Schwache Ertragslage auf traditionellem Spielemarkt
Die Ravensburger AG setzt auf Computerspiele und TV-Kultfiguren

"Die Teletubbies sind über uns hinweggerollt"

adx STUTTGART. Die Deutschen sind offensichtlich nach wie vor Weltmeister im Spielen. Im internationalen Vergleich ist die Bundesrepublik der beste Markt für Gesellschaftsspiele aller Art, sind sich zumindest Branchenkenner sicher. Doch die Zeiten, in denen sich die Familie nach dem Essen zu einer Partie "Monopoly" um den Wohnzimmertisch gesellt oder "Mensch ärgere Dich nicht" aus der Spielkiste kramt, sind vorbei.

Multimedia hat in der Spielwelt der Deutschen längst Einzug gehalten. Das bekommt auch der deutsche Branchenriese für Spiele und Puzzles, die Ravensburger AG, zu spüren. Die Ertragslage auf dem traditionellen Spielemarkt ist schwach - stattdessen machen Produkte über TV-Kultfiguren sowie Computerspiele das Rennen.

Zwar konnte der Spieleverlag mit dem blauen Dreieck 1999 trotz der allgemeinen Flaute dank dem Spiel des Jahres "Tikal" in seinem Kernbereich positive Zahlen verbuchen. Das größte Plus erwirtschaftete das Traditionsunternehmen jedoch mit PC-Spielen, "Teletubbies"-Produkten und anderen Neuheiten.

Die neuen Geschäftsfelder sollen nun noch stärker in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie gerückt werden, kündigt Vorstandsmitglied Detlev Lux an. Die größten Erwartungen für die Zukunft stellt das Management an die Bereiche "Ravensburger Interactive" und das TV-Geschäft der börsennotierten RTV Family Entertainment AG, an der das Spieleunternehmen mehrheitlich beteiligt ist.

Vermarktung von Teletubbies und Moorhühnern ausgebauen

So sollen unter einem neuen Label im Herbst Computerspiele für "15- bis 25-jährige männliche Vielspieler" die Produktpalette erweitern. "Action" anstelle bisheriger Familienorientierung heißt dann die neue Devise. Auch die medienübergreifende Vermarktung von "Teletubbies" und "Moorhuhn" wollen die Ravensburger Spielehersteller ausbauen.

Lux zufolge haben die Kultfiguren das Potenzial für sechs- und siebenstellige Absatzzahlen. Seit 1999 vermarktet das Unternehmen die beliebten Charaktere in allen Varianten - von der CD-ROM und dem Gameboy über Video- und Hörspielkassetten bis zu Puzzles, Büchern und Plüschtieren.

Die neue Strategie zeigt erste Erfolge. Die "Moorhuhnjagd" ist laut Lux seit Wochen führend in den CD-ROM-Charts. Von den "Teletubbies" ganz zu schweigen: "Die sind über uns hinweggerollt", umschreibt der Manager den Erfolg. 2000 soll nun das "Fix & Foxi"-Jahr werden: Kindersoftware, Malbücher, Puzzles und Spiele zu der TV-Serie wurden jüngst auf den Markt gebracht. "Wir sind damit hervorragend gestartet", betont Lux.

Dennoch will die Ravensburger AG auch weiterhin am traditionellen Brettspiel festhalten. Der Spieleverlag als größte Einheit der Unternehmensgruppe müsse zum angestrebten Wachstum seinen Beitrag leisten, meint Lux. Jetzt fiebert die Chefetage erst einmal der kommenden Woche entgegen.

Dann steht die Wahl zum Spiel des Jahres 2000 auf dem Plan. Die Ravensburger AG hofft auf einen Sieg mit "Torres" - ein Strategiespiel vor mittelalterlichem Hintergrund. Ritterfiguren und Burgen sind also noch nicht aus der Spielkiste des 21. Jahrhunderts verschwunden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%