Schutzzone rund um Hoffnungsträger
Kollegen packen Zidane in Watte

Der Hoffnungsträger wird in Watte gepackt, das Trainingsgelände abgeriegelt: Zinedine Zidane und sein bandagierter linker Oberschenkel werden immer mehr zum Mittelpunkt einer ausgedehnten Schutzzone, die der nervöse Titelverteidiger Frankreich vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Dänemark errichtet hat.

dpa SEOUL. Am Samstag durften die Journalisten zumindest noch beobachten, wie sich Zidane aufwärmte, von den folgenden ersten 45 gemeinsamen Minuten mit den Kameraden seit fast zwei Wochen blieben sie jedoch ausgesperrt. Der streng abgeschirmte LG Champion's Park in Seouls Vorort Guri war am Sonntag tabu.

Gleich neben einer stark befahrenen Ausfallstraße oberhalb des majestätischen Han-Stroms stellte sich der Welt- und Europameister bei heiß-feuchtem Wetter auf seinen ersten Nachmittags-Auftritt am Dienstag (08.30 MESZ) im benachbarten Incheon ein. Dort ist ein Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied nötig. Ansonsten müssen die Franzosen als erster Weltmeister seit 36 Jahren schon nach der Vorrunde heimfliegen.

Zidane beschränkte sich nach Angaben des französischen Verbandes am Samstag auf unvermeidliche, wenige Ballkontakte; seine Mitspieler vermieden harte Tacklings. Mannschaftsarzt Jean-Marcel Ferret tat sich mit einer Prognose schwer: "Gegen Uruguay stand die Ampel auf Rot, das tut sie nicht mehr. Zidane hat Chancen, zu spielen, das ist aber keineswegs sicher. Er ist Rekonvaleszent, und die drei Tage Training müssen gut verlaufen." Letztlich räumte Ferret ein, der Einsatz sei abzusehen. Ob Zidane 90 Minuten durchhalten könne, sei eine andere Frage.

Nach dem katastrophalen WM-Start bleibt Nationaltrainer Roger Lemerre gar nichts anderes übrig, als den Star zu bringen. Der einstige "Weltfußballer des Jahres" ist zudem ungeduldig. "Er war wie ein Löwe im Käfig und hat sehr darunter gelitten, uns zuzuschauen. Wir sind es nicht gewohnt, ohne ihn zu spielen. Es wäre ein Zeichen des Schicksals, wenn er zurückkommt", sagte Bixente Lizarazu. Der sowieso sehr zurückhaltende Zidane schweigt seit WM-Beginn.

Das Comeback des offenbar unverzichtbaren Schlüsselspielers ist zwar ein Hoffnungsschimmer am diesigen Himmel von Seoul, dafür trüben andere Ausfälle und die angespannte Stimmung die Lage. Der Einsatz von Abwehrspieler Frank Leboeuf ist wegen einer gegen Uruguay erlittenen Leistenverletzung sehr fraglich. Emmanuel Petit und Thierry Henry sind gesperrt.

Dänemarks Nationaltrainer Morten Olsen stellt seine Taktik schon auf Zidanes Rückkehr und den zu erwartenden Sturmlauf der Franzosen ein. Olsen überlegt, auf Angreifer Ebbe Sand von Schalke 04 zu verzichten und dafür das defensive Mittelfeld mit dem künftigen Schalker Christian Poulsen zu verstärken. Sein Kollege Lemerre wird trotz der Kritik von Stürmer David Trezeguet voraussichtlich an seinem System mit nur einer echten Spitze festhalten.

Bei der WM 1998 gewann Frankreich im bedeutungslosen letzten Vorrundenspiel 2:1 gegen die Dänen, bei der EM 2000 hieß es sogar 3:0. Doch während die Franzosen dieses Niveau bisher nicht zeigen konnten, hat sich Ex-Europameister Dänemark erholt. "Die Franzosen haben bisher abends gespielt, das könnte für sie ein Nachteil sein. Zidanes Rückkehr wird aber ihre Moral stärken", meint Stig Töfting. Der bissige Ex-Bundesligaprofi kommt als Bewacher in Frage.

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