Schwache Marktlage bestimmt die Bewertung von Automobilaktien
BMW ist Favorit der Analysten

Die Automobilhersteller leiden unter der Kaufunlust der Kunden - die Aktienkurse leiden mit. Insgesamt ist die Stimmung für Automobilwerte eher schlecht. Doch eine Flut neuer Modelle soll Schwung in den Markt und Bewegung in die Kurse bringen. BMW gilt bei vielen Analysten momentan als der Favorit.

FRANKFURT. Der Irak-Krieg scheint vorbei, die angedrohte Erhöhung der Dienstwagensteuer in Deutschland ist vom Tisch, und es ist Autokaufzeit: Dennoch wollen sich die Orderbücher der Autohändler einfach nicht füllen. Die Autokonjunktur lahmt. Und das nicht nur hier zu Lande. Für die wichtigen Absatzmärkte Europa und Nordamerika sagen fast alle Prognoseinstitute Absatzrückgänge in diesem Jahr voraus. In den USA drücken die drei großen Hersteller Ford, General Motors und Chrysler ihre Neuwagen mit Preisnachlässen von bis zu 3 000 Dollar je Wagen in den Markt, und auch in Europa können viele Hersteller Kunden nur mit Vergünstigungen locken. Das drückt auf die Margen.

Die Unsicherheit in der Marktentwicklung, verstärkt durch Währungsrisiken, spiegelt sich in der Bewertung: Die meisten Banken empfehlen, den Bereich beim Aktienkauf eher unterzugewichten, auch wenn die Charttechnik Anlass zu vorsichtigem Optimismus gibt (s. unten). In den vergangenen Wochen sind fast alle Werte dem Dax-Trend gefolgt. Nur die Volkswagen-Aktie hat sich davon abgekoppelt. Grund war ein schwaches erstes Quartal und die Gewinnwarnung für das gesamte Jahr.

Innerhalb der Branche gibt es dennoch eine klare Abstufung. Die besten Noten bekommen BMW und Porsche. Porsche gilt auf Grund einer anhaltend hohen Rentabilität bereits als Stammgast auf der Favoritenliste - auch wenn das Unternehmen immer wieder dafür gerügt wird, keine Quartalsberichte zu veröffentlichen. Dass die Überbewertung der Aktie zuletzt korrigiert wurde, kann Neueinsteigern nur recht sein. Porsche unterliegt durch seinen hohen Geschäftsanteil in den USA zwar einem hohen Marktrisiko, doch das Unternehmen ist auf der Währungsseite gut abgesichert. Der große Erfolg des neuen Geländesportwagens Cayenne ist für Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim ein weiterer Grund, das Papier positiv zu bewerten.

Ein Kauf ist für Juchemich auch die BMW-Aktie. Die Offensive der Münchner mit neuen Modellen wie etwa dem 5er und dem kleinen Geländewagen X 3 sei im Kurs nicht berücksichtigt, glaubt er. Zustimmung erhält er von den Experten von Merck Finck & Co., die BMW bis Ende 2005 die attraktivste Modellpalette der Branche bescheinigen. Henrik Lier von der WestLB fasst das seine Einschätzung so zusammen: "2003 ein sicherer Hafen, 2004 beste Chancen."

Ein gutes Jahr wird auch dem Volkswagen-Konzern prophezeiht - allerdings erst 2004. Nach dem drastischen Gewinneinbruch im ersten Quartal 2003 dürften die Wolfsburger das Tal zwar durchschritten haben, doch noch gibt es nach Meinung der Experten viele Fragezeichen. So betrug allein der währungsbedingte Rückgang des Ergebnisses von Januar bis März 400 Mill. Euro. Die Analysten der Helaba belassen die Bewertung daher - wie die meisten Banken - vorerst auf neutral. Die Modellerneuerung mit dem Schwerpunkt auf dem neuen Golf, der im Herbst kommt, sollte den Kurs mittelfristig aber beleben.

Kritischer sind die Bewertungen der Daimler-Chrysler-Aktie in den vergangenen Monaten geworden. Hauptgrund hier: die durch Chrysler hohe Abhängigkeit vom schwachen US-Geschäft. Langfristig wird dem Konzern zwar eine gute Strategie bescheinigt, kurzfristig könnte das Papier aber durch Stimmungstreiber unter Druck geraten, glaubt unter anderen Juchemich. Zu noch größerer Zurückhaltung raten viele Experten bei den Papieren der weltgrößten Automobilhersteller: General Motors und Ford. Sie leiden beide unter der US-Rabattschlacht und stecken bei ihren Europarechten noch mitten in der Restrukturierung.

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