Schutz vor Fallen
Verträge mit Headhuntern: Immer aufs Kleingedruckte achten

Das "Kleingedruckte" in Verträgen, die Headhunter vorschlagen, ist oft ungenau - zum Nachteil der Auftraggeber. Regelungsbedürftig sind Spesen, Qualifikation der Researcher und die Frage, wo angerufen werden darf.

Rolf Diekmann lässt sich nicht so schnell unterkriegen. Der Stuttgarter Rechtsanwalt hat zwar vor kurzem eine Niederlage vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe einstecken müssen (vergleiche Handelsblatt vom 27. / 28. Juli 2001), dennoch gibt sich der Jurist siegesgewiss. Die Richter sahen in dem Anruf des Düsseldorfer Headhunters Michael Dobler am Arbeitsplatz einer Angestellten des schwäbischen Systemhauses Bechtle AG keinen Rechtsverstoß (Urteil vom 25. Juli 2001, Aktenzeichen 6 U 145 / 00). Diekmann, der Bechtle vertritt, hat gegen diese Entscheidung jetzt Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.

Für die Auftraggeber von Headhuntern sind diese Vorgänge interessant, weil auch sie von den Firmen, die sich von den anrufenden Personalberatern belästigt fühlen, abgemahnt werden können. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Marcel Grote, der sich mit den genannten Urteilen beschäftigt hat, meint daher, bis zur Entscheidung des Bundesgerichtshofs sollten die Berater und ihre Auftraggeber weiter äußerst vorsichtig sein.

Das Urteil zugunsten der Headhunter binde lediglich die unteren Instanzen im Einzugsbereich des Oberlandesgerichts Karlsruhe. Wenn ein Headhunter anderswo abgemahnt werde und nicht reagiere, müsse er nach wie vor mit einer Verurteilung rechnen.

Auch Auftraggeber können abgemahnt werden

Grote sagt, ein Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 17. Dezember 1999 (Aktenzeichen 2 U 133 /99) habe deutlich gezeigt, dass nicht nur Headhunter, sondern auch deren Auftraggeber abgemahnt und zu Schadenersatz verurteilt werden können. Die Schadenersatzforderungen seien zwar lächerlich, weil allenfalls ein Ersatz für die verloren gegangene Arbeitszeit verlangt werden könne. Dieser Schaden halte sich in engen Grenzen. Aber, so der Anwalt: "Ein Prozess kostet die unterlegene Seite Anwalts- und Gerichtsgebühren und, auch wenn man gewinnt, eine Menge Zeit und Nerven."

Wie sollen sich nun Unternehmen oder Personalchefs konkret verhalten? Grote: "Sie sollen in jedem Fall den Headhunter dazu verpflichten, einen Bogen um Unternehmen zu machen, die wie Bechtle oder Primus Online in Köln bekannt dafür sind, dass sie Headhunter abmahnen."

Weiter sollten sie in den Verträgen mit Headhuntern genau festlegen, dass die Direktansprache per Telefon am Arbeitsplatz von Zielpersonen nur einer ersten, kurzen Kontaktaufnahme dienen darf. Die Headhunter oder Researcher sollten die zweite Kontaktaufnahme entweder über den privaten Anschluss der Zielperson laufen lassen oder sich zurückrufen lassen.

Professionalität der Headhunter ist wichtig

Wichtig sei auch: Die Auftraggeber sollten darauf achten, dass Headhunter nur mit gut geschulten, fest angestellten Researchern arbeiten. "Kein Auftraggeber muss es hinnehmen, dass Freelancer oder Studenten die Sucharbeit machen", so der Anwalt. Auch hier bietet sich eine vertragliche Regelung an. Im übrigen rät Grote den Auftraggebern, die Urteile zum Anlass zu nehmen, die Verträge mit Headhuntern gründlich zu überarbeiten. Der Jurist sagt, die allgemeinen Geschäftsbedingungen, welche die Consultants üblicherweise mit der Bestätigung eines Suchauftrags versenden, seien aus Sicht der Auftraggeber "bestenfalls unvorteilhaft". Oft enthielten diese Papiere nicht einmal eine "Off-Limits"-Regelung, womit sich die Consultants verpflichten, keine Führungskräfte im Unternehmen des Auftraggebers abzuwerben. Die Klauseln aber, die Headhunter üblicherweise verwendeten, seien "viel zu schwammig", sagt Grote und empfiehlt präzise Formulierungen.

In einem Rahmenvertrag, den beispielsweise ein internationaler Konzern mit einem Headhunter abschließt, könnte ein solcher Passus folgendermaßen lauten: "Der Auftragnehmer verpflichtet sich, ab Beginn des Suchauftrags weltweit keine Mitarbeiter im Konzern des Auftraggebers - weder direkt noch indirekt - im Interesse anderer Klienten anzusprechen, abzuwerben oder auf andere Weise Vorteile für Dritte aus vertraulichen Informationen zu ziehen, die er durch seine Tätigkeit für den Auftraggeber erhalten hat."

Off-Limits-Regelung empfehlenswert

Auch für die Zeit nach Beendigung eines Suchauftrags oder nach Ablauf eines Rahmenvertrags, der als Grundlage für eine Reihe von Suchaufträgen gedient hat, sollte nach Ansicht Grotes eine Off-Limits-Regelung getroffen werden. Die entsprechende Formulierung könnte lauten: "Der Auftragnehmer verpflichtet sich, für die Dauer von zwei Jahren nach Vertragsende kein Personal aus den Reihen des Auftraggebers für andere Klienten anzusprechen, abzuwerben oder sonstige Vorteile aus Informationen zu ziehen, die er durch seine Tätigkeit für den Auftraggeber erhalten hat."

Grote empfiehlt, diese Klauseln jeweils mit einem Passus zu verbinden, in dem sich der Headhunter verpflichtet, bei einem Verstoß gegen die Off-Limits-Regelung eine angemessene Vertragsstrafe zu zahlen. Weiter kritisiert der Anwalt die zumeist pauschalen Spesenregelungen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen vieler Headhunter. Sein Rezept gegen unverschämte Abzocker: "Auftraggeber sollten Spesen nur bezahlen, wenn die Berater ihre Aufwendungen durch Quittungen oder andere Belege nachweisen", so Grotes Rat. Das müsse aber bei Auftragserteilung vereinbart werden.

Der Jurist empfiehlt zudem eine Klausel, wonach der Headhunter ab einer bestimmten Ausgabenhöhe eine vorherige Zustimmung beim Auftraggeber einholen muss. Insbesondere bei Auslandsreisen des Consultants oder bei der Anreise von Kandidaten aus dem Ausland habe sich dies als sinnvoll erwiesen, um die Kosten steuern zu können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%