Renault-Rivale war nach diesem genialen Zug Schach matt, auch weil sein Team die durchaus mögliche Reaktion verschlafen hatte. Mit seinem beim dritten Halt voll gepumpten, die Reifen dadurch stärker belastenden Boliden konnte der Spanier dem eine Rundenbestzeit nach der anderen fahrenden Schumacher nicht mehr Paroli bieten. Alonsos «Dreier-Wette» mit den Stopps in den Runden 14, 32 und 46 reichte somit nur zum Trostpreis. «Ich hab' die Ferrari-Strategie überhaupt nicht kapiert», räumte er ein, Renault habe sich regelrecht überrumpeln lassen.

Williams-BMW und McLaren-Mercedes, die mit dem Ausgang des bis auf den historischen Strategie-Streich langweiligen Rennens nichts zu tun hatten, zollten Ferrari Respekt. «Diese Strategie war mutig», sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug wies auf einen wesentlichen Aspekt hin: «Eine Vier- Stopp-Strategie kann man nur machen, wenn man den entscheidenden Speed hat. In Melbourne hätte Ferrari sogar sechs Mal tanken können.»

Brawn bestätigte dies: «Nur mit einem schnelleren Auto kann man eine so aggressive Strategie versuchen.» Schumacher konnte sich sogar den Luxus leisten, angesichts des beruhigenden Vorsprungs zum Schluss das Tempo zu drosseln. «Es waren keine 70, sondern nur 60 fliegende Runden», sagte er.

An der roten Dominanz dürfte sich auch in Silverstone nichts ändern. Bei einer vergleichbaren Vorstellung kann Schumacher seine - für seine Verhältnisse - bescheidene Bilanz von «nur» zwei Siegen beim britischen Grand Prix verbessern und damit so früh wie nie zuvor die 100-Punkte-Grenze knacken. «Die Konkurrenz rückt uns näher, was uns nicht überrascht», warnte der Kerpener allerdings vor Überheblichkeit. «Silverstone wird ein hartes Rennen.»

Die weit abgeschlagenen Widersacher lassen sich von derartigen Komplimenten nicht trösten. «Der Punkteabstand sagt alles», wies Haug auf den schier uneinholbaren Vorsprung Schumachers und der Scuderia hin. Mit 158 Punkten hat Ferrari in der Konstrukteurs-Wertung schon so viele Zähler wie im Vorjahr insgesamt. Schumacher (90) liegt 22 Punkte vor Teamkollege Rubens Barrichello (68) und wird damit auf jeden Fall auch nach dem Großen Preis von Deutschland in Hockenheim (25. Juli) als Spitzenreiter den Formel-1-Kurzurlaub genießen können. Jetzt gönnt sich der haushohe Titelfavorit erst einmal zwei freie Tage mit der Familie in der Schweizer Wahlheimat Vufflens, ehe in Silverstone die nächsten Sponsorentermine anstehen.

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