Schwacher Start ins dritte Quartal
US-Arbeitsmarkt verliert an Fahrt

Die Kette der schlechten Konjunktur-Nachrichten aus den USA setzt sich fort: Auf dem Arbeitsmarkt entstanden im Juli viel weniger neue Jobs als Volkswirte erwartet hatten. Zudem haben die Industrie- Unternehmen im Juni deutlich weniger neue Aufträge erhalten als im Mai. Zumindest die Konsumfreude der US-Bürger dauert aber an.

ost/HB DÜSSELDORF. Kein Tag ohne schlechte Konjunktur-Nachrichten aus den USA: Auch der Arbeitsmarkt entwickelte sich im Juli schwächer als Volkswirte erwartet hatten. Zudem sind die Auftragseingänge in der Industrie im Juni zum ersten Mal seit vier Monaten gegenüber dem Vormonat gesunken. Aber immerhin: Die Kauflust der Amerikaner dauert weiter an.

Die Zahl der Beschäftigten stieg in den USA im Juli gerade einmal um 6 000 - Volkswirte hatten dagegen mit einem zehn Mal größeren Plus gerechnet. Im Juni waren noch 66 000 zusätzliche Jobs entstanden. Die Arbeitslosenquote stagnierte gegenüber Juni bei 5,9 %, meldete das US-Arbeitsministerium. Im April hatte die Quote mit 6,0 % den höchsten Stand seit August 1994 erreicht. "Der Arbeitsmarkt verliert den wenigen Schwung, den er hatte", kommentiert Douglas Porter, Volkswirt bei der Investmentbank BMO Nesbitt Burns Inc. in Toronto. "Das spricht dafür, dass die Wirtschaft im dritten Quartal an Fahrt verliert."

Die Reihe enttäuschender Konjunktur-Daten aus den USA hat sich damit fortgesetzt: Zuvor hatte sich bereits die Stimmung bei den Verbrauchern und in der Industrie deutlich eingetrübt. Außerdem wuchs die US-Wirtschaft im zweiten Quartal nur noch sehr langsam. All dies spricht für die Hypo-Vereinsbank für ein "extrem schwaches Winterhalbjahr" in den USA.

Nicht nur das langsame Wachstum der Beschäftigung enttäuschte die Volkswirte. "Wirklich Besorgnis erregend ist der Kollaps der Wochenarbeitszeit in der Industrie", sagt Joseph A. LaVorgna, Volkswirt bei der Deutschen Bank in New York. Statt 41,1 Stunden arbeiteten die Beschäftigten in der Industrie im Juli im Schnitt nur 40,7 Stunden. "Die Wochenarbeitszeit ist ein Frühindikator für die Entwicklung der Gesamtwirtschaft", sagt LaVorgna. Der Rückgang spreche dafür, dass das US-Wachstum derzeit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibe. "Wir hatten einen ziemlich schwachen Start ins dritte Quartal", meint auch Ian Morris, Ökonom bei HSBC.

Zudem hat sich die Auftragslage in der US-Industrie verschlechtert. Die Unternehmen bekamen im Juni 2,4 % weniger neue Orders als im Mai, berichtet das US-Handelsministerium. Damit sind die Auftragseingänge so stark zurückgegangen wie seit November 2001 nicht mehr. Damals waren die Orders im Monatsvergleich um 0,6 % gestiegen. Volkswirte hatten für Juni nur mit einem Minus von 0,9 % gerechnet.

Wie es am US-Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten weitergeht, ist unter Ökonomen umstritten: Deutsche-Bank-Ökonom LaVorgna erwartet weitere Anstiege der Arbeitslosenquote. Morris dagegen glaubt an eine moderate Erholung.

Sollte sich die Lage am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten deutlich verdüstern, werde die US-Notenbank wahrscheinlich die Leitzinsen senken, meint LaVorgna. Allerdings: "Noch rechtfertigen die Zahlen keinen neuen Zinsschritt", betont Morris. Sie seien allerdings ein weiteres Argument dafür, dass die Federal Reserve die Leitzinsen unverändert lasse.

Für die Entwicklung des privaten Konsums, in der Vergangenheit der Rettungsanker der US-Konjunktur, ist der Arbeitsmarkt von entscheidender Bedeutung. Noch konsumieren die Amerikaner trotz Börsenflaute und schwachem Arbeitsmarkt unverdrossen weiter. Die Ausgaben für den privaten Verbrauch waren im Juni real 0,4 % höher als im Mai, meldete das US-Handelsministerium am Freitag. Die verfügbaren Einkommen kletterten sogar um 0,6 %. Die Sparquote stieg gegenüber Mai nur um 0,1 Prozentpunkte auf 4,2 % des verfügbaren Einkommens.

Quelle: Handelsblatt

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