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Schuss ins Leere

Egal, ob sie nun Zidane oder Totti heißen: Von den vermeintlichen Stars der Fußball-WM spricht niemand mehr. Dumm für die Werbetreibenden. Sie hätten besser auf gute deutsche Teamarbeit gesetzt.

Experten erging es nicht besser als Laien beim privaten Tippspiel: Bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft war es fast schon die Regel, daneben zu liegen. Viele Werbetreibende kam diese Erfahrung teuer zu stehen.

Reihenweise hatten Unternehmen mit Millionenbeträgen auf die Stars und Top-Favoriten des Turniers gesetzt - und damit auf die Falschen. Die britische Marktforschungsagentur Datamonitor sieht gar einen regelrechten "Werbefluch" über dieser WM.

So holte sich Autohersteller Renault den französischen Mittelstürmer Thierry Henry ins Boot. Dem neuen Clio sollte er ein "maskulineres Image" verleihen. Doch Frankreich scheiterte in der Vorrunde, und Stürmerstar Henry noch früher: Nach Rot im zweiten Spiel war er gegen Dänemark gesperrt. Insgesamt stand er gerade 115 Minuten auf WM-Rasen.

Konkurrent Fiat erging es nicht besser: Werbegesicht Francesco Totti ging in der Verlängerung vom Platz - kurz bevor die Koreaner das Golden Goal und damit Italien aus dem Wettbewerb schossen.

Die irische Pepsico-Tochter Seven Up startete zur Fußball-WM gar die größte Marketing-Kampagne ihrer Geschichte - mit Flaggschiff Roy Keane. Für umgerechnet 770 000 ? erschien der irische Mannschaftskapitän auf Plakatwänden, Getränkedosen und Verpackungen, in Fernseh- und Radiospots. Noch vor Anpfiff des ersten Spiels war die WM für Keane jedoch vorbei: Nach einem Streit mit dem Nationaltrainer flog er aus dem Team - zu spät, um Millionen Dosen und Verpackungen aus dem Handel zu nehmen.

Hätten die Werbetreibenden doch besser auf Berti Vogts gehört, der schon 1996 sagte: "Der Star ist die Mannschaft". Wenn man dann noch aufs richtige Team setzt, kann die WM wirklich Spaß machen. Das weiß auch Bierbrauer Bitburger, der mit den deutschen Kickern eine gute Wahl getroffen hat.

Einzig die derzeitigen Probleme eines Wettbewerbers könnten Bitburger zu denken geben: Krombacher darf nicht mehr damit werben, pro gekauften Krombacher-Kasten einen Quadratmeter Regenwald schützen zu wollen. Das sei "psychologischer Kaufzwang", meinte das Landgericht Siegen.

Natürlich verspricht Bitburger nichts dergleichen. Dennoch könnte es manch ein berufstätiger Fußball-Fan als psychologischen Druck empfinden, wenn die deutschen Fußballer zur Mittagszeit für Bier werben.


c.woellner@vhb.de

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