Schwache Börsen
SAP und T-Aktie ziehen den Dax auf Zweijahres-Tief

Das Ende der Haltefrist für die T-Aktie und Gerüchte über eine Gewinnwarnung bei SAP belasten die Börsen. Analysten sorgen sich um die Firmengewinne und erwarten weitere Kursrückgänge.

jkn/som FRANKFURT/DÜSSELDORF. Deutliche Kursverluste bei den Schwergewichten im Deutschen Aktienindex (Dax) haben die Börse auf Talfahrt geschickt. Der Dax fiel bis auf 5 062 Punkte, den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Der Nemax 50 mit den größten Werten des Neuen Marktes stürzte auf ein Rekordtief.

Kurzfristig drohten weitere Kursrückgänge, meinten die meisten Händler, Analysten und Fondsmanager in einer Handelsblatt-Umfrage. Grund dafür seien die nach wie vor zu optimistischen Prognosen für die Firmengewinne im kommenden Jahr. Nach den bisherigen Vorhersagen werden die Gewinne - bezogen auf die führenden Börsen-Indizes Dow Jones, S & P 500, Euro Stoxx und Dax - im Jahr 2002 zwischen 15 und 30 % zulegen. "Für 2002 sehe ich eine sehr große Diskrepanz. Wenn die Wirtschaft nicht in die Nähe von 3 % Wachstum kommt, dann sind schon 8 % Wachstum bei den Firmen zu hoch gegriffen", meint Klaus Lüpertz von HSBC Trinkaus. Er rechnet mit einer deutlichen Ertragsrevision im Herbst. Diese würde vermutlich von einem Ausverkauf (Sell out) begleitet, der die Börsen noch einmal um 10 % nach unten drücke.

Etwas zuversichtlicher ist Adig-Fondsmanager Thomas Gerber: "Die Ertragsprognosen mögen noch etwas zu optimistisch sein. Aber wir rechnen allenfalls mit ein paar Prozentpunkten weniger, denn die Wirtschaft wird sich erholen. Die Sell-out-Phase an den Börsen erleben wir bei einigen Dax-Unternehmen wie Bayer und Deutsche Telekom schon jetzt."

Im Blickpunkt der Anleger standen gestern die Aktien der Deutschen Telekom, die mit 16,06 Euro zeitweise auf den tiefsten Stand seit Januar 1998 fielen. Am Wochenende endete die Haltefrist für rund 200 Mill. T-Aktien, die ehemalige Aktionäre der übernommenen US-Mobilfunkfirma Voicestream besitzen. Zwar war an den Börsen keine größere Verkaufsorder zu beobachten. Die Aussicht, dass in den nächsten Wochen Verkäufe drohen, belastete jedoch den Kurs der T-Aktie.

Dax-Verlierer waren mit einem Minus von über 6 % die SAP-Aktien. Am Markt kursierten Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Gewinnwarnung des Software-Herstellers. Zudem gab es Spekulationen, nach denen SAP die Platzierung einer Wandelanleihe plane. Ein SAP-Sprecher wollte dazu keine Stellung nehmen.

Die Spekulationen über die Gewinnwarnung tauchen allerdings ungewöhnlich früh auf. In der Softwareindustrie sind die letzten Tage vor Quartalsende entscheidend für den Geschäftsverlauf, da die meisten Aufträge erst dann erteilt werden. Branchenkenner halten deshalb eine Gewinnwarnung in den kommenden Tagen für unwahrscheinlich. Auch das Gerücht über eine Wandelanleihe stieß auf Skepsis. Die Anleihe sei nur sinnvoll, falls SAP eine größere Akquisition plane. Dies ist aber nicht in Sicht.

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