Schwache Investitionstätigkeit
Deutsche Produktion sinkt überraschend deutlich

Die deutsche Produktion ist im April unerwartet stark gesunken. Dabei nannten Volkswirte mit Blick auf die Konjunkturentwicklung vor allem den deutlichen Rückgang der Investitionsgüterproduktion bedenklich.

Reuters BERLIN. Von März auf April habe die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe saisonbereinigt um 1,0 Prozent abgenommen, teilte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWA) am Mittwoch in Berlin mit. Ausschlaggebend sei ein Rückgang der industriellen Erzeugung um 1,1 Prozent sowie eine Verringerung der Leistungen im Bauhauptgewerbe um 0,6 Prozent gewesen. Von Reuters befragte Analysten hatten angesichts zuletzt schwacher Frühindikatoren im Schnitt nur mit einem Rückgang der Produktion im Produzierenden Gewerbe um 0,3 Prozent gerechnet, nachdem der Sektor im März ein Produktionsminus von 0,1 Prozent verzeichnet hatte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Produktion nach Reuters-Berechnungen auf Basis von Bundesbank-Daten um rund 0,3 Prozent niedriger.

Innerhalb der Industrie schwächte sich nach BMWA-Angaben das Produktionsergebnis der Investitionsgüterproduzenten zum Vormonat um 2,8 Prozent ab. "Besonders ungünstig ist der Rückgang bei den Investitionsgütern, wenn man diese als Frühindikator für die Investitionsfreude der Unternehmen ansehen will", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. Auch Stefan Mütze von der Helaba sprach von einer schwachen Investitionstätigkeit, zum Beispiel im Maschinenbau, der erst später im Konjunkturzyklus anspringen dürfte. Mit Blick auf die Binnenkonjunktur sagte Weidensteiner, hier gebe es allenfalls einige Hoffnungszeichen, dass sich der private Konsum stabilisiert habe und es beim Bau kaum noch schlechter werden könne. "Im zweiten Halbjahr dürfte es eine zögerliche Besserung geben", zeigte sich Mütze zuversichtlich. Die negativen Auswirkungen der Lungenkrankheit Sars und des Irak-Krieges klängen ab.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex war zwar im Mai gestiegen, allerdings beruhte der Anstieg lediglich auf der etwas größeren Zuversicht der Unternehmen. Die gegenwärtige Lage hatten die Befragten sogar als verschlechtert bewertet. Auch die jüngsten Reuters-Einkaufmanagerindizes hatten mit einem erneuten Rückgang die Schwäche der Industrie belegt. Die deutsche Industrie hat zwar im April 1,4 Prozent mehr Neuaufträge als im März verbucht, viele Analysten sahen darin allerdings nur eine statistische Gegenbewegung zum kräftigen Einbruch im Vormonat. Bei der Produktion ergab sich im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich März/April zu Januar/Februar den BMWA-Angaben zufolge ein Rückgang der Erzeugung um 0,4 Prozent. In Westdeutschland produzierte der Sektor 1,1 Prozent weniger als im März, das ostdeutsche Produzierende Gewerbe stellte 0,7 Prozent weniger her. Die Erzeugung des deutschen Energiesektors sank um 0,4 Prozent zum März. Die Hersteller von Konsumgütern produzierten dagegen 1,2 Prozent mehr.

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