Schwache Einzelhandelszahlen
Wall Street: US-Märkte eröffnen nach Zwei-Tages-Rally im Minus

Nach einer beeindruckenden Zwei-Tages-Rally scheint es, als gehe den US-Märkten auf der Zielgeraden die Puste aus.

NEW YORK. Der Dow Jones öffnet am Morgen im Minus mit fallender Tendenz, zur Stunde notiert das Börsenbarometer der dreißig US-Standardwerte mit einem Minus von 74 Punkten oder 0,8 Prozent bei 9336 Punkten. Der technologie-orientierte Nasdaq Index verliert in den ersten Handelsminuten etwa fünf Punkte oder 0,3 Prozent und notiert bei 1696 Punkten.

Mit Schuld an den morgendlichen Kursverlusten sind die Einzelhandelsergebnisse, die am Morgen kurz vor der Glocke bekannt gegeben wurden. Die Verkäufe im US-Einzelhandel sind im September um 2,4 Prozent gefallen. Das ist der stärkste Einbruch seit mindestens neun Jahren und bei weitem schlechter als die Erwartungen der Analysten. Die Konsensschätzung an der Wall Street hatte auf einen Rückgang um 0,8 Prozent gelautet, beziehungsweise 0,6 Prozent exklusive der Autobranche. Diese hat im Monat nach den Terror-Attacken auf World Trade Center und Pentagon neben dem Elektroniksektor am stärksten zu leiden, wie das Wirtschaftsministerium am Freitag vor Handelsbeginn bekannt gab. Die Titel von Ford, General Motors und Daimler-Chrysler verlieren am Morgen, und auch die Aktien des Einzelhandelssektor öffnen erwartungsgemäß im Minus.

Die Einzelhandelsergebnisse, mit anderen Worten: die Konsumenten-Ausgaben, machen zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaft aus. Marktbeobachter werten die enttäuschenden Daten daher als endgültigen Beweis für eine Rezession in der US-Wirtschaft.

Die Stimmung auf dem New Yorker Börsenparkett leidet am Morgen auch unter schlechten Nachrichten aus dem politischen und militärischen Umfeld. Zum einen mahnen Analysten, dass man es auch nach zwei Tagen Rally am Mittwoch und Donnerstag nicht gleich mit einer genesenen Wirtschaft zu tun habe, sondern die USA nach wie vor ein Land im Kriegszustand seien. Zum anderen hat die Bundespolizei FBI am Donnerstagabend vor terroristischen Angriffen im Laufe des Wochenendes gewarnt.

Von Unternehmensseite gibt es hingegen positive Nachrichten. Juniper Networks, eines der größten Unternehmen des Sektors, hat im dritten Quartal alle Erwartungen mit Leichtigkeit geschlagen. Waren Analysten von einem Gewinn in Höhe von sieben Cents je Aktie ausgegangen, konnte das Unternehmen ein Plus von zehn Cents je Anteil melden. Am Morgen ist Juniper die meistgehandelte Aktie. Der Titel legt in den ersten Handelsminuten 21 Prozent zu und zieht den gesamten Netzwerksektor nach oben ziehen.

Von einem "Juniper-Effekt" profitieren könnten im Laufe des Tages auch die übrigen Technologie-Titel, zumal diese in den letzten beiden Tagen gute Gewinne einfahren konnten. Von den Big Caps notiert am Morgen allerdings lediglich Juniper-Konkurrent Cisco im grünen Bereich. Das Papier gewinnt ein gutes Prozent, während die Aktien von Intel, Microsoft, Sun Microsystems und Oracle mit Verlusten in den Handel gehen.

Unter Druck dürfte zum Wochenausklang der Kreditkarten-Sektor geraten. Die Deutsche Bank Alex Brown wertet die Aktien von AmeriCredit, Capital One und Providian ab. Die Analysten glauben, dass die Unternehmen ihre Quartalserwartungen nicht erfüllen können. Zur Wochenmitte hatte der Sektor gewonnen, nachdem ein US-Bundesgericht die Branchenführer MasterCard und Visa angewiesen hatte, ihre Vertragsbanken von wettbewerbseinschränkenden Verpflichtungen zu entbinden und den Markt für Karten weiterer Anbieter zu öffnen.

Weitere Kurskorrekturen sind es, die den Biotech-Sektor und die Hersteller von Sicherheits-Systemen drücken. Die beiden Branchen gehören seit den Terror-Attacken des 11. Septemberzu den größten Gewinnern an der Wall Street. Manche Unternehmen konnten ihren Börsenwert um bis zu 600 Prozent steigern. Trotz unveränderter politischer Lage ziehen sich zum Wochenende zahlreiche Investoren aus diesen Bereichen zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%