Schwache Konjunkturdaten und starker Euro stehen weiteren Kurssprüngen im Weg
Dem Dax droht eine Bärenmarkt-Rally

Der Dax lebt - nur wie lange noch? Wird es Deutschland wie Japan und dem Nikkei-Index ergehen? Diese bange Frage bestimmte noch vor knapp zwei Monaten die Haltung der nervösen Anleger. Und jetzt?

LONDON/DÜSSELDORF. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat seit seinem Tiefstand am 12. März in der Spitze fast 40 % zugelegt und sich unter den europäischen Börsenindizes als Spitzenreiter empfohlen. Doch die Perspektiven sind verhalten, weil die fundamentale Situation kaum Spielraum für weitere Kurssprünge lässt. Zu ungewiss sind die konjunkturellen Aussichten in Deutschland.

Einige Fondsmanager, die von Aktien deutscher Unternehmen die Finger gelassen hatten, nachdem der Dax seit März 2000 über 70 % verloren hatte, haben wieder zugekauft. Jeremy Podger von Investec Asset Management deckte sich in den vergangenen zwei Monaten mit deutschen Aktien ein, um von den zweifellos niedrigen Bewertungen zu profitieren. Er sieht die Entwicklung an den deutschen Börsen insgesamt weiter positiv.

Investoren, die den Profis jetzt nacheifern wollen, könnten aber in eine Falle laufen. Sicher, es gibt vereinzelt gute Nachrichten, beispielsweise die positiven Ergebnisse von Puma und Adidas-Salomon. Aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass Deutschland immer noch der "kranke Mann in Europa" ist. Fraglich ist, wie die deutschen Firmen auf breiter Front bessere Resultate vorlegen wollen, wenn eine Erholung im zweiten Halbjahr ausbleibt. Und die ist nach den jüngsten Konjunkturdaten nicht zu erkennen.

Anleger kennen die Probleme: die schwache Nachfrage der Verbraucher, das starre Arbeitsmarkt- Korsett, das einen Kostenabbau schwer macht, und die nachlassende Fähigkeit zum Durchsetzen höherer Preise, die zur Deflation führen könnte.

Neu ist die Stärke des Euros. Und die könnte dem Markt schnell weiteren Wind aus den frisch gehissten Segeln nehmen. Über 35 % legte der Euro seit Anfang 2002 zu. Deutschland wird es schwer haben, sich an eine weltweite Erholung und vor allem an eine Verbesserung der US- Konjunktur anzuhängen. Zu teuer sind die Exporte geworden. "Je stärker der Euro an Wert gewinnt, desto geringer sind die Erwartungen, dass die deutschen Exporte das Wachstum ankurbeln werden," sagt Clive McDonnell von Standard & Poor's in London. Gewinnschätzungen, die - nach Abschreibungen - bei vielen Unternehmen einen Zuwachs von 25 % für 2003 in Aussicht stellen, sind deshalb zu optimistisch.

Ein weiteres Warnsignal kommt vom V-Dax. Dieser Index, der die erwartete Schwankungsbreite des deutschen Aktienmarktes misst, bewegt sich im Vergleich zu den letzten 18 Monaten mit Werten knapp über 30 % auf niedrigem Niveau. "Die meisten Volatilitätsindikatoren zeigen ziemlich genau die Wendepunkte in einem Markt an", erklärt McDonnell. Flauen die Kursausschläge ab, steht eine Wende bevor, besonders dann, wenn die Kurse vorher stark gestiegen sind.

Fondsmanager können ihre Positionen mit Put-Optionen auf Aktien vor möglichen Kursverlusten absichern. Das heißt, sie haben das Recht, eine Aktie zu einem vorher festgesetzten Preis zu verkaufen, um damit Gewinne einzufahren. Broker, die eine solche Absicherung anbieten, schützen sich aber gegen mögliche Verluste, indem sie das der Option zu Grunde liegende Papier verkaufen. Das führt zu zusätzlichem Verkaufsdruck am Markt. Die Folge: Die Börsen fallen rasant.

Die jüngste Aufwärtsbewegung könnte demnach nur eine Erholungsphase in einem Bärenmarkt sein. Wer dennoch an den deutschen Aktienmarkt glaubt, sollte trotz des starken Euros auf Unternehmen mit einer internationalen Ausrichtung setzen - und nicht auf Firmen, die allzu sehr von der schlechten wirtschaftlichen Lage in Deutschland betroffen sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%