Schwache Baukonjunktur bremst Sanierungserfolg
Holzmann steuert in Deutschland auf rote Zahlen zu

Die schwache Baukonjunktur macht Holzmann schwer zu schaffen. Firmenchef Konrad Hinrichs strebt für den Gesamtkonzern aber immer noch ein leicht positives Ergebnis an. Die Gespräche über eine Verlängerung von Kreditlinien gelten auch nach Einschätzung von Banken daher als nicht gefährdet.

HB FRANKFURT. Die Rückkehr in die Gewinnzone bereitet der Philipp größere Mühe als erwartet. Grund dafür ist der Einbruch der inländischen Baunachfrage, die bis Ende August um über 8 %schrumpfte. Davon sei auch Holzmann im klassischen Baugeschäft voll betroffen, sagte Vorstandsvorsitzender Konrad Hinrichs dem Handelsblatt. Die geplante Leistung von 3,5 Mrd. DM werde man hier verfehlen. Damit kündigen sich für die Sparte nochmals operative Verluste an. "Ein ausgeglichenes Ergebnis im Inland wäre das höchste der Gefühle", sagte Hinrichs.

Zum Baugeschäft zählt er die Aktivitäten der Holzmann-Niederlassungen und die Münchener Tochter Imbau. Die übrigen Beteiligungen im Inland entwickelten sich planmäßig. Das Auslandsgeschäft laufe sogar besser als geplant. Er rechnet mit einer Leistung des Konzerns von 13 Mrd. DM, davon rund 7 Mrd. DM im Ausland. Hinrichs ist daher weiter zuversichtlich, dass der Gesamtkonzern für 2000 noch ein bescheiden positives Ergebnis ausweisen kann. "Aber es wird davon abhängen, wie die letzten vier Monate laufen, insbesondere im Inland."

Knapp einer Insolvenz entgangen

Holzmann war nach hohen Verlusten Ende des vergangenen Jahres nur knapp einer Insolvenz entgangen. Die Gläubigerbanken, die den Konzern damals mit umfangreichen Eigenkapitalhilfen und neuen Krediten stützten, beobachten die aktuelle Entwicklung nun offenbar aufmerksam, aber noch nicht besorgt. Die schwache Entwicklung im Inland kommt für die Institute nicht mehr überraschend, nachdem mehrere große Baukonzerne bereits starke Gewinnrückgänge ankündigten. Man gehe davon aus, dass Hinrichs bei der nächsten Gesprächsrunde, die Dienstag stattfindet, über die Konjunkturflaute hinaus keine negativen Überraschungen präsentieren werde, heißt es aus dem Kreis der Banken. Gespräche über die Verlängerung bestehender Kreditlinien von 500 Mill. DM kommen nach Aussage beider Seiten gut voran. Sie wurden notwendig, weil ein zunächst vorgesehener "Asset- Deal" an unterschiedlichen Wertvorstellungen scheiterte. Holzmann wollte dabei Immobilien im Wert von 850 Mill. DM an die kreditgebenden Banken abgeben und gegen Schulden verrechnen. Stattdessen verständigte sich der Konzern mit den Banken darauf, die Immobilien überwiegend selbst zu verwerten. Für drei größere Objekte im Volumen von 450 Mill. DM befinde man sich bereits in den Endverhandlungen mit Interessenten, sagte Hinrichs.

5 900 Mitarbeiter werden entlassen

Die Neuordnung der Bauaktivitäten komme wie geplant voran. Im klassischen Baugeschäft habe man die Kapazitäten um 40 % reduziert. Die Kosten seien bisher um 520 Mill. DM gesenkt worden. Bis Jahresende wolle man etwa 580 Mill. DM erreichen, sagte Hinrichs. Holzmann wird dann 5 900 Mitarbeiter weniger beschäftigen als zu Jahresbeginn. Weitere Einschnitte seien nicht vorgesehen. Sie könnten aber notwendig werden, wie Hinrichs einräumte, wenn die Baunachfrage weiter stark schrumpft.

Der Holzmann-Chef erinnerte zudem daran, dass die Rettungsaktion der Banken den Konzern "keineswegs bequem gebettet" hat. Das bestätigt ein Blick auf die längere Entwicklung zwischen 1993 und 1999. In dieser Phase hat Holzmann Verluste von zusammen 6,5 Mrd. DM eingefahren. Die Kapitalmaßnahmen zu Jahresbeginn und eine bereits 1997 durchgeführte Kapitalerhöhung haben nur gut ein Drittel der Fehlbeträge kompensiert. Den Rest musste der Konzern aus offenen und stillen Reserven ausgleichen. Ähnliches gilt für die Liquidität: Die Verschuldung von Holzmann wurde durch das Sanierungspaket per saldo lediglich um etwa 1 Mrd. DM verringert. Ein weiterer Abbau verzögerte sich unter anderem, weil der Asset-Deal abgewandelt wurde. Der Zinsaufwand wird daher dieses Jahr höher ausfallen als geplant. Um mehr Geld im Konzern zu halten, führt Hinrichs jetzt ein strenges Liquiditätsmanagement für die einzelnen Bauprojekte ein.

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