Schutz der britischen Royals
Nach Sicherheits-Panne "rollen Köpfe"

Nach der größten Panne beim Schutz der britischen Royals seit 20 Jahren hat die Regierung personelle Konsequenzen angekündigt.

HB/dpa LONDON. Innenminister David Blunkett antwortete am Montagabend auf die Frage, ob "Köpfe rollen" würden: "Darüber sind die Sicherheitschefs nicht im Zweifel gelassen worden. Ich glaube, wir verdienen Besseres von denjenigen, die dafür bezahlt werden, unsere Interessen wahrzunehmen." Er sei "äußerst besorgt" über den Vorfall vom Samstag. Dabei war ein als Osama bin Laden verkleideter Komiker zu Prinz Williams Geburtstagsparty auf Schloss Windsor vorgedrungen.

Der Polizei-Präsident von Scotland Yard, Sir John Stevens, entschuldigte sich am Montag bei der königlichen Familie für das "empörende" Versagen der Sicherheitskräfte. Experten sprachen von dem schwersten Zwischenfall, seit sich 1982 der arbeitslose Michael Fagan auf die Bettkante der Queen gesetzt hatte. Im Buckingham-Palast sei man "rasend vor Zorn", berichteten die "Times" und andere Zeitungen. Premierminister Tony Blair will sich angeblich persönlich bei Königin Elizabeth entschuldigen.

"Williams Wut" und "Wie konnte er Wills so nahe kommen?" hießen am Montag die Schlagzeilen am Zeitungskiosk. Der "Daily Mirror" titelte: "Wenn er ein Terrorist gewesen wäre, hätte er die königliche Familie ausgelöscht - und dann wäre jetzt Edward IX. König." Prinz Edward, das unbeliebteste Mitglied der Königsfamilie, war als einziger Royal nicht bei der Party gewesen.

Der mittlerweile wieder freigelassene Komiker Aaron Barschak (36) berichtete am Montag, es sei "unglaublich einfach" gewesen, sich unter die Gäste der Kostümparty zu mischen und mitten unter die Royals zu gelangen. "Die königliche Sicherheit ist nicht das, wofür ich sie gehalten habe", sagte er. Wie Scotland Yard mitteilte, war Barschak auf einen Baum geklettert und auf eine Mauer gesprungen. Von dort gelangte er in den Schlosshof, wo er zwar aufgegriffen wurde, die Polizei jedoch davon überzeugen konnte, dass er zu den geladenen Gäste gehörte. Polizeibeamte wiesen ihm dann sogar den Weg.

Barschaks 72-jähriger Vater versicherte, sein Sohn sei keineswegs ein Anti-Monarchist, sondern ein Bewunderer vor allem von Prinz Charles. Er habe nur bekannt werden wollen. Bisher hatte er ein eher kümmerliches Dasein mit Kneipen-Auftritten gefristet. Der Prominenten-Manager Max Clifford sagte, Barschaks Zukunft sei nun wohl gesichert: "Er steht mit einem Schlag auf allen Titelseiten."

1982 hatte der damalige Innenminister Willie Whitelaw seinen Rücktritt angeboten, nachdem ein gewisser Michael Fagan bis ins Schlafgemach der Queen gelangt war. Die Herrscherin und ihr Untertan sollen damals eine halbe Stunde miteinander geplaudert haben. Der Chef der Scotland-Yard-Einheit für den Schutz der Royals musste anschließend zurücktreten, und die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt. Dennoch kam es immer wieder zu Zwischenfällen. 1994 etwa landete ein nackter Fallschirmspringer auf dem Dach des Buckingham- Palastes. Im vergangenen Jahr klopfte ein Eindringling an die Schlafzimmertür von Prinzessin Anne, um sie nach dem Weg zum Bahnhof Victoria zu fragen.

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