Schwache Margen zwingen zur Kapazitätsbereinigung
Kunststoff-Produzenten stehen unter Druck

Ein starker Verfall der Margen macht der europäischen Kunststoff-Industrie schwer zu schaffen. Obwohl die Rohstoffkosten jüngst wieder rückläufig sind, ist eine Trendwende frühestens für das kommende Jahr in Sicht. Weitere Strukturmaßnahmen scheinen daher kaum vermeidbar.

shf FRANKFURT/M. Hohe Rohstoffkosten und der Konjunktureinbruch in Nordamerika haben auch bei den europäischen Kunststofferzeugern tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Und eine Trendwende wird frühestens für Anfang 2002 erhofft. Im dritten Quartal erwarte man, wenn überhaupt, alleinfalls eine leichte Verbesserung der Margen, sagte gestern der Vorsitzende des Verbands Kunststofferzeugende Industrie (VKI) Gottfried Zaby.

Im ersten Halbjahr erlebte die Branche drastischen Einbruch der Renditen, wobei vor allem die Hersteller von Standard-Kunststoffen arg unter die Räder kamen. Im Durchschnitt dürften sich die Gewinne der großen europäischen Produzenten mehr als halbiert haben.

Die vorsichtige Einschätzung des VKI-Vorsitzenden deckt sich mit dem Urteil von Analysten, die davon ausgehen, dass die Margen in dem Sektor auch im zweiten Halbjahr unter Druck stehen werden. Vor allem die Hersteller von Polyolefinen (Polyethylen, Polypropylen), schätzt Commerzbank-Analyst Michael Vara, dürften derzeit nur knapp an der Gewinnschwelle arbeiten. Zwar ist der Preis für Naphta, den Hauptrohstoff der Kunststofferzeuger, jüngst wieder deutlich gesunken. Doch angesichts schwacher Nachfrage in Verbindung mit neuen Kapazitäten dürfte das den Herstellern kaum zu Gute kommen, hieß es jüngst in einer Studie von Lehman Brothers.

Zaby, der im Hauptberuf dem Vorstand von Bayer angehört, rechnet als Folge dieser Situation mit weiteren Maßnahmen zur Umstrukturierung und dem Abbau von Kapazitäten. Eine Reihe von Herstellern, darunter auch BASF und Bayer, hatten in den vergangenen Monaten bereits größere Strukturprogramm angekündigt. DSM und die italienische Eni wollen sich von ihren Standard-Kunststoff-Aktivitäten trennen. Allerdings rechnen Analysten damit, dass die Konsolidierung in der gegenwärtigen Marktverfassung nur zögerlich vorankommen wird. Zudem haben etliche Chemieriesen die vorangegangene Fusionswelle noch nicht vollständig verarbeitet. BASF und Shell etwa bündelten im vergangenen Jahr ihr Geschäft mit den Massenkunststoffen Polypropylen und Polyethylen in dem Joint Venture Basell, bei der die interne Bereinigung noch längst nicht abgeschlossen ist. Als Problem für die global tätigen Konzerne erweist sich vor allem der sehr rasante Umschwung der US-Konjunktur, auf den man mit der Investitionsplanung nicht schnell genug reagieren konnte. Erst im laufenden Jahr sind viele Hersteller mit ihren Ausbauplänen auf die Bremse getreten. "Antizyklisch zu investieren ist fast unmöglich, wenn die Zyklen so unberechenbar sind", meinte Zaby.

Gleichzeitig zeigt sich der VKI-Vorsitzende aber zuversichtlich, dass der Kunststoffverbrauch langfristig weiter stärker wachsen wird als das Volkseinkommen. Dafür spricht die immer größere Bedeutung des Werkstoffs in verschiedenen Anwendungsbereichen, so etwa in der Automobil-Industrie oder bei Verpackungen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%