Archiv
Schutz nach Maß ist keine Hexerei

Ein paar einfache Grundregeln helfen, die wichtigen von den unwichtigen Versicherungen zu unterscheiden.

DÜSSELDORF. Was hilft ein Mantel, der zu groß ist, dafür aber jede Menge Löcher hat? Wenn Experten den bestehenden Versicherungsschutz von Privatleuten analysieren, dann drängt sich häufig dieser Vergleich auf. "Viele Leute haben eine Rechtsschutzversicherung, aber keine Haftpflicht", sagt Versicherungsberaterin Katja Dau aus Hamburg. "Dabei kann es in der Haftpflicht zu riesigen Schäden kommen: Sie gehen gedankenlos auf die Straße, ein Auto weicht aus und fährt gegen den Baum, der Fahrer braucht eine lebenslange Rente."

Auch unabhängige Experten sind nicht immer einig in der Grundfrage: Wie viel Versicherung braucht der Mensch? Einen Streit gab es zum Beispiel zwischen der Stiftung Warentest und dem Bund der Versicherten, weil die Stiftung die Berufsunfähigkeitsversicherung in einer Veröffentlichung nicht als absolut notwendig eingestuft hatte. Weitgehend Übereinstimmung besteht aber bei drei Grundregeln:

>>Versichert werden sollten vorrangig Risiken, die den Kunden in seiner finanziellen Existenz bedrohen.

>>Ausgangspunkt ist immer die Situation der gesamten Familie.

>>Auch sehr seltene Unglücksfälle sollten abgesichert werden.

Aus diesen Grundregeln folgt unmittelbar eine weitere:

>>Selbstbeteiligungen sind sinnvoll, Höchstsummen weniger. Denn es ruiniert niemanden, einen Selbstbehalt zu tragen. Wenn aber z.B. die private Haftpflicht nicht ausreicht, dann steht er mit Sicherheit vor der Pleite. Zwei Versicherungen sind in Deutschland weitgehend Pflicht: Die Auto-Haftpflicht und die Krankenversicherung. Sie fallen beide unter Grundregel 1: Ein Autofahrer kann Schäden verursachen, die ihn ruinieren, wenn er sie selbst bezahlen muss.

Bei Krankheitskosten sieht es ähnlich aus, wenn auch nicht ganz so drastisch. Als weitere inoffizielle "Pflichtversicherung" gilt die private Haftpflichtversicherung. Nicht zwingend erforderlich ist dagegen die Autokasko. Denn viele Autofahrer könnten sich im schlimmsten Fall ein neues oder gebrauchtes Auto vom Ersparten kaufen - oder darauf verzichten. Mit diesen drei Versicherungen - Auto- und private Haftpflicht sowie Krankenversicherung - ist das absolute Minimum umrissen.

Die Absicherung der Berufsunfähigkeit (BU) hat aber ebenfalls hohe Priorität. Doch hier sollte die individuelle Situation genau geprüft und die Fragen geklärt werden: Welche Ansprüche bestehen gegenüber der Rentenversicherung? Wie viel Vermögen steht zur Verfügung? Und wie viel BU-Schutz ist schon vorhanden? Häufig ist der BU-Schutz bereits an bestehende Lebensversicherungen angehängt. In vielen Fällen bleibt jedoch ein unübersehbarer Absicherungsbedarf offen. Der ist - leider - nicht kostengünstig abzudecken, aber der Schutz ist sinnvoll. Wer glaubt, sich diese Versicherung nicht leisten zu können, sollte im Grunde eher die Autokasko kündigen, statt auf die BU zu verzichten. Wichtig ist auch: Die BU-Rente sollte laufen, bis die Altersrente einsetzt.

Wer eine Familie versorgt, hat nach Grundregel 2 noch weiteren Absicherungsbedarf. Wichtig ist auch hier die BU, die beim Haupternährer der Familie so hoch ausfallen sollte, dass sie alle Angehörigen im Notfall absichert. Dazu kommt der Todesfallschutz. Er ist in normalen Lebensversicherungen enthalten, aber meist zu niedrig. Daher empfiehlt sich, eine Risikolebensversicherung mit fallender Auszahlungssumme abzuschließen, die nur im Todesfall gezahlt wird. Sie sinkt gegen Null, je weiter sich der Kunde dem Rentenalter nähert. Diese Verträge bieten Sicherheit und sind dabei recht erschwinglich. Wenn sich der Kunde früh versichert, ist die Auszahlungssumme im Notfall hoch - dann ist die Familie noch jung und der Ausfall des Ernährers fällt schwer ins Gewicht.

In höherem Alter kann es anders aussehen: Die Kinder sind aus dem Haus und es ist bereits Vermögen fürs Alter angespart, das dann zum Teil gar nicht mehr gebraucht wird, wenn einer der beiden Ehepartner stirbt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Baudarlehen sich ebenfalls mit Risikolebensversicherungen koppeln lassen, so dass im Todesfall der Kredit nicht zurückgezahlt werden muss - dies ist die so genannte Restschuldversicherung. Auch hier gibt es Varianten, bei denen die Berufsunfähigkeit eingeschlossen ist.

Viele weitere Versicherungen sind sinnvoll, aber nicht unbedingt notwendig. Häufig sichert man sich damit nicht gegen den Ruin ab, sondern nur gegen den Ärger. Und leider gilt auch hier die paradoxe Regel: Wer wenig Geld zur Verfügung hat, muss sich besonders sorgfältig versichern, weil er schneller in seiner finanziellen Existenz bedroht ist.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%