Schutz gegen unerwartete Risiken
Mit Sicherheit ins Eigenheim

Blitzschlag, einstürzende Wände, verletzte Passanten, Diebstahl: Vom ersten Spatenstich an muss der Bauherr mit unerwarteten Risiken rechnen. Daher empfiehlt sich ein ausreichender Versicherungsschutz. Aber bevor man die Police unterschreibt, sollte man einen Blick ins Kleingedruckte werfen.

HB/ Düsseldorf. Auf ihre Baufirma sind die Eheleute H. aus Hannover schon lange nicht mehr gut zu sprechen. Der Einzugstermin war für den vergangenen Herbst vorgesehen - doch bis heute liegt gerade mal die Grundplatte für den Fertigbau. Was die Eheleute nicht ahnen: Wenn Passanten auf dem verwaisten Grundstück stürzen, gibt es weiteren Ärger. Die Eheleute müssen für die Unfallfolgen haften. Bauherren übernehmen mit dem Grundstückserwerb automatisch die Verpflichtung, das Gelände so zu sichern, dass niemand zu Schaden kommen kann.

Wenn Haus und Grundstück mit getrennten Verträgen erworben werden, empfiehlt sich der Abschluss einer Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung. Die Police kostet pro Jahr rund 40 Euro und kann später je nach Bedarf wieder gekündigt werden. Wird das Eigenheim nach Fertigstellung vermietet, ist diese Haftpflichtversicherung auch weiterhin nötig. Sie zahlt zum Beispiel dann, wenn jemand im Winter auf dem nicht ausreichend geräumten Gehweg ausrutscht.

Bauarbeiten sind Gefahrenquellen, nicht nur für die direkt Beteiligten, sondern auch für die Nachbarschaft. Stürzt ein spielendes Kind in eine ungenügend gesicherte Baugrube, haftet der Bauherr mit seinem gesamten Vermögen. Er muss dafür sorgen, dass niemand durch mangelhafte Absicherungen, fehlende Überwachung oder ungeeignete Helfer an seinem Bau gefährdet wird. Auch eingeschaltete Unternehmer befreien ihn letztlich nicht von dieser Pflicht. Die Privathaftpflichtversicherung übernimmt diese Risiken zwar, allerdings meist nur bis zu einer Bausumme von 25 000 Euro. Bei größeren Bausummen schützt die Bauherrenhaftpflichtversicherung, die für die gesamte Bauzeit, maximal zwei Jahre, rund 130 Euro kostet. Anschließend läuft der Vertrag automatisch aus. Der Versicherer reguliert berechtigte Schadenersatzansprüche der Geschädigten und wehrt unberechtigte Ansprüche ab. Versichert ist in der Regel eine pauschale Deckungssumme von einer Million Euro für Personen, Sach- und Vermögensschäden. Geringere Deckungssummen sollte man nicht akzeptieren. Gewässerschäden sind nicht mitversichert. Keinen Schutz gibt es außerdem für Haftpflichtansprüche aus Veränderungen an den Grundwasserverhältnissen, ebenso für Fahrzeuge aller Art.

Wenn das Haus innerhalb von zwei Jahren gebaut werden soll, kann diese Versicherung bereits beim Kauf des Grundstücks abgeschlossen werden. Der unbebaute Grund ist dann ohne Aufpreis bereits vor Baubeginn versichert. In diesem Fall erübrigt sich der Abschluss einer Haus- und Grundeigentümerhaftpflicht beim Kauf des Grundstücks.

Auch bei sorgfältiger Planung und Bauaufsicht drohen Schäden am Bau: Material oder Konstruktionsfehler, mangelhafte Statik, Vandalismus, Sturm und Hochwasser oder schließlich durch eine schlampige Bauausführung. Wie der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft beklagt, häuft sich vor allem der Klau am Bau. Ganze Heizungs- oder Sanitäranlagen würden mittlerweile von Baustellen verschwinden. Früher hätten gerade mal Hammer, Schrauben oder Bohrmaschinen gefehlt.

Hier kann der Bauherr mit einer Bauleistungsversicherung vorbeugen. Diese Police ist die Kaskoversicherung für das Gebäude und zahlt für vielfältige Schäden am Bauwerk. So etwa, wenn der frische Estrich durch Vandalen zerstört wird, wenn ungeschickte Baggerfahrer Wände eindrücken oder wenn ein Blitz den Dachstuhl in Brand setzt. Vor allem auf Beschädigungen durch "höhere Gewalt" wie Blitzschlag, Sturm oder Wolkenbruch, Erdsenkungen und Erdrutsche würde der Bauherr sonst auch selbst dann sitzen bleiben, wenn er einen Generalunternehmer engagiert hätte.

Für den Diebstahl bereits eingebauter Teile wie Heizkörper oder Waschbecken wird bei den meisten Versicherern ein Prämienaufschlag fällig. Die Versicherung zahlt auch bei Ungeschicklichkeit oder Fahrlässigkeit von Bauarbeitern. Baufirmen und Handwerker sind also mitversichert. Dies erspart dem Bauherren langwierige Streitereien mit schlechten Helfern. Der Versicherungsschutz gilt jeweils für die Dauer der Bauzeit, längstens für zwei Jahre. Was die Police kostet, wird aus der Gesamtbausumme errechnet. Pro 500 Euro Bausumme ist eine Durchschnittsprämie von 80 Cent zu erwarten. Die zusätzliche Diebstahlversicherung erhöht die Prämie um etwa 40 Prozent. Bei einer Bausumme von 250 000 Euro kostete die Police also rund 560 Euro.

Wie bei allen Versicherungen steckt der Teufel auch beim Bauleistungsschutz im Detail. Keinen Schadensersatz gibt es zum Beispiel für Pfusch am Bau. "Die Versicherer zahlen allerdings häufig für Folgeschäden solcher Mängel", erläutert Gerhard Sauer von der VHV Vereinigte Haftpflichtversicherung Hannover. Im Klartext: Für die nicht fachgerecht gegossene Betondecke gibt es keine Versicherungsleistung, wohl aber für die Schäden, die ein möglicher Einsturz der Decke nach sich zieht.

Leer geht der Versicherte meist aus, wenn kalkulierbare Witterungseinflüsse seinen Bau beschädigen. Übeltäter muss also schon ein besonders heftiger Sturm, Regen oder Hagel sein. Grundsätzlich nicht versicherbar sind auch alle Baugeräte, Gerüste, Fahrzeuge oder sonstige Sachen, die nicht fest mit dem Gebäude verbunden sind.

Bauherren, die eine Rechtsschutzversicherung in der Schublade haben, sollten sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Denn das Baurisiko ist laut Kleingedrucktem vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Die Bauherrenhaftpflichtversicherung hat jedoch ebenso wie andere Haftpflichtversicherungen zumindest eine abgespeckte Rechtsschutzfunktion: Sie wehrt unberechtigte Ansprüche Dritter ab. Geht dies nicht ohne gerichtliche Auseinandersetzungen, erstattet sie die Kosten für einen Prozess. Will der Bauherr jedoch selbst Schadensersatz etwa gegen Bauunternehmen, Lieferanten oder Architekten geltend machen, kann er dies nur auf eigenes Risiko.

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