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Schwacher Ifo-Index drückt Euro auf Monatstief

Die erneute Eintrübung des Geschäftsklimas in der deutschen Industrie hat am Dienstag nach Händlerangaben den Euro belastet und auf den tiefsten Stand seit Anfang November gedrückt. Nach der Veröffentlichung des schwächer als erwartet ausgefallenen Ifo-Indexes für Westdeutschland am Morgen rutschte der Euro bis zum frühen Abend auf Kurse knapp über 0,84 $.

rtr FRANKFURT. Händler sagten, sowohl die Bekanntgabe des US-Handelsdefizits in Rekordhöhe als auch die andauernden Spekulationen über erneute Stützungskäufe der Notenbanken hätten den Euro jedoch vor weiteren Kursverlusten bewahrt. Die politische Situation in Japan belastete unterdessen erneut den Yen, der auf ein Neun-Monatstief zum $ fiel.

Gegen 19.30 Uhr MEZ notierte der Euro mit Kursen von 0,8418/20 deutlich unter dem am Nachmittag von der Europäischen Zentralbank (EZB) ermittelten Referenzkurs von 0,8474 $. Ein $ kostete damit umgerechnet 2,3220 DM.

Wie das Münchner Ifo-Institut am Morgen mitgeteilt hatte, schwächte sich das Geschäftsklima in der westdeutschen Industrie im Oktober zum fünften Mal in Folge ab. Das viel beachtete Konjunkturbarometer fiel auf 97,2 Indexpunkte nach 98,0 im September. "Der Rückgang ist stärker als erwartet...Der Index zeigt, dass die Konjunktur im dritten und vierten Quartal dieses Jahres vor allem durch den hohen Ölpreis gedämpft ist", sagte Christoph Hausen von der Commerzbank in Frankfurt. Auch US-Händler sahen in dem Index eine große Belastung für die Gemeinschaftswährung. "Ich glaube, der Euro steuert weiter abwärts", sagte Tom Benfer, Devisenchef bei der Bank of Montreal in New York. Vor der Veröffentlichung des Indexes hatte der Euro noch bis zu 0,8534 $ gekostet.

Dass die Euro-Zone, an deren Wirtschaft Deutschland etwa einen Anteil von einem Drittel hat, die Vereinigten Staaten bisher mit ihren Konjunkturdaten noch nicht überflügeln konnte, gilt unter Volkswirten als ein wichtiger Grund der Euro-Schwäche. Denn auch wegen der besseren Wachstumsaussichten fließt nach wie vor mehr Anlagekapital aus Europa in die USA als umgekehrt. Seit es vor einigen Monaten erste Anzeichen für eine Abkühlung der US-Konjunktur gegeben hat, war die Hoffnung auf eine Erholung des Euro gewachsen. Schwächt sich die Wirtschaft der Euro-Zone jedoch ebenfalls ab, sinkt nach Ansicht der Experten die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Euro-Erholung.

Drei Faktoren bremsten nach Händleraussagen dagegen am Dienstag den Abwärtstrend des Euro: Ein deutlich höher als erwartet ausgefallenes US-Handelsbilanzdefizit, die Unsicherheit über den Ausgang der US-Präsidentenwahl sowie Spekulationen über neue Stützungskäufe zu Gunsten des Euro durch die EZB.

Das US-Handelsministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, das amerikanische Handelsbilanz-Defizit sei im September nach offiziellen Angaben auf ein Rekordhoch von 34,26 (August: 29,81) Mrd. $ gestiegen. Obwohl die Zahlen die Erwartungen der Analysten übertrafen, konnte dies dem Euro nur kurzfristig helfen.

Händler warteten unterdessen gespannt auf die Entscheidung des obersten Gerichtes in Florida, ob die Handauszählungen in dem wahlentscheidenden Bundesstaat noch berücksichtigt werden sollen. Sollte Bush die Wahl gewinnen, erwarten Devisenhändler weitere Kursrückgänge beim Euro. Notenbankinterventionen unter Beteiligung der USA würden dann unwahrscheinlicher, hieß es. Auch Spekulationen über Stützungskäufe der EZB gaben dem Euro Händlerangaben zufolge Auftrieb. Die EZB hatte Anfang des Monats bereits drei Mal an den Devisenmärkten zur Stützung des Euro interveniert.

Der Yen lag ebenfalls im Mittelpunkt des Geschehens auf den Devisenmärkten. Die japanische Währung fiel am Dienstag auf den tiefsten Stand zum $ seit neun Monaten. Ein $ kostete zwischenzeitlich bis zu 110,43 Yen. Händler begründeten den erneuten Kursverlust des Yen mit der Regierunskrise in Japan. Nach dem am Montag gescheiterten Misstrauensvotum gegen Regierungschef Yoshiro Mori herrscht Analysten zufolge nach wie vor politische Unsicherheit. Die Finanzmärkte befürchten, dass dringend notwendige Strukturreformen in Japan nun hinausgeschoben werden.

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