Schwacher Zuwachs bei der Beschäftigung enttäuscht Volkswirte
US-Arbeitsmarkt tritt auf der Stelle

Die Beschäftigung in den USA erholt sich langsamer als erwartet von der Rezession. Die Unternehmen zögern noch immer mit Neueinstellungen und greifen statt dessen auf Überstunden und Zeitarbeiter zurück. Volkswirte rechnen allerdings mit einer baldigen Wende auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt.

tor NEW YORK. Die wirtschaftliche Erholung in den USA verläuft auf dem Arbeitsmarkt langsamer als erwartet. Die Beschäftigung wuchs im Juni nur um 36 000 neue Stellen - gerade einmal halb so viel, wie Ökonomen an der Wall Street vorausgesagt hatten. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,8 % auf 5,9 %. Analysten gehen davon aus, dass erst ein Beschäftigungszuwachs von 100 000 Stellen pro Monat den Anstieg der Arbeitslosigkeit bremst.

In Kanada ist die Arbeitslosenquote dagegen im Juni um 0,2 Prozentpunkte auf 7,5 % gefallen. Die Zahl der Stellen stieg um 66 400. Kanada weist zurzeit das höchste Wirtschaftswachstum in den Industrieländern auf.

In den USA dagegen bremse die Vertrauenskrise in der US-Wirtschaft und die anhaltende Unsicherheit über neue Terroranschläge den Arbeitsmarkt, meint William Sullivan, Ökonom bei Morgan Stanley in New York. "Die Unternehmen zögern mit Neueinstellungen." Ähnlich argumentiert Ken Mayland, Präsident des Marktforschungsinstituts Clear Views Economics: "Es gibt einfach nicht genug Vertrauen in den Aufschwung, um neue Mitarbeiter einzustellen."

Die Stagnation auf dem US-Arbeitsmarkt bestätigt die jüngsten Konjunktursignale, die auf eine deutliche Abschwächung des US-Wachstums hindeuten. Im ersten Quartal war die Wirtschaft zum Vorquartal auf ein Jahr hochgerechnet noch mit einer Rate von 6,1% gewachsen. Für die Monate April bis Juni erwarten die meisten Ökonomen aber nur noch ein Plus von annualisiert unter 3 %.

Der US-Dollar, der sich in den vergangenen Tagen von seinem Schwächeanfall etwas erholt hatte, erhielt durch die enttäuschenden Beschäftigungszahlen einen erneuten Dämpfer. Die US-Währung sackte auf 97,48 Cents gegenüber dem Euro ab.

Höhere Leitzinsen rücken in weitere Ferne

Eine Leitzinserhöhung durch die Notenbank Federal Reserve ist nach den Arbeitsmarktdaten weiter in die Ferne gerückt. Volkswirte führender US-Banken rechnen frühestens im Herbst damit. Zinserhöhungen in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit gelten in den USA normalerweise als Tabu. "Ich gehe davon aus, dass die Arbeitslosenquote in den nächsten Monaten noch weiter ansteigen wird", sagt Morgan-Stanley-Ökonom Sullivan. Möglicherweise bremse dies die ohnehin schwächer werdende Konsumnachfrage.

Die Arbeitsmarktzahlen kamen am Ende einer Woche neuer Massenentlassungen. Der schwer angeschlagene Telekom-Konzern Worldcom kündigte den Abbau von 17 000 Jobs an, der Computer-Dienstleister EDS will weitere 2 000 Stellen streichen.

Den stärksten Beschäftigungsabbau gab es im Juni erneut im verarbeitenden Gewerbe. Dort fielen 23 000 Stellen weg. Aber auch der Einzelhandel verlor 18 000 Arbeitsplätze. Im Dienstleistungsbereich schwächte sich der Zuwachs - er wurde vor allem im Gesundheitswesen registriert - deutlich von 70 000 auf nur noch 33 000 ab (Grafik). Dennoch leistete der Dienstleistungssektor den größten Beitrag zum Beschäftigungsanstieg. Das Arbeitsministerium revidierte zugleich die Zahlen der Vormonate nach unten. Danach ist die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft in den USA bislang nur in den Monaten Mai und Juni leicht gestiegen.

Trotz der enttäuschenden Zahlen für Juni rechnen die meisten Ökonomen mit einer baldigen Wende auf dem Arbeitsmarkt. Sie begründen das nicht nur mit dem leichten Beschäftigungszuwachs, sondern auch mit dem starken Nachfrageanstieg nach Zeitarbeitern. "Wir sehen landesweit einen wachsenden Bedarf an Zeitarbeitnehmern", sagte Lori Hock, Managerin bei Adecco, der größten Zeitarbeitsvermittlung in den USA. Ein weiterer Hinweis auf die wachsende Arbeitsnachfrage ist: Im verarbeitenden Gewerbe nehmen die Überstunden wieder zu.

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