Schwache Weltkonjunktur bremst Ölverbrauch
Opec-Staaten wollen preisdrückende Angebotsüberschüsse begrenzen

Die Ölminister der "Organization of the Petroleum Exporting Countries (Opec)" wollen bei ihrem Treffen Mittwoch in Wien schon zum vierten Mal in diesem Jahr die Produktionsquote verringern.

Die bisherige Kürzung beläuft sich auf 3,5 Millionen Barrel pro Tag (b/d). Für die weitere Reduktion hat der saudische Ölminister Ali Naimi eine Größenordnung von 1,5 Millionen b/d vorgegeben. Bei strikter Quotendisziplin würden damit beinahe sieben Prozent der letztjährigen Weltölproduktion insgesamt ausfallen.

Die Rohölnotierungen sind in den letzten Wochen immer weicher geworden. Vor der saudischen Kürzungsäußerung lagen die Erdölpreise im Vergleich zum Spätsommer um 30 Prozent niedriger. Der von der Opec zu Grunde gelegte Korbpreis für sieben Referenzöle verfehlt seit über sieben Wochen den offiziellen Mindestpreis des Kartells von 22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Eigentlich hätte schon nach zwei Wochen der Kürzungsautomatismus der Opec wirksam werden müssen. Die Organisation befindet sich jedoch in einem Dilemma: Auf der einen Seite wächst die Furcht, dass es wie im Zuge der asiatischen Wirtschaftskrise 1998 zu einem Einbruch der Rohölnotierungen in Richtung der Zehndollarmarke kommt. Auf der anderen Seite besteht die Sorge, dass nicht alle Kartellmitglieder die Quotenabsprachen einhalten und außerdem kartellungebundene Anbieter in die Bresche springen könnten.

Die weltwirtschaftliche Talfahrt hat schon dafür gesorgt, dass die ursprünglich erwarteten Wachstumsraten des globalen Mineralölverbrauchs bei weitem verfehlt werden. Im nächsten Jahr könnte es sogar zu einer Stagnation der Weltölnachfrage kommen. Die Hochpreisphase der Jahre 1999 und 2000 hat gleichzeitig dazu geführt, dass stärker im Bereich kartellungebundener Kapazitäten investiert worden ist.

Schon in der Vergangenheit haben kartellungebundene Produzenten wie Mexiko oder Russland häufig Produktionsdrosselungen zugesagt; am Ende sind diese Absichtserklärungen aber nicht eingehalten worden. Solange die Rohölpreise noch oberhalb der 15-Dollar-Marke bleiben, dürften die Kartellmitglieder in ihrer Vorreiterrolle bei der Markträumung allein bleiben.

Hinzu kommt, dass die Opec-Gruppe erst einmal selbst ihre Hausaufgaben machen muss. Die schon zugesagten Produktionskürzungen sind in den vergangenen Monaten bei weitem nicht eingehalten worden. Im Übrigen gilt die Produktionsquote der Opec nur für zehn Kartellmitglieder; das elfte Kartellmitglied, Irak, ist von der Quotendindung freigestellt. Nicht zuletzt die starken Schwankungen der irakischen Produktion haben in diesem Jahr dazu beigetragen, dass die Erdölpreise nicht verstetigt werden konnten. Vorübergehende Ausfälle und kurzfristige Steigerungen der irakischen Produktion sorgten ständig für Ungleichgewichte. Wenn preisdrückende Angebotsüberschüsse in den nächsten Wochen verhindert werden sollen, müssen insbesondere Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate überdurchschnittliche Anpassungsopfer leisten. Denn von den übrigen größeren Opec-Anbietern Iran, Venezuela und Nigeria ist eine eher lasche Quotendisziplin auch künftig zu erwarten.

Eigentlich wäre die Opec gut beraten, wenn sie ihr angepeiltes Preisband von 22 bis 28 Dollar je Barrel aufgeben würde. Im Durchschnitt der 90er-Jahre pendelte der Rohölpreis im Bereich der 18-Dollar-Marke. Die internationalen Mineralölgesellschaften kalkulieren ihre Investitionen für die Exploration und Produktion von Öl und Gas mit Mindestpreisen von 13 bis 15 Dollar.

Je mehr die Ölnotierungen die 20-Dollar-Marke überschreiten, umso größer werden die Investitionen für den Aufschluss von Kapazitäten bei den kartellungebundenen Produzenten. Schon heute besteht ein drastisches Ungleichgewicht zu Lasten der Opec-Gruppe. Auf die Kartellmitglieder entfallen beinahe 80 Prozent der globalen Erdölreserven, während der Beitrag zur Weltölproduktion lediglich bei 40 Prozent liegt.

Die vierte Produktionsdrosselung der Opec im laufenden Jahr birgt erhebliche Risiken. Marktanteile könnten nicht nur kurzfristig, sondern mittelfristig verloren gehen. Bei einem strengeren Winter könnten darüber hinaus die Erdölpreise vorübergehend hochschnellen. Dies würde wiederum dazu führen, dass die schon lahme Weltkonjunktur noch weiter an Schwung verliert und im nächsten Jahr der Ölabsatz statt in eine Stagnationsphase sogar in die Minuszone kommen wird.

Die Saudis gehen bei ihrem Vorschlag einer relativ hohen Kürzung wohl davon aus, dass die Produktionsabsprachen sowieso nicht voll eingehalten werden. Bei einer weiterhin laschen Quotendisziplin und ohne politische Lieferstörungen, die aber jederzeit drohen, kann die Welt mit den neuen Produktionszielen der Opec gut leben. Allerdings muss der Irak dann seine bisherigen Liefermengen aufrechterhalten.

Die Saudis fordern eine strikte Einhaltung der Produktionsziele.

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