Schutzgemeinschaft für Verbot von Sonderzahlungen bei Übernahmen
Esser soll Prämie durch Zwickels Mithilfe erhalten haben

Anlässlich der Hauptversammlung der Mannesmann AG hat die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre ein Verbot von Sonderzahlungen an Unternehmensmitglieder bei künftigen Konzernübernahmen gefordert.

afp BERLIN/DÜSSELDORF. Der Vizevorsitzende des Verbandes, Markus Straub, forderte im Deutschlandradio Berlin Aufklärung über die Übernahme von Mannesmann durch den britischen Vodafone-Konzern und die dabei angeblich geflossenen Abfindungen in Millionenhöhe. Derweil berichtete das Anlegermagazin "Die Telebörse" vorab, Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser habe eine umstrittene "Sonderprämie" von zehn Mill. Pfund nur dank der Mithilfe von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel erhalten.

Im Vorfeld der Mannesmann-Hauptversammlung hatte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bereits "unangenehme Fragen" zu dem Aktionärstreffen angekündigt. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen insgesamt zehn frühere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder von Mannesmann. Die Behörde prüft den Verdacht der Untreue im Zusammenhang mit Abfindungen und Sonderzahlungen von 148 Mill. DM (fast 76 Mill. ?) unter anderem gegen Esser, Vodafone-Chef Chris Gent, Zwickel und den designierten Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Zwickel und Ladberg hielten Prämie für schwer vermittelbar

Straub betonte, den Mannesmann-Aktionären sei durch den Ablauf der Übernahme durch Vodafone vermutlich Schaden zugefügt worden. Esser hätte bei der Übernahme einen besseren Kurs für die Mannesmann-Aktionäre herausholehn können. Wenn Esser "weiter gepokkert hätte und sich, was jetzt vermutet wird, seinen Widerstand nicht hätte abkaufen lassen, könnte man vermuten, dass die Aktionäre höhere Beträge hätten erzielen können", sagte Straub.

Laut "Telebörse" hatten im für die Bewilligung der Esser-Prämien zuständigen Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten am 17. Februar 2000 neben dem Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk und dem Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann auch Zwickel und der Mannesmann-Konzernbetriebsratschef Jürgen Ladberg der Zahlung zugestimmt. Zwickel und Ladberg seien damals noch davon ausgegangen, dass die Prämie von Vodafone gezahlt werde. Am 28. Februar habe erneut abgestimmt werden müssen, weil die Zahlung durch Mannesmann erfolgen sollte. Zwickel und Ladberg ließen demnach in das Beschluss-Protokoll aufnehmen, dass die Höhe der Prämie für Esser "den Arbeitnehmern schwer vermittelbar" sei.

Auf Druck von Funk habe sich Zwickel zur Stimmenthaltung bereit erklärt. Unter Berufung auf eine Erklärung der Mannesmann-Rechtsabteilung an die Düsseldorfer Staatsanwaltschat berichtete das Anlegermagazin, Zwickel habe damit an der Beschlussfassung mitgewirkt und die Beschlussfähigkeit hergestellt.

Der IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich wies kurz vor Beginn der Mannesmann-Hauptversammlung in Düsseldorf auf AFP-Anfrage die Vorwürfe gegen Zwickel erneut zurück. Zwickel habe zu keinem Zeitpunkt an "unsauberen Geschäften" mitgewirkt.

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