Schwache Wirtschaft und die Einfallslosigkeit der Händler schwächen die Umsätze
Amerikanern vergeht die Lust am Shopping

Die Konsumflaute greift nun auch bei den einkaufsfreudigen Amerikaner um sich - mit direkten Auswirkungen auf den Einzelhandel: Anfang der Woche gaben gleich mehrere Einzelhändler einen düsteren Ausblick.

HB NEW YORK. Lange Zeit bewahrten die Verbraucher die US-Wirtschaft vor Schlimmerem. Während die Unternehmen ihre Investitionen gegen Null herunterschraubten, kauften die amerikanischen Endkunden weiter ein und hielten damit die Nachfrage oben.

Präsident George W. Bush erhob das Einkaufen wenige Tage nach dem 11. September sogar zur patriotischen Pflicht. Und so fiel die Rezession dank der ungebrochenen Shoppinglust nicht ganz so schlimm aus. Doch der Zusammenbruch der Aktienmärkte - die Hälfte der Amerikaner besitzt Aktien - , die vielen Entlassungen und die düsteren Aussichten für die Gesamtwirtschaft haben den Amerikanern nun doch den Spaß am Kaufen verdorben.

In dieser Woche warnten drei Einzelhändler, dass das Geschäft im September voraussichtlich schlechter ausgefallen ist als erwartet. Gegenüber dem September 2001 lagen die Wachstumsraten nur im niedrigen, einstelligen Prozentbereich. Ein schlechtes Ergebnis angesichts der Tatsache, dass im Vergleichsmonat im vergangenen Jahr die Terroranschläge vom 11. September die Einkäufe in den Tagen direkt danach zunächst gelähmt hatten. Aus Angst vor neuen Anschlägen waren die Einkäufer in den ersten Tagen und Wochen zunächst den Shopping- Zentren ferngeblieben.

Der Discount-Riese Wal-Mart mit Sitz in Bentonville im Bundesstaat Arkansas sagte, dass sowohl seine SB- Warenhäuser als auch die Cash&Carry- Märkte unter dem Namen Sam?s Club im September weniger umgesetzt haben als erwartet. Für das gesamte Jahr hält der Einzelhändler jedoch an seinen Prognosen fest. Die Kaufhaus-Gruppe Federated Department Stores, zu der auch die Traditionshäuser Macy?s und Bloomingdales gehören, korrigierte die Prognosen für den September zum zweiten Mal nach unten. Federated hat vor allem darunter gelitten, dass die Kunden sparsamer geworden sind und zu günstigeren Anbietern abwandern. Das Unternehmen mit Sitz in Cincinnati rechnet nur noch mit einem gleichbleibenden Ergebnis oder einem leichten Zuwachs von höchstens 2%.

Die Bekleidungskette J.C. Penney aus dem texanischen Plano rechnet sogar mit Umsatzrückgängen. "Die Auswirkung des wirtschaftlichen Abschwungs auf die Verbraucher hat lange hinterher gehinkt. Doch nun schlägt sie zu", sagt Frank Badillo von der Marktforschungsgruppe Retail Forward. Vor allem die Nachfrage nach Kleidung ist extrem zurückgegangen. Zum einen ist das Wetter im Großteil der USA noch immer überdurchschnittlich warm, und nur den wenigstens Shoppern ist daher nach Wollpullovern oder Herbstjacken zumute. Zum anderen geben die Amerikaner im Moment ohnehin weniger für Kleidung aus. Nach Ansicht einiger Analysten ist aber nicht nur das Wetter und die Wirtschaft schuld: Shari Schwartzman Eberts von der Investmentbank J.P. Morgan kritisiert, dass der schwache Absatz auch an dem "Mangel an neuen Modetrends" liegt.

Gefragt ist dagegen weiterhin alles, was das Leben in den eigenen vier Wänden angenehm macht. Der so genannte "Nesting"-Trend scheint ungebrochen. Auch bei Wal-Mart blieb die Kleidung in den Regalen liegen, während sich Einrichtungsgegenstände, Farben, Haushaltsgeräte und Videospiele weiterhin gut verkauften. Nachdem die wichtige, so genannte "Back to School"- Saison nach dem Sommer nicht die erwünschten Umsätze brachte, müssen die Einzelhändler nun auf das Weihnachtsgeschäft hoffen. "Um etwas über das Feiertags-Geschäft zu sagen, ist es vielleicht noch etwas früh", sagt Kurt Barnard, Herausgeber des Barnard?s Retail Report. "Aber wenn es nicht einen größeren Wandel zum Besseren gibt, könnten die Feiertage ein Reinfall werden".

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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