Schutz für Schutz für deutsche Bevölkerung nach Ende der Ost-West-Konfrontation drastisch heruntergefahren
Bundeswehr gegen Bio-Waffen geschützt - Zivilbevölkerung nicht

Anthrax - Milzbrand - und andere Biokampfstoffe können sie kaum schocken: Die Soldaten der Bundeswehr sind gegen mögliche Angriffe islamistischer Terroristen gewappnet. Das wurde von der Sanitätsakademie in München am Mittwoch bestätigt. Aus Kreisen des Bundesamtes für Zivilschutz wurde angesichts der Aufsehen erregenden Milzbrandfälle in Florida, die in Zusammenhang mit den islamistischen Extremisten gebracht werden, dagegen "Fehlanzeige" gemeldet.

ddp BERLIN/MÜNCHEN. Die Armee hatte schon zu Zeiten des Kalten Krieges wegen drohender Gefahren im Kriegsfall ständig ihre ABC-Ausrüstung verbessert. Die deutsche Zivilbevölkerung wäre dagegen möglichen Anschlägen mit den heimtückischen Bio-Waffen "mehr oder weniger hilflos ausgeliefert", stellten Experten mit Bedauern fest.

Im Gegensatz etwa zu Schweden und der Schweiz ist der Schutz für die deutsche Bevölkerung nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation drastisch heruntergefahren worden. Sogar die Sirenen wurden abgeschafft. Für die Privathäuser gab es keine Gelder zum Einbau von Schutzkellern. An den Bau öffentlicher Bunker wurde angesichts der «totalen Bedrohungsabnahme» für Deutschland überhaupt nicht gedacht.

In einem Vermerk der Zentralstelle für den Zivilschutz heißt es mit Blick auf die verheerenden Anschläge in New York und Washington: Die Bundesländer hätten übereinstimmend erklärt, dass sie bei der Bewältigung ähnlicher Großschadenslagen überfordert wären. Wolfram Geier, Sachverständiger für Katastrophenschutz, verwies auf die größtenteils veralteten Katastrophenschutzfahrzeuge. Viele von ihnen gehörten nur noch ins Museum. Das Technische Hilfswerk (THW) machte auf die unentwegte Kürzung der Gelder aufmerksam. Die Sparmaßnahmen hätten die notwendige Ausbildung der Helfer und die Modernisierung der zum Teil Jahrzehnte alten Fahrzeuge und Geräte verhindert.

Im Vergleich zu vielen anderen Staaten seien in Deutschland die Vorsorgemaßnahmen gegen den Einsatz von Biowaffen «schlicht verkümmert», stellten jetzt Katastrophenmediziner auf einer Tagung in der Akademie für Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr fest. Alle Gefahren dieser Art seien in Deutschland ständig ignoriert worden. Anthrax gilt als einer der gefährlichsten Stoffe, die Attentäter verwenden können. Milzbrand-Erreger sind umweltresistent und können lange infektionsfähig überleben.

Es gibt gegen Bio-Angriffe wegen ihrer verborgenen und heimtückischen Art nach Aussagen von Katastrophenschutzexperten so gut wie keinen Schutz. Die biologischen Kampfstoffe können sozusagen still an jedem Ort aus der «Büchse» losgelassen werden. Eine flächendeckende Luftraumüberwachung gegen Flugzeuge mit B-Waffen sei unmöglich. Auch gebe es keine Sensoren, die eine Belastung mit bestimmten Erregern frühzeitig anzeigen könnten. Es dauert Tage, bis Milzbrand «nach außen» wirkt und erkannt werden kann. Dann müssen aber Gegenmittel sofort zur Verfügung stehen.

Besonders besorgt blicken Fachleute in diesen Tagen in Richtung Irak. Nach dem Golfkrieg gab Saddam Hussein offen zu, Milzbrandsporen in Raketen munitioniert zu haben. Im Juli dieses Jahres sollen nach Geheimdienstberichten 200 Gefolgsleute Osama Bin Ladens im Nordirak den Einsatz von chemischen und biologischen Substanzen geprobt haben.

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