"Schutzschild der Schwachen"
Schulte fordert Europäisierung der Gewerkschaften

Zum Auftakt eines fünftägigen Bundeskongresses des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat der scheidende DGB-Vorsitzende Dieter Schulte die Gewerkschaften zu einer stärkeren Ausrichtung auf Europa aufgerufen.

Reuters BERLIN. "Wir werden letztendlich zu einer europäischen Tarifpolitik und auch zu europäischen Gewerkschaften kommen müssen, die mehr sind, als ein Dachverband", sagte Schulte vor den etwa 400 Delegierten zur Eröffnung des Kongresses in Berlin. Die Gewerkschaften wollten Europa auch künftig mitgestalten. "Dabei werden wir auch so manches lieb gewonnene Stück nationaler Eigenständigkeit aufgeben müssen", sagte Schulte.

Nach acht Jahren an der Spitze des DGB scheidet Schulte am Dienstag aus dem Amt. Zu seinem Nachfolger sollen die Delegierten Michael Sommer wählen, der bisher Vizechef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi war. Sommer hat bereits angekündigt, er wolle den Gewerkschaften wieder mehr Gehör verschaffen und die Meinungsführerschaft zurück erlangen.

Die Gewerkschaften befänden sich im Wandel hin zu Dienstleistungsorganisationen, sagte Schulte. Er rief Frauen, junge Menschen und Hochqualifizierte auf, sich den Gewerkschaften anzuschließen, die nach Schultes Worten moderner und zukunftsfähiger werden müssen. "Aber zugleich wollen wir auch das bleiben, was wir seit 150 Jahren sind: Interessenvertreter der Arbeitnehmer, Schutzschild der Schwachen, Solidargemeinschaft über Standesgrenzen hinweg", sagte Schulte. Der DGB ist Dachverband von acht Einzelgewerkschaften, deren Mitgliederzahl seit Jahren auf derzeit rund 7,9 Millionen zurückgegangen ist.

Nach der Neuwahl der DGB-Spitze dürfte vor allem die Bilanz von vier Jahren rot-grüner Regierungspolitik die Debatten des Kongresses beherrschen, der alle vier Jahre stattfindet. Zur Eröffnung wurde auch Bundespräsident Johannes Rau erwartet. Am Mittwoch sind Reden von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und des Grünen-Parteichefs Fritz Kuhn geplant. Am Donnerstag werden Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) und FDP-Chef Guido Westerwelle auf dem Kongress erwartet.

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