Schutz der Chefs wird zum Verlust-Geschäft
Versicherer Chubb spürt Firmen-Skandale

Der amerikanische Versicherungskonzern Chubb hat seinen Gewinn deutlich gesteigert. Zuvor hatte er die Prämien für Sachversicherungen kräftig angehoben. Bei der Auswahl seiner Kunden ist der sechstgrößte amerikanische Sachversicherer wesentlich wählerischer geworden.

hus NEW YORK. US-Sachversicherer profitieren von den kräftigsten Prämien-Erhöhungen in zehn Jahren. Lediglich die Versicherung von Firmenchefs gegen Aktionärs- oder Aufsichtsratsklagen ist zu einem Verlustgeschäft geworden. Das geht aus den Zahlen des sechstgrößten Sachversicherers der USA, der Chubb Corp. aus Warren/New Jersey hervor. Der Konzern meldet ein Gewinnplus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Quartal, nachdem er die Prämien für geschäftliche sowie private Sachversicherungen kräftig erhöht hat.

Das Nettoeinkommen des Konzerns erhöhte sich im abgelaufenen Quartal von 147 auf 210 Mill. Dollar oder 1,20 Dollar pro Jahr. Einmalgewinne ausgeschlossen, betrug es mit 1,05 Dollar je Aktie weniger als von Analysten erwartet. Sie hatten mit 1,13 Dollar gerechnet. Die Prämien-Einnahmen stiegen netto um 29 Prozent auf 2,1 Mrd. Dollar. "Chubb hatte ein hervorragendes zweites Quartal und die Wende gewinnt an Fahrt", sagte Vorstandschef Dean R. O'Hare. Investoren haben in den vergangenen Monaten Vertrauen in Chubb bewiesen. Der Kurs der Aktie ist in der ersten Jahreshälfte um 2,6 Prozent gestiegen, während der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 im gleichen Zeitraum 14 Prozent verlor.

"Wir sehen einen klaren Trend zur Qualität", sagte O'Hare bei der Vorlage der Zahlen, "aber wir halten Disziplin und nehmen nicht jeden Antragsteller auf." Im geschäftlichen Bereich habe Chubb nur jeden vierten Interessenten für eine Versicherung akzeptiert. 70% davon hätten dann tatsächlich auch einen Vertrag unterzeichnet. Potenzielle Kunden wollten jetzt sicher gehen, dass sie im Schadensfall auch ihr Geld bekommen, heißt es. Auch schätzten sie den Beratungs-Service und die internationale Präsenz von Chubb.

Prämieneinnahmen stark gestiegen

Nach dem 11. September hat sich im geschäftlichen Bereich die Gewinnsituation deutlich verbessert: Dort sind die Prämieneinnahmen um 41 Prozent gestiegen, die Schaden-Kosten-Quote hat sich gegenüber dem Vorjahres-Zeitraum deutlich von 112,Prozent auf 95,1 Prozent verringert. Das bedeutet, dass Chubb inzwischen nur noch 95,1 Prozent der Prämieneinnahmen für Schadensersatz-Zahlungen ausgibt. Zuvor hatten in dem Bereich die Schadenzahlungen die Prämieneinnahmen überschritten.

Ob ein Manhattan-Apartment oder eine Fleischfabrik in Idaho - nach dem 11. September haben Sachversicherer die Prämien um teilweise 100 bis 200 Prozent erhöht. Auch bei privaten Sachversicherungen sank die Schaden-Kostenquote. Sie beträgt jetzt knapp 98 Prozent gegenüber 106 Prozent im Vorjahresquartal, berichtete das Unternehmen.

Nach der Serie von Firmenskandalen ist dagegen die Versicherung von Top-Managern gegen Aktionärs-Klagen zum Verlustgeschäft geworden. Die Schaden-Kostenquote schnellte hier von 95 Prozent auf 101 Prozent hoch, vor allem weil die Zahl der Versicherungsfälle stieg, heißt es in dem Quartalsbericht. Chubb hatte das Produkt als erster Versicherer eingeführt und ist in dem Segment weltweit Marktführer. Bei Aktiengesellschaften habe der Konzern die Versicherungs-Prämien von Top-Managern verdoppelt, erläuterte O'Hare. Die Anfragen seien drastisch gestiegen. Dies erlaube es dem Konzern, wählerischer zu sein.

Für das Gesamtjahr kündigte O'Hare einen Gewinn von 4,60 Dollar pro Aktie an, sechs Cents weniger als von Analysten erwartet. Der Kurs der Aktie verbesserte sich zu Handelsbeginn in einem positiven Umfeld um mehr als drei Prozent auf 63 Dollar.

Quelle: Handelsblatt

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