Schutz vor Verlusten
Wacklige Börse spricht für Passiv-Strategie

Das Kursjojo an den Börsen macht es Fondsmanagern derzeit schwer, den Markt zu schlagen. Gestern wurden Technologiewerte geprügelt, morgen könnten es Telekom - oder Rohstoff-Aktien sein. Dadurch steigt Experten zufolge das Interesse an passiven Strategien. Denn wer den ganzen Markt kauft, ist von kurzlebigen Trends unabhängig.

DÜSSELDORF. "Die jüngsten Turbulenzen an den Börsen sorgen dafür, dass Investoren zunehmend nach dem Risiko fragen, das ein Fondsmanager eingeht", sagt Sandro Bund, Deutschland-Geschäftsführer von State Street Global Advisors. Der weltweite Marktführer bei passiven, also indexnahen, Anlageformen sieht darin eine Chance. "Unter Rendite-Risiko-Aspekten schneiden passive Produkte besser ab", sagt Bund. Bislang sind passive Anlagen hierzulande kaum verbreitet. Dabei sind nicht nur preisgünstiger: Bei Standardwerten hinken aktiv verwaltete Fonds zudem im Schnitt hinter dem Vergleichsindex her.

Wenn das stimmt - was nutzt Privatanlegern dann die Jagd nach der neuesten Studie, das tägliche Eintauchen in die Informationsflut, der minütliche Blick auf den Kursticker? Wenig, meint Matthias Fäth, Anlageexperte bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Ein dauerhafter, geldwerter Wissenvorsprung lasse sich so kaum erreichen. "Eine sinnvolle Strategie besteht daher darin, einfach den gesamten Markt zu kaufen", rät Fäth. Mit Indexfonds und Indexzertifikaten könnten Anleger auf die langfristige Aufwärtsentwicklung der Börsen setzen, ohne bei jedem neuen Trend ihr Depot umschichten zu müssen.

Solche Ansichten mögen befremdlich klingen für Anleger, die von ihren individuellen Strategien überzeugt sind. Doch selbst viele Bankprofis fielen zuletzt hinter den Gesamtmarkt zurück, weil sie weder die Talfahrt vieler Halbleiter-Titel noch den Anstieg vieler Rohstoff-Aktien vorher sahen.

Aktiv oder passiv?

Tatsächlich können aktiv gemanagte Depots nie insgesamt besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Denn bei Wetten gegen den Index gibt es immer einen Gewinner und einen Verlierer - und beide Effekte gleichen sich aus. Das erklärt der nobelpreisgekrönte Wirtschaftsprofessor Paul Samuelson an einem Beispiel: Will Fondsmanager A eine bestimmte Aktie in seinem Fonds untergewichten, dann muss er die Titel einem anderen Marktteilnehmer verkaufen - etwa an Fondsmanager B. Entwickelt sich die nun Aktie schlecht, dann gewinnt A, andernfalls B. Beide Effekte zusammen heben sich jedoch auf - und zwar immer.

Berechnet man noch die Kosten für aktive Fonds, dann schneidet der durchschnittliche Fondsmanager sogar schlechter als der Gesamtmarkt ab. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Berücksichtigt man den Bargeldbestand aktiver Fonds, dann können sie in schlechten Börsenjahren den Vergleichsindex schlagen. Daher stammt der Eindruck, aktive Fonds böten bei fallenden Kursen Sicherheit. "Der Vergleich hinkt jedoch", meint Anlageexperte Fäth, "denn der Index hat ja keinen Bargeldanteil". Und wer auf fallende Märkte setzt, für den sind Aktien ohnehin die falsche Anlageform, ergänzt State-Street-Experte Bund.

Allerdings: Wen interessiert schon, ob aktive Fonds im Schnitt schlechter abschneiden? Schließlich schlagen in jedem Jahr einige Fonds den Markt um Längen. Fragt sich nur, wie Privatanleger diese Gewinner vorab finden sollen. Viele schauen bei der Fondswahl auf bisherige Renditen. Daraus lasse sich aber für die Zukunft wenig ableiten, fanden die US-Wissenschaftler William Goetzmann und Stephen Brown heraus.

Wenn aber individuelle Anlagestrategien wirklich einem Roulettespiel gleichen, bei dem meist die Bank gewinnt - warum spielen Anleger trotzdem mit? "Die Leute wollen, dass jemand sich persönlich um ihr Geld kümmert", sagt Christoph Bruns, verantwortlich für das Fondsmanagement bei Union Investment. "Das ist wie beim Flugzeugfliegen. Dort wünscht man sich auch einen Piloten aus Fleisch und Blut, obwohl der Autopilot genau so gut ist", sagt Bruns.

In den klassischen Aktienländern USA und Großbritannien sind Indexprodukte bereits viel weiter verbreitet als hierzulande. Daher erwarten Experten, dass Indexfonds auch in Deutschland noch populärer werden.

Bleibt nur noch ein psychologisches Hindernis: Wer passiv investiert, verabschiedet sich von dem Ziel, cleverer als der Markt zu sein. Das dürfte vielen schwer fallen. Schließlich sterben auch die Spielkasinos nicht aus, obwohl am Ende meist die Bank gewinnt.

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