Schwache Trainingsergebnisse
Kein "Zicken-Duell" bei Silke gegen Sylke

Kein "Zicken-Duell", lediglich ein paar kleine Heimlichkeiten: Die Rodlerinnen Silke Kraushaar (Oberhof) und Sylke Otto (Oberwiesenthal) kämpfen in aller Freundschaft um die sicherste deutsche Goldmedaille bei den Winterspielen in Salt Lake City. Nur beim Material lassen sich die beiden Top-Favoritinnen vor den vier Läufen in Park City am Mittwoch (0 Uhr MEZ) nicht in die Karten schauen.

sid/dpa PARK CITY. "Gegen einen erneuten Olympiasieg würde ich keinen Widerspruch einlegen", sagt die Thüringerin Kraushaar etwas vorsichtig. Auch Weltmeisterin Otto hält sich mit einer Kampfansage zurück: "Ich will eine Medaille, die Farbe ist eigentlich egal." Beide haben großen Anteil daran, dass die deutschen Rodlerinnen in allen 55 internationalen Rennen seit Dezember 1997 ungeschlagen sind.

Es ist kaum vorstellbar, dass diese Serie ausgerechnet in Salt Lake City reißt. Aber: Die deutschen Rodlerinnen geben der Konkurrenz in diesen Tagen Rätsel auf. Seit Jahren schon mussten sie nicht mehr solche Platzierungen hinnehmen wie im Training für den am Dienstag beginnenden Wettbewerb auf der Kunsteisbahn in Park City. Ränge zwischen sechs und neun für die beiden seit 36 Monaten nahezu konkurrenzlosen Rodlerinnen verblüffen die Besucher im Olympic Park. Ist ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt die seit November 1997 haltende Siegesserie in Gefahr, in deren Verlauf die Schützlinge von Bundestrainer Thomas Schwab 55 internationale Wettbewerbe in Folge gewannen?

Barbara Niedernhuber lauert auf ihre Chance

Die "lachende Dritte" könnte Barbara Niedernhuber (Königssee) sein, die im Training zu Bestzeiten raste. Die Olympia-Zweite von Nagano - vor vier Jahren um zwei tausendstel Sekunden oder 4,2 Zentimeter am Olympiasieg vorbei gerutscht - fuhr mit der Amerikanerin Becky Wilczak beständig gute Zeiten und platzierte sich immer unter den besten Zwei. "Ich fühle mich gut, der Schlitten läuft. Ich denke, ich kann angreifen", sagte die Bayerin, die von Georg Hackl logistisch unterstützt wird.

Der Berchtesgadener baute ihr im Spätherbst einen neuen Schlitten, nachdem sie bei internen Ausscheidungen und im Weltcup zunächst nicht wie erwartet in Fahrt kam. In Salt Lake City hat sie zudem noch zwei paar Schienen aus dem Fundus des deutschen Vorzeigerodlers dabei, die auf dem extrem glatten Eis besonders gut rutschen.

Favoritinnen decken ihre Karten noch nicht auf

Und die beiden anderen? Panik scheint fehl am Platz. "Wenn ich im Wettkampf so fehlerfrei herunter fahre wie am zweiten Trainingstag, wäre ich froh", sagte Weltmeisterin Sylke Otto, die sich wie Olympiasiegerin Silke Kraushaar besonders die Schlüsselstellen der Bahn erarbeitete. "Es kommt darauf an, die richtige Fahrlage und Fahrspur zu finden. Einige Kurven sind durch die tolle Arbeit der Bahnarbeiter im Vergleich zur Trainingswoche im November verändert. Da muss man aufpassen", fügte Ottos Dauerrivalin hinzu. Die Stars versteckten zudem ihr bestes Material und büßten deshalb Zeit ein. Kraushaar: "Der Schlitten wird im Wettkampf garantiert anders aussehen."

In puncto Sportgerät sind die Favoritinnen Kraushaar und Otto einig. "Da macht jede ihre Sache für sich", so Kraushaar. Otto: "Der Schlitten ist mein Baby, das gehört nur mir und meinem Mechaniker." Nicht einfach, denn bei den Weltcup-Reisen teilen sie sich ein Zimmer. Kraushaar: "Da wird aber nicht über Sport gesprochen. Da geht es um Freund, Haus und Hund." Außerdem werden gemeinsam Kreuzworträtsel gelöst.

Der Trainer tippt auf Gold

Um bei den Winterspielen alle Gereiztheiten zu verhindern, bat Kraushaar rechtzeitig vor dem Saisonhöhepunkt um ein Einzelzimmer. Im Weltcup lautet die Saisonbilanz 4:2 Siege für Kraushaar. Otto schnappte sich allerdings noch den EM-Titel in Altenberg - da übernachteten beide erstmals in getrennten Hotelzimmern.

"Es müsste schon viel passieren, dass in Park City etwas schief geht", sagt Norbert Hahn aus dem deutschen Trainer-Team und tippt auf Gold. Der Olympiasieger im Doppelsitzer von 1976 und 1980 für die DDR kennt aber die besonderen Unwägbarkeiten: "Ein Windstoß oder die Nerven können eine Rolle spielen."

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