Schwache Baukonjunktur beflügelt Konzentration
Walter Bau schluckt Dywidag

Die Augsburger Walter Bau-AG will sich nach ihrer Tochter Heilit + Woerner AG auch die Münchener Dyckerhoff & Widmann AG (Dywidag) einverleiben. Beide Unternehmen verhandelten derzeit über eine Verschmelzung zum 1. Januar 2001, teilte Walter Bau am Dienstag in Augsburg mit. Die Entscheidung liege bei den Aufsichtsräten der beiden Baukonzerne, denen jeweils Ignaz Walter vorsitzt

Reuters AUGSBURG/MÜNCHEN. Am Zustandekommen der Fusion dürfte kaum ein Zweifel bestehen, auch weil Walter-Bau mit 75 % eine deutliche Kapitalmehrheit an Dywidag hält. Dywidag erwartet im laufenden Jahr nach eigenen Angaben einen Fehlbetrag aus dem gewöhnlichen Geschäft von 25 bis 30 Mill. Euro.

Noch im Frühjahr hatte Ignaz Walter gesagt, eine Fusion mit Dywidag stehe nicht zu Debatte. Auch Dywidag-Chef Hans-Joachim Wolff erklärte im Juli, ein Zusammenschluss mit Walter stehe "aus unserer Sicht nicht an". Nun teilte Walter-Bau mit, beide Unternehmen passten sehr gut zusammen und ergänzten sich voll. Der zweitgrößte deutsche Baukonzern, zu dessen Dachgesellschaft Walter Holding AG auch die Stuttgarter Ed. Züblin AG gehört, hatte in der Gruppe bereits die Anpassung der Strukturen aller Töchter betrieben. Das internationale Geschäft der Gruppe ist in der Walter International (WGI) gebündelt.

Walter Bau erwartet von der Fusion die Hebung beträchtlicher Rationalisierungsreserven. Dies werde die Position des Konzerns noch stärken. Das operative Geschäft soll in zehn selbstständig operierende Kernbereiche gegliedert werden.

Ignaz Walter betonte in einer Stellungnahme, die Fusion sei keine "Modeaktion", sondern eine rein rationale Entscheidung, die Mitarbeitern und Aktionären zu Gute komme. Der Walter Bau - Aufsichtsrat soll am Donnerstag der nächsten Woche (14. Dezember) über den Zusammenschluss beraten, die endgültige Zustimmung müsse die Hauptversammlungen im Frühjahr 2001 erteilen. Vor fast genau einem Jahr hatte Walter Bau bereits die Fusion mit der Heilit + Woerner AG beschlossen, die ebenfalls rückwirkend zum 1. Januar wirksam wurde. Gegen das nach Ansicht von Aktionären zu geringe Abfindungsangebot für die Aktien von Heilit + Woerner läuft derzeit noch ein Spruchstellenverfahren beim Landgericht München I.

Nach einer rückläufigen Konzernleistung in den ersten zehn Monaten erwartet Dywidag für das laufende Jahr einen Verlust von 25 Mill. bis 30 Mill. Euro im gewöhnlichen Geschäft. Die negative Entwicklung in der deutschen Baubranche habe sich noch beschleunigt. Die Konzernleistung sei bis Oktober um 4,5 % auf 1,6 Mrd. Euro zurückgegangen, allein im Inland habe sich die Leistung um zehn Prozent reduziert. Weltweit seien mit 1,5 Mrd. Euro etwas weniger Aufträge eingegangen als ein Jahr zuvor, im Inland waren es fast 15% weniger.

Auch die Walter Bau-AG kämpft nach früheren Angaben mit Ertragsproblemen. Ein ausgeglichenes Ergebnis könne in diesem Jahr nur gelingen, wenn die Nachtragsverhandlungen mit großen Auftraggebern bis zum Jahresende eingetrieben werden könnten. Heilit + Woerner hatte das letzte Jahr in Selbstständigkeit ebenfalls mit einem Verlust abgeschlossen.

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