Schwache Außenwirtschaft hat gebremst: Wirtschaft hat zum Jahresende 2002 stagniert

Schwache Außenwirtschaft hat gebremst
Wirtschaft hat zum Jahresende 2002 stagniert

Die deutsche Wirtschaft hat sich in den letzten drei Monaten 2002 überraschend auf dem Niveau des Vorquartals gehalten. Damit ist eine Rezession in Deutschland Volkswirten zufolge unwahrscheinlicher geworden, jedoch nach wie vor nicht ganz auszuschließen.

Reuters BERLIN. Von Oktober bis Dezember habe das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal saison- und kalenderbereinigt stagniert und 0,5 Prozent über dem Vorjahr gelegen, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. "Das Thema technische Rezession ist zunächst vom Tisch, aber bei der nächsten Revision kann natürlich schon wieder alles ganz anders aussehen", mahnte Gerd Haßel von der ING BHF-Bank zur Vorsicht. Anders als im Vorquartal trug den Angaben zufolge die Binnenwirtschaft zum Wachstum bei, während der Außenbeitrag bremste. Das Bundesfinanzministerium (BMF) sieht für den weiteren Konjunkturverlauf positive Signale, verweist aber wie viele Volkswirte auf Risiken durch einen Krieg in Irak.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang des BIP vom dritten auf das vierte Quartal von 0,1 Prozent und ein Wachstum zum letzten Vierteljahr 2001 von 0,6 Prozent prognostiziert. Viele Experten gehen davon aus, dass der Start ins laufende Jahr für die deutsche Wirtschaft ähnlich schwach war wie der Ausklang des vergangenen. Sollten am Ende beide Quartale jeweils einen Rückgang des BIP zum Vorquartal aufweisen, wäre die gängige Rezessionsdefinition erfüllt. Analysten verwiesen dabei darauf, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal in absoluten Zahlen knapp unter der des dritten lag, die Stagnation somit eine "rote Null" gewesen sei.

Außenwirtschaft verhindert Wachstum im vierten Quartal

Während der Außenbeitrag - die Differenz aus Exporten und Importen-im Schlussquartal 2002 im Vergleich zum Vorjahr das Wachstum noch stützte, sorgte die abnehmende Dynamik der Ausfuhren für einen Rückgang im Vergleich zu den Sommermonaten. "Das Wachstum kam also vor allem in der Binnenwirtschaft zu Stande und wurde durch die Außenwirtschaft gebremst", kommentierte Haßel den negativen Außenbeitrag. Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank sagte, bei den Exporten sei wegen der nachlassenden Auslandsnachfrage und dem starken Euro einige Dynamik verloren gegangen. Die schwache Binnenkonjunktur gilt seit langem als Achillesferse der deutschen Wirtschaft. Im Gesamtjahr 2002 hatte lediglich der hohe Außenbeitrag das magere Wachstum von 0,2 Prozent ermöglicht.

Im vierten Quartal legte der Export um real 0,3 Prozent zum dritten Vierteljahr zu, die Importe allerdings sogar um 1,9 Prozent. Die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen stiegen zum Vorquartal mit 1,4 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent erstmals seit langem. Die Verbraucher konsumierten um 0,1 Prozent mehr, während der Staat 0,5 Prozent weniger ausgab. Den größten Wachstumsbeitrag lieferten dem Amt zufolge die Vorratsveränderungen mit 0,3 Prozentpunkten. Auch die Bruttoanlageinvestitionen trugen zum Wachstum zum Vorquartal bei. Der Außenbeitrag bremste dagegen um 0,5 Prozentpunkte.

Irak-Konflikt bleibt Unsicherheitsfaktor für Wachstum

Nachdem am Dienstag der überraschende Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex die Hoffnung auf eine konjunkturelle Trendwende hatte aufkeimen lassen, äußerte sich auch das BMF in seinem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht vorsichtig optimistisch. Es gebe zunehmend positive Signale von den Frühindikatoren, heißt es darin. "Sollte es tatsächlich zu einem Krieg im Irak kommen, sind seine wirtschaftlichen Auswirkungen nicht abschätzbar", betont der Bericht aber auch die Risiken.

Unabhängig von einem Irak-Krieg erwarten die meisten Volkswirte für das Gesamtjahr 2003 ein teilweise deutlich niedrigeres Wirtschaftswachstum als die Bundesregierung, deren Prognose bei einem Prozent liegt. "Ein Wachstum von 0,7 Prozent ist in diesem Jahr noch möglich, aber schwer zu erzielen", sagte Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute schätzen die Wachstumschancen für 2003 inzwischen skeptischer ein als die Regierung.

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