Schwacher Euro belastet die international tätigen Unternehmen
Gewinnwarnungen belasten US-Börsen

Hohe Energie-Preise, der schwache Euro und abflauende Konjunktur belasten die Gewinne der US-Unternehmen im dritten Quartal. Die Analysten sind uneins: Sind die vielen Gewinnwarnungen nur ein temporäres Tief oder der Beginn einer längeren Schwächephase? Zum Teil sind die Aktienkurse bereits kräftig eingebrochen.

HB NEW YORK. Die Nervosität steigt: Nach den Gewinnwarnungen der vergangenen Wochen fürchten Investoren und Analysten geringere Unternehmensgewinne für das dritte Quartal 2000. Rund 230 Unternehmen aus dem S&P-500 Index haben bereits angekündigt, dass ihre Erlöse geringer ausfallen würden als erwartet, darunter Schwergewichte wie Intel und Kodak , deren Aktienkurse nach Gewinnwarnungen heftig einbrachen.

Charles Hill, Research Direktor beim Marktbeobachter First Call/Thomson Financial sieht eine deutliche Steigerung der Zahl der Gewinnwarnungen: "Das sind schon jetzt 20 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum", meint er. Dennoch glaubt Hill, dass die Aussichten für das Gewinnwachstum im dritten Quartal, das am 30. September Oktober endet, immer noch relativ gut sind: "Wir rechnen mit einem Plus von rund 19 % - damit gehen die außergewöhnlich hohen Zuwachsraten der ersten Jahreshälfte langsam zurück."

Gleich mehrere Faktoren belasten die Ergebnisse: Die hohen Energiepreise, der schwache Euro und die abflauende US--Konjunktur. "Alle drei bieten zumindest kurzfristig Grund zur Sorge", sagt Steven Wieting, Analyst beim Investmenthaus Salomon Smith Barney.

Die hohen Preise für Öl, Gas und Elektrizität schmälern vor allem die Gewinne der Transportunternehmen und die der Grundstoffproduzenten - der Papierindustrie, der Chemie- und Metallhersteller. Gingen die Analysten in diesem Sektor im Juli noch von einem Gewinnwachstum von 29 % aus, revidierten sie jetzt ihre Erwartungen drastisch auf 2 %.

Der Energie-Sektor profitiert dagegen deutlich von den hohen Preisen: Hier erwartet Hill einen Gewinnanstieg von 91%.



US-Unternehmen mit internationalem Geschäft leiden unter dem schwachen Euro: Die Fast-Food-Kette Mc Donald?s , der Computerhersteller IBM und der Rasierklingenproduzent Gillette haben bereits angekündigt, dass die schwache europäische Währung die Gewinne drücken wird. Analysten gehen davon aus, dass die Coca-Cola Corp. und Konsumgüterkonzerne wie Sara Lee ebenfalls Gewinneinbußen durch den schwachen Euro verzeichnen werden.

Zudem sind Unternehmen wie der Hersteller von Kommunikations- und elektronischen Systemen, Tyco International Ltd. und das Konglomerat Honeywell gefährdet, weil sie mehr als 20 % ihres Umsatzes in Europa erwirtschaften.

Die abflauende Konjunktur schmälert vor allem die Gewinne bei den zyklischen Konsumwerten, also bei Autos, Möbeln und im Einzelhandel. Noch im Juli hatten die Analysten hier ein Ertrags-Plus von 12 % prognostiziert. Nun erwarten sie keine Steigerung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch Hersteller von Konsumgütern wie Zahnpasta, Seife oder Windeln, die als wenig anfällig für zyklische Konjunkturschwankungen gelten, haben Probleme. Sie werden nach Voraussagen von First Call/Thomson Financial um rund 6 % zulegen.

Positive Entwicklungen erwartet Hill dagegen bei den Finanzwerten und im Gesundheitssektor. Richard Bernstein, Analyst beim Investmenthaus Merrill Lynch, stimmt zu: "Hier werden wir stabiles Wachstum sehen."

Erwartungen für den Technologiesektor sind uneinheitlich



Uneinigkeit herrscht bei den Prognosen für den Technologie-Sektor. "Wir erwarten ein ziemlich konstantes Gewinnwachstum von 35 %- trotz der negativen Vorgaben von Lucent und Intel", bekräftigt Hill. Steven Wieting, Analyst beim Investmenthaus Salomon Smith Barney sieht das ähnlich: "Im Technologie-Sektor geht das Gewinnwachstum weiter - überraschenderweise." Richard Bernstein, Analyst im Investmenthaus Merrill Lynch, stimmt das immer noch hohe, aber abflauende Gewinnwachstum bei den Technologiewerten dagegen skeptisch: "Viele Investoren haben bereits vergessen, dass die meisten Technologie-Werte stark zyklisch sind." Das dritte Quartal könnte bereits der Beginn eines längeren Abwärtstrends sein. Wenn sich die Ertragssteigerung weiter verlangsame, sei eine deutliche Korrektur an den Aktienmärkten wahrscheinlich: "Für das mäßige Wachstum, sind die Preise, die derzeit für Technologie-Werte gezahlt werden, noch sehr hoch."

Wenig Übereinstimmung herrscht auch bei den Aussichten für die kommenden Monate. "Das schafft Unsicherheit, die die Märkte schon jetzt nach unten zieht - trotz der relativ guten Aussichten für das dritte Quartal", meint Hill. Er glaubt, dass die hohen Energiepreise, der Euro und die abflauende Konjunktur die Gewinne im vierten Quartal noch stärker belasten: "Die Chancen für eine weiche Landung zum Jahresende verringern sich zusehens", meint er. "Wenn sich das Gewinnwachstum im vierten Quartal auf 10 bis 11 % abschwächt, haben wir echte Probleme. Wie wahrscheinlich das ist, kann heute aber noch niemand sagen."

Richard Bernstein von Merrill Lynch ist ebenfalls skeptisch, was die nächsten Monate angeht. "Der Gewinnzyklus beginnt, sich zu verlangsamen", meint er. Bisher habe es in den zyklischen Sektoren noch nie eine Abschwächung gegeben, die weniger als sechs Quartale angehalten hätte. "Die schlechten Nachrichten bei den Unternehmensgewinnen könnten uns also noch eine Weile verfolgen."

Steven Wieting von Salomon Smith Barney ist dagegen optimistisch: "Die negativen Effekte von Euro und Ölpreis sind nur temporär, und werden die Gewinne nur kurzfristig drücken." Auch Edward Kerschner, Chef-Stratege beim Investmenthaus Paine Webber, will von Unkenrufen derzeit nichts hören: "Die Berichte, dass das Gewinnwachstum am Boden liegt, sind stark übertrieben."

Er glaubt, dass der Rückgang des Gewinnwachstums lediglich eine Rückkehr zur Normalität ist. Doch Charles Hill bleibt skeptisch: "Auch wenn das Gewinnwachstum im dritten Quartal noch bei 19 % liegt, ein Grund zum Feiern ist das nicht."

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