Schwache US-Konjunkturdaten
Dax schließt deutlich im Plus

Schlechte Zahlen, bessere Kurse. Von diesem etwas merkwürdigen Mechanismus profitierten am Donnerstag die Aktionäre der Deutschen Bank. Auch im Technologiesektor gab es deutliche Kurssteigerungen.

vwd FRANKFURT. Massive Short-Eindeckungen haben die deutschen Aktien trotz negativer US-Konjunkturdaten am Donnerstag weiter beflügelt. Der DAX gewann 1,3 Prozent bzw 39 auf 3.153 Punkte.

"Viele Investoren mussten ihre Short-Positionen eindecken", berichteten Händler. Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt und daher geliehene Aktien leer verkauft hatten, kauften diese am Donnerstag zurück. Davon profitierten vor allem ausgewählte Technologie-, Finanz- und Automobilwerte. Zudem beendeten viele Investmentfonds am letzten Oktobertag ihr Geschäftsjahr. "Diese Akteure kaufen die Märkte seit Tagen nach oben", sagten Marktteilnehmer.

Konjunkturdaten aus den USA überzeugen nicht

Am Mittag wurde das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal 2002 in den USA veröffentlicht. Dieses fiel mit 3,1 Prozent nur ganz leicht unter den Erwartungen von 3,6 Prozent aus. Am Nachmittag belastete der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago nur kurzzeitig die Märkte. Dieser Index fiel im Oktober auf 45,9 Punkte. Volkswirte hatten hier mit einem Indexstand von rund 49 Stellen gerechnet. Händler berichteten, dass die Investoren trotz dieser negativen Daten weiter positiv für die Entwicklung an den Börsen gestimmt sind.

"Wenn die Stimmung gut ist, können auch noch so schlechte Nachrichten nicht belasten", sagte ein Aktienhändler. So wie die Märkte noch vor wenigen Monaten auf gute Zahlen nicht reagiert hätten, würden jetzt negative Daten einfach ignoriert. Aber auch das Ende des Geschäftsjahres bei vielen Investmentfonds hätte dazu geführt, dass diese Akteure ungeachtet schlechter Konjunkturdaten schon seit einigen Tagen den Markt nach oben kauften. "Die Fonds wollen einfach noch einen guten Abschluss in ihren Büchern stehen haben", sagte ein Londoner Händler.

Bankaktien liegen vorn

Im DAX führten Finanztitel und ausgewählte Technologiewerte die Liste der Gewinner an. Deutsche Bank gewannen 1,6 Prozent auf 44,10 Euro. "Man rechnet damit, dass alle schlechten Nachrichten in den Zahlen der Deutschen Bank schon enthalten sind - und jetzt wird nach vorn geblickt", sagte ein Beobachter. Die Deutsche Bank hatte am Morgen Quartalszahlen vorgelegt, die unter den Erwartungen des Marktes gelegen hatten. HypoVereinsbank legten um 3,9 Prozent auf 13,39 Euro zu, Commerzbank um 4,2 Prozent auf 7,23 Euro.

Short-Eindeckungen im Technologiesektor

Im Technologiesektor waren es vor allem Short-Eindeckungen, die die Kurse beflügelten. Die Aktien des Index-Schwergewichts Siemens gewannen 5,5 Prozent auf 47,79 Euro. Volkswagen verteuerten sich um 4,7 Prozent auf 38,07 Euro. Frankfurter Händler berichteten, dass den ganzen Tag über eine große schweizerische Bank als Käufer zu beobachten gewesen sei. MLP kletterten nach Verlusten im frühen Handel ins Plus und schlossen mit einem Kursgewinn von 6,3 Prozent auf 12,54 Euro. Auch hier seien vor allem Short-Eindeckungen für das Kursplus verantwortlich gewesen, hieß es im Handel. Am Mittag hatte das Unternehmen zudem gegenüber der Nachrichtenagentur vwd erklärt, dass das dritte Quartal profitabel verlaufen ist.

Metro bringt positive Impulse

Die Quartalszahlen von Metro beruhigten den Markt etwas. Noch vor kurzem habe man allgemein mit einem extrem schlechten Weihnachtsgeschäft gerechnet - so schlimm sehe es jetzt nicht mehr aus, sagten Marktteilnehmer. Metro verloren dennoch auf Grund von Gewinnmitnahmen nach der recht guten Performance der vergangenen Tage. "Ein klassischer Fall von 'sell on good news'", kommentierte ein Beobachter. Die Papiere reduzierten sich um 0,5 Prozent auf 23,66 Euro.

Die Anteilsscheine der Deutschen Post legten nach der Bestätigung des Ausblicks und der Bekanntgabe der Quartalszahlen um 6,7 Prozent auf 10,33 Euro zu. "Der Markt rechnet jetzt einem guten Weihnachtsgeschäft", sagte ein Händler. Vor allem das Vorsteuerergebnis der Post war über den Erwartungen des Marktes ausgefallen. Der Umsatz hatte die Prognosen der Analysten dagegen leicht verfehlt.

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