Schwache US-Konjunktur dämpft Prognosen
Wachstumsprognosen bringen Regierung unter Druck

Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsinstitute, die ihr Frühjahrsgutachten an diesem Dienstag offiziell vorstellen, rechnen nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" für 2001 mit einem Wachstum von nur noch 2,1 %

dpa BERLIN. Damit gerät die Bundesregierung zunehmend unter Druck, ihre Wachstumsvorhersage von mindestens 2,6 % für dieses Jahr zu senken. Auch im kommenden Jahr erwarten sie nur 2,2 % Wachstum. Der Internationale Währungsfonds rechnet derzeit nach dieser Darstellung nur noch mit einem Wachstum von 1,8 %.

Auch der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) erwartet für das laufenden Jahr ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von nur noch 2,1 %. Es könne sogar auf 1,9 % sinken, wenn die Politik nicht weitere wirtschaftsfördernde Maßnahmen in Gang setze, sagte Präsident Anton Börner am Montag in Berlin. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller sagte am Sonntagabend in der ARD, auch wenn die Marke in diesem Jahr bei 2 % liege, seien die Zahlen immer noch besser als in den 90er Jahren. Die Regierung hält bisher an ihrer Wachstumsprognose von 2,6 bis 2,9 % fest.

Der Berliner Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt nennt das Wachstum in Deutschland für "nicht zufrieden stellend". Im "Info-Radio Berlin- Brandenburg" machte er die schwache Binnennachfrage und die Abkühlung der US-Konjunktur dafür verantwortlich. Kromphardt sprach sich für eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank noch in diesem Quartal aus.

Der BGA sieht in der Entwicklung in den USA einen wesentlichen Unsicherheitsfaktor. "Wir gehen davon aus, dass die schwächere amerikanische Konjunktur den deutschen Exporten einen Dämpfer versetzt", sagte BGA-Chef Börner. Eine schwerwiegende Rezession sieht er aber auf die USA nicht zukommen. Wenn die notwendigen Zins- und Steuersenkungen eingeleitet würden, könne die US-Wirtschaft schon zum Jahresende wieder auf einen "moderaten Wachstumskurs" zurückkehren.

Der private Konsum kann nach Einschätzung der Bayerischen Landesbank in diesem Jahr das Wirtschaftswachstum stabilisieren. Trotz der derzeitigen Konjunkturskepsis gehe man weiterhin davon aus, dass der private Verbrauch 2001 um etwa 2,5 % wachsen werde, teilte die Landesbank in München mit.

Schröder soll Knjunkturprobleme nicht verdrängen

Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Rainer Brüderle, warnte: "Deutschland darf nicht in den Abwärtsstrudel der drohenden weltweiten Rezession gezogen werden." Alle Experten hätten ihre Wachstumszahlen "deutlich nach unten korrigiert". Selbst Finanzminister Hans Eichel rücke von Bundeskanzler Gerhard Schröder ab, wenn er Konjunktur bedingte Steuerausfälle und Haushaltslöcher nicht mehr ausschließe. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Gunnar Uldall, forderte Schröder auf, nicht durch "Gesundbeterei die verschlechterte Konjunkturlage zu verdrängen, sondern eine Infrastrukturoffensive einzuleiten".

Wirtschaftsminister Müller warnte, "es hat keinen Zweck, an der Spitze des Pessimismus zu stehen". Auch der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, sieht "keinen Anlass, Schwarz zu sehen". Die Konjunktur in der Bundesrepublik bewege sich noch immer in einem guten Bereich. Entscheidend sei, dass die Bundesregierung Mut zur Liberalisierung der Wirtschaft habe, sagte er in der ARD.

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